Blogeinträge (themensortiert)

Thema: barfuß über Scherbe

Erschöpfung

Ich will mir heute erlauben, einfach müde zu sein. Müde vom Leben. Müde vom Kämpfen. Und vor allem müde vom Erklären. Ich bin hier unmerklich dazu übergegangen, genau das zu tun, was im Alltag immer wieder von mir gefordert wird. Mich zu erklären, damit ich verstanden werde. Und ganz ehrlich? Ich bin müde davon. Ich will mich nicht mehr erklären. Ich will nicht mehr nur ausreichend genaue Worte für meinen Schmerz finden müssen, damit ich gesehen werde. 
Ich will sagen können: Das tut mir weh. Und nicht hinterher eine Abhandlung darüber liefern müssen, warum es mir weh tun darf. 
Ich will sagen können: Nein. Das will ich nicht. Und nicht meine Grenze nicht nur objektiv in ihrer Angemessenheit beweisen, sondern sie auch noch verteidigen müssen.
Ich will sagen können: Ich brauche das. Und nicht erklären müssen, warum ich das brauche, ob ich auch mit einem Kompromiss zufrieden bin oder mich darum zu kümmern, dass es jemand anderen verletzt, dass ich diese Bedürfnisse habe. 
Ich will weinen dürfen und niemandem erklären müssen, dass ich getröstet werden will. 
Ich habe so viele Worte in mir und doch erreicht keines davon sein Ziel. Meine Worte und meine Sprache haben sich grausam gegen mich gewandt. Es reicht nicht mehr zu sein, ich muss mich auch erklären, damit ich gültig werde. 
Meine Empfindung braucht die Legitimation meines Gegenübers, damit sie validiert werden kann. 
Und davon bin ich müde. Erschöpft. Ich mag nicht mehr. Ich mag nicht mehr reden.
Um gesehen zu werden, sollte man sich intellektuell nicht perfekt erklären müssen.
Und heute ist einfach alles zu viel. Heute tut einfach alles weh. 

Kati 20.08.2026, 17.00 | (0/0) Kommentare | PL

Einsamkeit

Vielleicht gehört es zu den schmerzhaftesten Formen von Einsamkeit, einem Menschen so nahe zu sein, dass man emotional nicht mehr an ihn herankommt. Nicht weil Liebe oder Sehnsucht verloren gingen, sondern weil die eigene Nähe im anderen etwas aktiviert, das stärker ist, als sich dieser Nähe hinzugeben: Angst.

Angst ist nicht gleich Angst. Diese Angst entsteht nicht aus Verhalten, sie entsteht aus Bedeutung. Je elementarer die Bindung, desto größer die Gefahr, die damit verbunden ist, sich auf einen anderen Menschen einzulassen: Zurückweisung, Versagen, Beschämung, Konflikt, Abhängigkeit, Kontrollverlust. Ein ängstlich vermeindendes Bindungssystem sucht Nähe und gleichzeitig Schutz vor ihr. Wo am meisten auf dem Spiel steht, wird Rückzug plötzlich die sicherste Strategie.

Für den Menschen, der all das ertragen muss, macht die intellektuelle Fähigkeit, diese Dinge zu reflektieren, zu analysieren und zu erkennen, emotional nur begrenzt einen Unterschied. Ich lebe nicht mit der psychologischen Analyse eines Verhaltens, sondern mit seinen Folgen.
Ich erlebe einen Menschen, der mit anderen lachen kann. Der sprechen kann. Sich ausdrücken. Der reagieren, scherzen, herumalbern kann. Komplimente machen, zugewandt sein. Ich sehe seine Leichtigkeit und weiß darum, dass sie noch existiert. Nur nicht mehr zwischen uns. 
Sobald es um mich geht, scheint jedes Wort Gewicht zu bekommen. Gespräche werden zum Eiertanz, Spontaneität wird unmöglich, meine Nähe wird zur höchsten Zumutung für das Nervensystem meines Gegenübers. 

