Blogeinträge (themensortiert)

Thema: barfuß über Scherbe

Tabu

Ob ein Tabu wirklich ein Tabu ist und ob Ethik und Moral wirklich das sind, was man sich auf die Fahne geschrieben hat, merkt ein Mensch meistens dann, wenn es unbequem wird, diese Dinge aufrechtzuerhalten.

Charakter ist nicht das, was im Licht strahlt, sondern das, was sich offenbart, wenn man die Dunkelheit durchquert. 

Kati 02.02.2026, 11.37 | (0/0) Kommentare | PL

Der mentale Kreis [ad absurdum]

Wenn der Wunsch nach Veränderung in der Theorie verweilt, dann wird aus Reflexion sehr schnell Selbstbetrug. 

Intellektualisierung ist vielleicht unsere größte Stärke, um Verhaltensweisen zu überdenken, ohne Aktion aber gleichzeitig nicht mehr als ein klassischer Abwehrmechanismus, um Gefühle, Unsicherheiten und Ängste durch Planung, Erklärung oder Handlungskonzepte einfach totzudenken. 
Der Kopf arbeitet, damit weder Gefühl noch Körperlichkeit zugelassen werden müssen.
Denken ist Distanz, Handlung ist Verbindlichkeit und damit Risiko für jeden, der Nähe und Verletzlichkeit als potentielle Gefahr erlebt. 

Das Perfide daran ist, dass unser eigener Geist uns vorgaukelt, so reflektiert, reif und mutig zu sein, denn wir beschäftigen uns ja den ganzen Tag mit diesen Gedanken und laufen nicht vor ihnen davon. 
Dabei tun wir genau dies. Wir verstecken uns hinter Einsichten, die wir nicht verkörpern, sondern auf einer leblosen Denkebene archivieren und nennen das dann Weiterentwicklung. Ständige Recherche, Listen mit Plänen, Umarbeiten von Themen, wiederholte Diskussionen ein und desselben Themas sorgen dauerhaft für ein Gefühl echter Bewegung, ohne jemals die Unsicherheit von realem Handeln ertragen zu müssen, denn jede Veränderung ist gleichzeitig Kontrollverlust und Kontrolle ist alles, was man noch hat. 

Wer wäre ich also, dieses Konzept anzugreifen, wenn der Strohhalm namens Kontrolle der einzige Schild ist, der einem Menschen im illusorischen Wahn, sich damit vor emotionalem Schmerz schützen zu können, bleibt? 
Denken als neutraler Zwischenraum, in dem Nähe theoretisch überlegt werden kann, sich aber niemand wirklich näher kommt.

Ich darf mich diesem Versteckspiel verweigern.

Kati 15.01.2026, 09.33 | PL

Leute...

ihr spinnt doch. 
Der Ko-fi Link ist für eine Tasse heißen Kakao unterwegs auf 1 Euro eingestellt.
Das ist mein absolutes Guilty Pleasure, wenn ich vom Laufen mit Lu und Henriette am Hundestrand zurückkomme, denn dann komme ich da vorbei. 
Und ich liebe es, wenn jemand mir eine Freude macht. 
Für 3 Euro kann ich den Hasen einen Strohballen beim Bauern kaufen, 5 Euro sind das, was ich bei jedem Tierarztbesuch in der Kaffeekasse dort lasse, auch das ist wundervoll, wenn das jemand für die Bären übernimmt und ich freue mich über alles, was ihr mir schenkt, von ganzem Herzen. 
Es ist aber nicht nötig. Wir kommen über die Runden, das sind wir immer. 
Wir sind über die Runden gekommen, als ich mit den Kindern das Spiel gespielt habe, in Mülleimern nach Pfandflaschen zu suchen, wir sind über die Runden gekommen, als wir Erwachsenen nur Nudeln gegessen haben, wir sind wirklich gut aufgestellt, auch wenn wir Geldsorgen hatten und haben. 
Wir sind inzwischen so fucking privilegiert, ehrlich. Wir haben ein Haus, wir haben Kinder, deren Ausbildung wir uns leisten können, wir haben Haustiere, wir haben einen wirklich guten Verdienst, der zwar momentan aufgrund von Gründen nicht unsere Ausgaben deckt, aber ich bin die Letzte, die um Geld bitten würde, denn wir sind so scheißreich an allem, wovon andere Menschen nur träumen können. Alles andere findet sich, das hat die Zeit immer wieder gezeigt.

Ich bin zutiefst dankbar für jede Aufmerksamkeit, die ihr mir über Ko-fi zukommen lasst. Punkt. 
Mir ist es zusätzlich wichtig, dass jeder weiß, dass ich nicht in finanzieller Not bin.
Nie. 
Ich lehne diese Perspektive für mich vollkomen ab.

Und vielleicht gerade deswegen oder trotzdem: Danke.

