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Was ist das eigene Seelenheil wert?

Mir ist klar, wie luxuriös diese Frage auf den ersten Blick anmutet - kommen doch ausschließlich Menschen ohne existenzielle Sorgen in den Genuss, sie sich selber stellen zu dürfen.
Das ändert aber nichts an ihrer Dringlichkeit. 
Letzten Endes ist das, was wir Seelenheil nennen, die Beschreibung unseres innersten Zustandes von Kohärenz. 

Ich habe erst vor einigen Jahren die Definition des Wortes "Gesundheit" erfahren. Als ich völlig außer Betrieb war und dachte, es würde reichen, einfach nur ein wenig an den Schmerzen herumzudoktern. Ich nahm Unmengen an Tabletten, um Symptome zu bekämpfen und Ursachen ignorieren zu dürfen. Kurz und knapp: Es hat nicht gut funktioniert. 
Und genau wie körperliche Gesundheit ist auch geistige Gesundheit nicht einfach nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern ein aktiver und bejahender Zustand innerer Stimmigkeit.

Wenn wir fortwährend gegen unsere ureigenen inneren Bedürfnisse, Werte und Grenzen leben, entsteht Dissonanz und damit ein Spannungszustand zwischen dem, was wir fühlen und wer wir sind und dem, wie wir handeln. Das kostet Energie, die nie zurückkommt. Energie, die sich im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten in Erschöpfung, Angst und Depression manifestiert. 

Menschen zahlen lange einen sehr hohen Preis dafür, sich zugehörig oder geliebt zu fühlen. Im Laufe der Evolution war soziale Bindung überlebenswichtig. Wir wählen immer zuerst das, was bekannt ist statt Unbekanntes, das uns vielleicht gut tun würde, aber uns potentiell in Gefahr bringen könnte. Schutz war immer wichtiger als Selbstverlust. 

Das eigene Seelenheil hat also einen Wert, aber auch einen individuellen Preis.
Wieviel es uns kostet, merken wir erst, wenn er dauerhaft unterschritten wird. 
Die ersten Signale ignorieren wir noch frohen Mutes. 
Ein komisches Bauchgefühl, eine kleine Verschiebung in der Wahrnehmung, leises Unbehagen, wir reden uns gerne und lange ein, dass wir uns Dinge einbilden, sie nicht so wichtig sind, Ausnahmen darstellen oder vielleicht etwas mit uns nicht stimmt... 

Und alles, was man im Leben ignoriert, kommt leider so oft noch deutlicher als Lektion zurück, bis wir sie verstehen. So auch hier. 
Irgendwann können wir die Augen nicht mehr vor dem verschließen, was uns seelisch krank gemacht hat und oft genug stehen wir dann vor der unangenehmen Entscheidung, etwas Vertrautes aufgeben zu müssen, um uns einen Rest von Würde zu erhalten. 

Anhaltende Selbstverleugnung ist Stress. 
Stress, den wir lange wegdrücken, bevor er in Form von Krankheit, Burnout oder Panikattacken so stark geworden ist, dass wir unserem Körper zuhören müssen, statt ihn weiter zu verleugnen. 

Vielleicht lautet die Frage dann also nicht: Was ist mein Seelenheil wert? sondern vielmehr: Was kostet es mich, es zu ignorieren?

Irgendwann erreichen wir einen Punkt, an dem der Preis des Ausharrens höher wird als der Preis der Veränderung. 

Kati 06.05.2026, 14.50

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Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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