Vielleicht ist das tatsächlich der Kern der Wunde. Ich vermisse nicht etwas, das mein Gegenüber grundsätzlich verloren hat. Ich sehe, dass er es anderen noch geben kann. Nur mir nicht. 
Und so sehr ich mich bemühe, mir immer wieder die Gründe hierfür vor Augen zu führen, beginnt meine Psyche schon lange, daraus Bedeutung zu konstruieren. Wenn jemand bei allen anderen unbefangen und nur bei mir befangen ist, liegt die Schlussfolgerung erschreckend nahe, dass ich das Problem bin. Also werde ich vorsichtiger. Überprüfe meine Worte, dämpfe meine Reaktion, frage mich, ob meine Bedürfnisse unangemessen sind, mein Wollen zu groß, meine Verletzungen zu sichtbar, meine Erwartungen zu schwer geworden sind. Ich versuche, möglichst ungefährlich zu sein. Geduldiger, verständnisvoller, anspruchsloser, wie die Mutter, die ihrem Kind die Angst nehmen will. Ich relativiere mich, ich halte, ich führe, ich entscheide, ich warte, dass aus der Sicherheit heraus, die ich geben kann, die Angst verschwindet und endlich Weiterentwicklung stattfindet. 

Ich habe erst spät erkannt, dass ich zwar das Nervensystem, nicht aber das Bindungssystem eines anderen Menschen regulieren kann. Wenn Angst aus alten und ersten existenziellen Beziehungserfahrungen, inneren Erwartungen und eingeübten Schutzmechanismen stammt, kann ich mich immer weiter verkleinern, ohne jemals so klein werden zu können, dass ich keine Angst mehr auslöse. 
Ich vernichte dabei nicht seine Angst, sondern nur mich selbst. 
Grundsätzlich gilt für Beziehungen aller Art: Intimität braucht ein gewisses Maß an Unbefangenheit. Keine Konfliktfreiheit, aber die Erfahrung, sich zeigen zu dürfen, ohne dass jede Bewegung Gefahr bedeutet. Lachen braucht Spontaneität. Zärtlichkeit braucht ein Mindestmaß an innerer Sicherheit. Sexualität braucht die Möglichkeit, sich hingeben zu können. Gespräch braucht das Vertrauen, dass der andere zuhört und nicht bloß antworten will.

Wo einer Angst hat und der andere in sein Selbstbild integrieren muss, dass er diese Angst auslöst, wird Beziehung zum Minenfeld. Dann ist es egal, wieviel Liebe noch vorhanden ist, sie wird nicht mehr erlebt. 
Normalerweise bedeutet Bindung, dass der wichtigste und nahestehendste Mensch einen privilegierten Zugang erhält: Zu Gedanken, Verletzlichkeit, Freude, Körperlichkeit, Albernheit, Trost, Zugewandheit, emotionaler Verfügbarkeit.
Hier entsteht das Gegenteil: Die anderen Menschen bekommen das Lachen, die Präsenz, die Aufmerksamkeit, Geschenke, die Fragen, das Interesse. Ich bekomme nur die höchste innere Alarmstufe, gerade weil ich am nächsten bin. 
Als nahestehendste Person sitze ich auf dem Platz, der emotional am weitesten von ihm entfernt ist. 

Und irgendwann, nach Jahren, Jahrzehnten, verändert das den Blick auf Beziehung unumkehrbar. Ich möchte nicht mehr ausschließlich verstehen müssen, warum der andere Angst hat. Ich möchte einfach nciht mehr.
Ich muss fragen dürfen, was es mit mir macht, dauerhaft Gegenstand dieser Angst zu sein. Erklärungen erzeugen keine Nähe. Mitgefühl erzeugt keine Intimität. Und irgendwann wird man müde. Werde ich müde. Nicht von einem einzelnen Streit, nicht von einer schwierigen Phase, sondern von der schieren Dauer. Vom Warten auf einen Menschen, der körperlich anwesend ist, emotional aber nicht näherkommt. Vom immer neuen Hoffen auf den nächsten Versuch, den nächsten Schritt, dass vielleicht irgendetwas von dem auftaucht, was in ihm vorhanden, aber nur mir nicht mehr zugänglich ist. 

Müdigkeit ist keine Gleichgültigkeit. Im Grunde ist sie das Gegenteil. Sie resultiert daraus, dass man so lange eben nicht gleichgültig war. Dass man verstehen, einordnen, aushalten, warten wollte. Aber nichts kostet so viel Kraft wie Hoffnung, die über einen sehr langen Zeitraum keine Erfahrung erhält, an der sie sich erneuern kann. 

Und dann taucht irgendwann eine Frage auf, die so erschreckend wie schlicht ist: Wie lange schaffe ich das noch?