Kati 12.01.2026, 14.11 | PL

Ungelesen

Ich sehe alle Nachrichten in meinem Postfach, sie warten dort, ungelesen. 
Ich kann sie noch nicht öffnen. 
Die schiere Tatsache, dass sie dort ausharren, ich gesehen bin und Menschen sich Zeit genommen haben, etwas zu schreiben, nachdem die Dunkelheit alles weggerissen hat, spendet Trost.

Kati 09.01.2026, 10.52 | PL

Gefühl

Es stürmt. Eiskalt. Mit widerlich nassen, großen Schneeflocken, die mir ins Gesicht gepeitscht werden. 
Innerhalb von Sekunden sind meine Haare, mein Schal, mein Mantel weiß und mein Gesicht eingefroren. 
Und weil ich inmitten einer Welt, in der niemand auf irgendetwas außer sich selber achtet, auch unter Menschen alleine bin, löst sich endlich die Sehnsucht aus meinen Augen und läuft mir über die Wangen.
Alles egal und doch so schmerzhaft.

Kati 07.01.2026, 16.10 | PL

Maßstab

Was der Mensch in seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung als Intelligenz definiert, ist im Grunde nicht mehr als eine durch Mutation bedingte Überfunktion zu vieler neuronaler Zusammenschlüsse, die dafür sorgen, dass die ach so reflektierte Krone der Schöpfung Zeit ihres Lebens eine explosive Mischung aus Kindheitsprägung, Traumaantwort und Mechanismus bleibt, die versucht, sich ihre Nutzlosigkeit durch Sinn, Aufgabe und Bedeutung schönzureden. Dabei könnten wir dem Universum egaler nicht sein. Es kräht kein Hahn danach, ob wir existieren, was wir tun und warum wir handeln. In spätestens drei Generationen wird sich niemand mehr an unsere Namen erinnern. 

Die Stimme in unserem Inneren? Gewissen, Moral, Ethik, die wahnhafte Illusion, "richtig" handeln zu können? Nicht existent. Wir reden uns ein, dass die Gemengelage in unserem Kopf mehr sei, als nur das Produkt aus schmerzhaften Kindheitserinnerungen, Erziehungswunden, Lieblosigkeit und rudimentären Überbleibseln von Instinkten, die wir schon seit ewigen Zeiten nicht mehr benötigen. Dabei formt sie nur dauerhaft die größte Lüge, die wir uns jeden Tag selbst erzählen. Eingesperrt in Körper, die wir von Anbeginn selbst zerstören, getrieben von der Jagd nach einem Hirngespinst namens echter Liebe, von dem wir nicht ablassen können bis wir uns fortgepflanzt haben. 

Das pathologische Streben nach Glück, Weisheit und Optimierung vertreibt uns die Zeit, bis wir auch für unseren Nachwuchs wahrhaft nutzlos geworden sind. Ab diesem Zeitpunkt kämpfen wir verzweifelt gegen unsere stetig feuernden Synapsen, die uns nur zu deutlich fühlen lassen, dass die Kaskade aus Angst und Schweigen in unserem Kopf unser Ende ankündigt, während wir noch erbärmlich strampelnd versuchen, allem irgendwie einen Sinn aufzuzwingen, gefangen in einem Leben, das im Vergleich zum Großen und Ganzen schlichtweg bedeutungslos ist.

Kati 03.01.2026, 05.21 | PL

Sichtbarkeit

Der Drang, sichtbar zu sein, ist vermutlich in den Menschen stärker, die konsequent ignoriert werden.
Aber was nützt mir alle Sichtbarkeit, wenn sie so austauschbar und willkürlich ist? 
Wenn ich im Grunde nur von einer Handvoll Menschen wirklich gesehen werden will, um glücklich zu sein?
Ich werde morgen vergessen sein, wie jeder Mensch. 
Und ein Teil von mir denkt immer noch, ich könnte so etwas wie Bedeutung gehabt haben.
Närrin.

Kati 29.12.2025, 07.53 | PL

Last Christmas

Zauber der Weihnacht...

