Ich nähere mich dem Punkt, an dem ich Beziehung nicht mehr als Verpflichtung sehe, dem anderen generell alles von mir zur Verfügung zu stellen.
Denn wenn ich mal ehrlich bin, resultiert ein Gutteil meiner Ent-Täuschungen daraus, dass die Illusion verschwindet, dass mein Gegenüber mir etwas geben kann, was ich will oder brauche, er dazu aber einfach entweder nicht willens oder in der Lage ist – fürs Auskommen macht das zunächst erst mal keinen Unterschied.
Wenn ich aber immer nur weiter investiere, reguliere, organisiere, initiiiere ohne etwas Gleichwertiges zurückzuerhalten, findet Begegnung irgendwann kein Echo mehr.
Fehlende Resonanz macht auf Dauer mürbe.
Schaffe ich es hingegen, die Ebene zu definieren, auf der der andere mir begegnen kann oder möchte, kann ich einen Raum durch Gegenseitigkeit schaffen. Das bedeutet zwar für mich unter Umständen weniger Tiefe, aber eben auch weniger Ent-Täuschung, wenn ich den Anspruch in Form von Erwartung schon längst definiert habe.
Jemandem so zu begegnen, wie er es vorgibt, lässt nur wenig Raum für überhöhte Ansprüche und mehr Energie für Investition in Beziehungen, in denen mein Gegenüber ähnlich tief in den zwischenmenschlichen Resonanzraum eintauchen möchte wie ich.