Kati 15.08.2026, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL

Sichtbarkeit

Nähe ensteht dort, wo wir etwas von unserem Innersten sichtbar machen und erleben, dass wir eine Antwort erhalten. Wir erzählen von uns, zeigen Verletzlichkeit, Zuneigung und lassen einen anderen Menschen erkennen, wie wir ihn wahrnehmen. All diese Dinge sind Beziehungsangebot und jedes Angebot enthält eine stumme Hoffnung auf Resonanz.
Resonanz bedeutet: Ich sehe, dass du dich mir zeigst und ich bewege mich darauf zu. Diese Bewegung muss weder die gleiche Intensität erfüllen noch genauso tief oder von gleicher Art sein. Sie muss vorhanden sein. 
Bleibt sie aus, entsteht ein tieferer Schmerz als bloße Enttäuschung.
Wer Offenheit anbietet und Schweigen erntet, bleibt allein. 

Bleibt Zurückweisung nicht mehr nur Einzelreaktion, sondern Muster, wird aus Enttäuschung Beziehungsinformation.
Es ist verführerisch, die ausbleibende Antwort wegzuerklären. 
Vielleicht hat der andere keine Zeit, etwas falsch verstanden, viel um die Ohren, ist überfordert, zu überwältigt, kann schlecht Gefühle zeigen, was auch immer. 
Aber wir können fehlende Resonanz nicht dauerhaft mit eigenen Erklärungen schönreden.
Damit halten wir Beziehung auf einer Tiefe, die sie vielleicht gar nicht besitzt. Das mag weniger schmerzhaft sein, ist dann aber auch weniger wahr. 
Und selbst wenn die Lücke nachvollziehbar bleibt: Zu verstehen, warum der andere nicht kann, heißt nicht, dass ich es nicht brauchen darf. 

Also bleibt vielleicht vor allem die Erkenntnis, dass nicht jeder Mensch, der uns etwas bedeutet, Zugang zu unseren persönlichsten Räumen bekommen muss.
Nähe entsteht nicht dadurch, dass dauerhaft nur eine Person die Distanz überbrückt und in Vorleistung tritt. 
Bin ich also diejenige, die beobachtet, fragt, versteht,erinnert, initiiert und emotional investiert, dann darf ich meine Investition der tatsächlich vorhandenen Beziehungstiefe anpassen, die beide Beteiligten mittragen.

Und vielleicht besteht emotionale Reife auch darin, seine eigene Verletzlichkeit sehr viel präziser in genau die Menschen zu investieren, die antworten können und wollen. 
Dort, wo zwei Menschen ein Echo im jeweils anderen hervorrufen.

Kati 11.08.2026, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL

Vanilla

Das hätte ich dir gar nicht zugetraut, war so ein Satz in letzter Zeit, der mich nachdenklich gestimmt hat. Er fiel in einem für mich völlig unspektakulären Zusammenhang und hat mir mal wieder vor Augen geführt, wie vorurteilsbehaftet Menschen, die keine Ahnung von meinem Sexualleben haben, darüber urteilen. 
Es ist eine bemerkenswert selbstverständliche Zuschreibung: Menschen, die gerade mal zehn, fünfzehn Jahre älter sind, werden von Jüngeren als sexuell konventioneller wahrgenommen –mit einer Erlebniswelt ohne ausgeprägte Kinks, Fetische oder BDSM-Elemente, Vanilla eben.
Bemerkenswert daran ist vor allem, wie wenig tatsächliches Wissen diesem Urteil zugrunde liegt. Über das Sexualleben der betreffenden Menschen ist gewöhnlich nichts bekannt. Die vermeintliche Erkenntnis entsteht also nicht aus Beobachtung, sondern aus einer psychologischen Verwechslung von Sichtbarkeit und Wirklichkeit.

Unser Gehirn arbeitet mit dem Material, das ihm zur Verfügung steht. Was häufig benannt, erzählt und dargestellt wird, erscheint uns verbreitet; was sprachlich unsichtbar bleibt, wird unterschätzt. Damit wird aus hört man nicht unmerklich ein findet vermutlich nicht statt. Gerade bei Sexualität ist dieser Schluss besonders unzuverlässig, weil sie sich weitgehend der Beobachtung entzieht.

Dabei hat sich innerhalb relativ kurzer Zeit weniger die sexuelle Praxis verändert als die Sprache, mit der sie beschrieben wird. Die heutige Sexualkultur verfügt über ein hochdifferenziertes Vokabular für Vorlieben, Rollen, Dynamiken und Praktiken. 

Diese Begriffe erfüllen ohne Frage wichtige Funktionen: Sie ermöglichen Verständigung, erleichtern Kommunikation und schaffen Zugehörigkeit. Gleichzeitig verändern sie aber unsere Wahrnehmung. Was einen Namen besitzt, wird kognitiv greifbar. Und wer diesen Namen verwendet, erscheint mit der dazugehörigen Erfahrung vertraut. Genau daraus entsteht der Fehlschluss: Wir verwechseln die Fähigkeit, eine Erfahrung zu kategorisieren, mit der Fähigkeit, sie zu machen.