Was die Weihnachtszeit für mich so besonders macht, sind die Menschen um mich herum. Menschen, die den Gedanken und die Vorstellung von dieser Zeit im Jahr mit mir teilen. Die es warm und gemütlich mögen, die Kekse backen oder verzieren oder essen wollen, die aufgeregt sind, den Baum zu schmücken, die sich daran erfreuen, dass überall Weihnachtsdekoration herumsteht und hängt und aktiv und zugewandt mit mir diese Zeit begehen wollen. Wenn alle aufgeregt sind, die Geschichte aus dem Adventskalenderbuch vom Tannenbaum Immergrün zu hören. Wenn jemand für mich die großen Lichterketten aufhängt, weil alle wissen, wie sehr ich dieses Licht im Haus ab Anfang November brauche. Wenn man mir einen neuen Anhänger für den Baum schenkt, den man selbst ausgesucht oder gebastelt hat, so wie die unzähligen, die ich schon habe, die mir alle die Geschichte von Freundschaft und Liebe erzählen. Pakete und Päckchen und Briefe und Postkarten, die hier den ganzen Dezember über eintrudeln. Wenn wir gemeinsam überlegen, wer welches große Adventsonntagsessen kocht, was es zu Heiligabend gibt, was wir an den Weihnachtsfeiertagen essen wollen. Ich liebe es, an Heiligabend mit der Familie in die Kirche zu gehen, ich genieße es so sehr, inmitten von anderen Menschen dort zu sitzen, zu singen, zu beten, die Weihnachtsgeschichte zu hören und in dieser festlichen Stimmung nach Hause zu kommen, wo man zusammensitzt und dankbar dafür ist, von seinen Liebsten umgeben zu sein.

Sollte ich irgendwann merken, dass dies von den wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht mehr mitgetragen wird, wird das mein letztes Weihnachten.

Kati 19.12.2025, 06.40 | PL

Bedeutungslosigkeit

Wenn man in seinem Leben doch nur diese Handvoll Menschen überhaupt erreicht hat - wenn überhaupt - und wenn der Unterschied, den man gemacht hat, so verschwindend gering war, dass das Leben auch ohne mich seinen Weg gefunden hätte, welche Bedeutung habe ich dann überhaupt? Wenn alles Interesse an mir in meiner Funktion begründet liegt, wenn all mein Wirken mit meinem Rückzug nicht nur in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, sondern auch in seiner bloßen Existenz fraglich würde, warum sollte ich dann auch nur noch einen einzigen Schritt in eine Zukunft machen, die nach Erfahrungswerten mit der Vergangenheit und den Menschen darin nichts anderes erwarten lässt als weiteren Schmerz, weitere Enttäuschung, weitere Lügen und weiteren Verrat?
Wenn ich mich nun aus diesem Hamsterrad befreie, in wievielen Stunden, Tagen werde ich vergessen sein? Die Gewissheit, dass ich in Wochen oder Monaten selbst für Menschen, die nun behaupten, ich sei für ihre Leben wertvoll und wichtig, nur noch eine dieser vagen Erinnerungen sein werde, die einem wie nicht aussprechbare Worte hinten auf der Zunge liegen und dann beim Finden einer Umschreibung einfach in Vergessenheit versinken, macht mein Leben so unwichtig wie wertlos. Und im nächsten Schritt muss man vielleicht erkennen, welch Freiheit in diesen Erkenntnissen liegt. Mit welcher Kompromisslosigkeit sie einen Menschen von den Ketten des Richtigseins, Richtigtuns und Richtiglebens befreit. Wenn die Vorstellung von einem Vermächtnis so übermächtig wurde, dass man vergisst, dass dieses Leben vielleicht nur dazu dient, hedonistisch alles mitzunehmen,was es einem anbietet. Wo Begriffe wie Moral oder Ethik nur denen dienen, die sich ihrer ohnehin widersetzen, ist die beständige Predigt von Tugenden doch die schärfste Waffe derjenigen, die sich selber unmoralisch und skrupellos nehmen, was sie wollen. Und in Abwesenheit einer Hölle bleibt dieses Verhalten ohnehin ungestraft, ungesühnt. Davon fantasieren nur die, die denken, dass wir als die Krone der Schöpfung, als Gottes Meisterwerk in irgendeiner Form fürs angepasste Bravsein belohnt werden. Werden wir aber nicht.

Kati 11.12.2025, 09.51 | (0/0) Kommentare | PL

Gewalt

Ich habe mich Zeit meines Lebens als gewaltätigen und aggressiven Menschen beschrieben, weil Wut so sehr zu meiner Natur gehört, dass es mir ohne sie kaum möglich ist zu atmen. 
Ich lerne jetzt erst, dass meine Wut nie dazu da war, irgendjemanden oder irgendetwas zu vernichten. 
Sie war immer nur dafür gedacht, mich selbst zu schützen, weil es nie einen Menschen gab, der das getan hat. 

Meine Wut verschiebt sich gerade von Waffe zu Kraft, zeigt mir ihr volles Potential von Schutz statt Zerstörung. 
Wie ein Raubtier richtet sie sich auf, endlich bereit, gnadenlos all meine Grenzen zu verteidigen, weil ich meinen Wert nicht mehr davon abhängig mache, für andere Menschen zu funktionieren. 
Ich will nicht mehr als Regulativ gebraucht werden. 

Ich will gesehen, geliebt, umworben und gewertschätzt werden. Um meiner Selbst willen.

Kati 02.12.2025, 19.03 | (0/0) Kommentare | PL



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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