Ich will mir heute erlauben, einfach müde zu sein. Müde vom Leben. Müde vom Kämpfen. Und vor allem müde vom Erklären. Ich bin hier unmerklich dazu übergegangen, genau das zu tun, was im Alltag immer wieder von mir gefordert wird. Mich zu erklären, damit ich verstanden werde. Und ganz ehrlich? Ich bin müde davon. Ich will mich nicht mehr erklären. Ich will nicht mehr nur ausreichend genaue Worte für meinen Schmerz finden müssen, damit ich gesehen werde.
Ich will sagen können: Das tut mir weh. Und nicht hinterher eine Abhandlung darüber liefern müssen, warum es mir weh tun darf.
Ich will sagen können: Nein. Das will ich nicht. Und nicht meine Grenze nicht nur objektiv in ihrer Angemessenheit beweisen, sondern sie auch noch verteidigen müssen.
Ich will sagen können: Ich brauche das. Und nicht erklären müssen, warum ich das brauche, ob ich auch mit einem Kompromiss zufrieden bin oder mich darum zu kümmern, dass es jemand anderen verletzt, dass ich diese Bedürfnisse habe.
Ich will weinen dürfen und niemandem erklären müssen, dass ich getröstet werden will.
Ich habe so viele Worte in mir und doch erreicht keines davon sein Ziel. Meine Worte und meine Sprache haben sich grausam gegen mich gewandt. Es reicht nicht mehr zu sein, ich muss mich auch erklären, damit ich gültig werde.
Meine Empfindung braucht die Legitimation meines Gegenübers, damit sie validiert werden kann.
Und davon bin ich müde. Erschöpft. Ich mag nicht mehr. Ich mag nicht mehr reden.
Um gesehen zu werden, sollte man sich intellektuell nicht perfekt erklären müssen.
Und heute ist einfach alles zu viel. Heute tut einfach alles weh.