Menschen, deren sexuelle Sozialisation nur ein oder zwei Jahrzehnte früher stattfand, haben ihre Sexualität oft unter anderen kommunikativen Bedingungen entwickelt. Sie konnten mit Macht, Hingabe, Kontrolle, Fesselung, Fantasie oder Grenzerfahrungen experimentieren, ohne dafür jemals ein festes Vokabular zu benötigen. Eine Praxis musste keine Kategorie sein und eine Vorliebe nicht gleich Identität werden. 
Sie konnte schlicht etwas sein, das zwei Menschen miteinander entdeckten und mochten. Wer heute für dieselbe Erfahrung einen präzisen Begriff kennt, besitzt deshalb nicht zwangsläufig mehr sexuelle Erfahrung – sondern zunächst einmal nur mehr begriffliche Ordnung.

Zusätzlich überschätzen Menschen, wie selbstverständlich die eigenen Denk- und Ausdrucksformen auch für andere sein müssten. Wer gelernt hat, Sexualität über Labels zu strukturieren, nimmt diese Struktur leicht als Normalität wahr. Verwendet ein anderer Mensch die entsprechenden Begriffe nicht, erscheint ihm deshalb nicht nur dessen Sprache fremd, sondern dessen Erfahrungswelt vermeintlich kleiner. Aus sie kennt den Begriff nicht wird unbewusst sie kennt die Praktik nicht. Ich frage oft und gerne nach Bedeutung von Begriffen und bin mitunter erstaunt, dass sie für etwas existieren, das ich seit Jahrzehnten im Alltag praktiziere, ohne jemals einen Grund gesehen zu haben, sie außerhalb meiner Beziehung benennen zu müssen. Ich besitze für einen Großteil meines Sexuallebens keine öffentlich lesbare sexuelle Sprache, wozu auch?

Erfahrung muss sich nicht in Begriffen organisieren. Manchmal ist gerade das Gegenteil der Fall: Was längst selbstverständlich geworden ist, muss nicht mehr benannt werden. Die Zuschreibung Vanilla sagt deshalb häufig erstaunlich wenig über die Sexualität der bezeichneten Menschen aus. 

Sie beschreibt vielmehr die Wahrnehmungsschwäche eines unreflektieren Beobachters, fehlende Informationenen nicht konsequent als Nichtwissen zu behandeln, sondern Wissenslücken mit dem zu füllen, was plausibel erscheint.

Kati 03.08.2026, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL

Angst vs. Leidenschaft

Viele ängstlich-vermeidend gebundene Menschen haben gelernt, dass Autonomie vor allem Schutz bedeutet. Wenn Bedürfnisse von Kindern nicht zuverlässig beantwortet werden, emotionale Abhängikeit zu Scham, Gefahr und Enttäuschung wird, dann entsteht daraus fast zwangsläufig eine innere Strategie, möglichst wenig zu brauchen, wenig zu erwarten, die eigenen Gefühle zu kontrollieren, Konflikte zu begrenzen und Emotionalität schnell auf eine akademische Ebene zu verlagern. Beziehung funktioniert dann am besten, wenn sie emotional überschaubar bleibt. 

Ein leidenschaftlicher Partner bringt dieses System schnell an seine Grenzen. Leidenschaft bittet nicht, sie will. Sie will nicht nur Nähe, sie erwartet Beteiligung. Sie formuliert Erwartung: Sei ansprechbar. Zeig dich. Reagier auf mich. Übernimm Verantwortung für das, was zwischen uns geschieht. Und diese Erwartung mündet nicht selten in Besitzanspruch, etwas, das ein sicher gebundenes Nervensystem durchaus genießen kann, für ein vermeidendes Bindunssystem jedoch schnell zur Dauerprüfsituation wird. 
Wenn Forderung zu Überforderung wird, versinkt jedes Gespräch in einem Sumpf aus Angst, Rechtfertigung, Erklärung und dem Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Besonders auf Scham reagiert das Nervensystem mit Deaktivierung. Gefühle werden relativiert, Bedürfnisse des Partner als überzogen gebrandmarkt, Konflikte werden vertagt, Verantwortung ausgelagert und aus Emotion wird Sachverhalt. Wer keinen oder nur wenig Zugang zu den eigenen emotionalen Prozessen besitzt, versucht Beziehung kognitiv zu lösen. Damit vermeidet man auch, sich mit der eigentlichen Botschaft des Partners beschäftigen zu müssen.

Für den leidenschaftlichen Partner ist das auf Dauer schwer auszuhalten. Je weniger Resonanz er erhält, desto deutlicher formuliert er seine Bedürfnisse. Er erklärt genauer, fordert verbindlicher, versucht mit mehr Intensität zum Partner durchzudringen. Damit eskaliert es vollends. Was für Leidenschaft notwendige Beziehungsklärung ist, erhöht für Angst genau jene innere Überforderung, die deren Rückzug verursacht. Und dieser Rückzug sorgt auf der anderen Seite dafür, dass noch deutlicher gesprochen werden muss. Es ist ein endloser Strudel in den Abgrund.

Besonders problematisch wird es dort, wo geschlussfolgert wird, der leidenschaftliche Partner müsste lediglich anspruchsloser, geduldiger, weniger leidenschaftlich, weniger fordernd werden. Zu verführerisch erscheint es, das Laute leiser machen zu wollen, nur weil es hörbarer ist.

Denn im Grunde stellt Vermeidung die egoistischeren Bedinungen an eine Beziehung: Wenig Konfrontation, keinen Erwartungsdruck, hohe Toleranz für Distanz, hohe Fähigkeit zu Reflexion und Selbstregulation in Notsituationen, wenn man von einem emotional nicht verfügbaren Partner im Stich gelassen wird.
Vermeidung erscheint auf den ersten Blick nur deshalb weniger fordernd, weil ihre Forderung vor allem im Unterlassen besteht.

Kati 02.08.2026, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL

Integrität

Es gibt einen Punkt, an dem Worte an Wert verlieren.
Sprache an sich versagt nur selten, aber wenn sie kein Echo in Form von Glauben erzeugen kann, weil Worte zu oft an derselben Stelle gebrochen wurden, dann werden Versprechen zu sinnlosen Wiederholungen, Entschuldigungen zu Gepflogenheiten und Beteuerungen zu leeren Worthülsen.
Irgendwann hört das Gegenüber nicht mehr, was gesagt wird, sondern schaut nur noch darauf, was geschieht. 

Wenn Worte nicht mehr tragfähig sind, bleibt nur die Realität. 
Integrität lässt sich auch durch Eloquenz nicht an den Haaren herbeiziehen. 
Integrität ensteht ausschließlich dort, wo Wort und Handlung über einen langen Zeitraum deckungsgleich werden.

Es sind nicht die großen Gesten. Es ist das völlig unspektakuläre Einhalten der kleinen Dinge.
Verlässlichkeit dort, wo man sie nicht einfordern muss. 
Erinnern, ohne erinnert werden zu müssen. 
Grenzen sehen, spüren und respektieren, ohne dass der Andere sie Mal um Mal verteidigen muss. 

Am Ende von Worten bleibt nur Handlung.

Kati 23.07.2026, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL

Warten

Ich bin hier.

Kati 01.07.2026, 01.43 | PL

Bias

Erstaunlich, dass ein Mensch versucht, mich körperlich einzuschüchtern, wenn ich dasselbe Verhalten zeige wie er und diese Person andersherum völlig unbeirrt damit weiter macht. Aber wahrscheinlich missverstehe ich wieder die Intention.

Kati 17.06.2026, 16.23 | PL

Verstummt

Und wieder wird unterstellt. Wieder missverstanden. Der eigene Anteil geleugnet. Wieder angegriffen. Wieder das eigene Narrativ wiederholt, der eigene Mechanismus ausgelebt, als wäre alles, was ich je gesagt habe, irrelevant. Und wenn all meine Worte nur gehört aber nie verstanden wurden, was bleibt dann noch? 
Nur noch Stille.

Kati 17.06.2026, 12.02 | PL

Pause

Wenn jemand das Ausdrücken meiner Verletztheit, meinen verbalisierten Schmerz und meine Intensität als "Gemecker" bezeichnet, dann sind bei mir relativ schnell die Schotten dicht. Und wenn jemand eine Pause davon braucht (wovon? Von der Unverschämtheit, dass ich meine Bedürfnisse kommuniziere, dass ich konstant benenne, wenn ich mich nicht sicher, nicht gesehen und nicht verbunden fühle und meinen Schmerz alleine trage?), dann bekommt er eine dauerhafte Pause von mir. 
Ich bin als Kati light nicht mehr verfügbar.

Kati 16.06.2026, 10.40 | PL



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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