ist mein Unwort des Tages.
Nachdem ich seit Anfang der Woche mit einer Stadtarchivfrau hin und her maile und wir schriftlich einfach nicht weiterkommen, schreibt sie mir gestern, ich soll sie doch bitte anrufen.
Anrufen.
Der Telefonphobiker in mir ist also einen halben Tag schreiend im Kreis gerannt, hat äußerst schlecht geschlafen und ist dann heute Morgen um Punkt 8 Uhr in die Höhle des Löwen getreten und hat eine wirklich nette Gesprächspartnerin erlebt, die sich bemüht hat, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Meinen Großvater habe ich Dank ihr mit allen Lebensdaten ziemlich gut aufgestellt, doch dann kamen wir in den Bereich Eheschließung. Und obwohl sie mir das Heiratdatum, das Standesamt und sogar die Aktennummer sagen kann, steht dort kein Wort darüber, wen mein Großvater eigentlich geheiratet hat. Also meine Großmutter, klar, aber bis auf ihren Spitznamen, Erinnerung an einen handgenähten Rock und eine Frau, die an einer Krebserkrankung zerfallend nur noch im Bett vor sich hinstöhnte und mir eine ziemliche Angst einjagte, habe ich keine Erinnerungen mehr.
Meine Mutter ist tot, mein Vater hat alle Familienunterlagen vernichtet, bevor er sich schlussendlich selbst getötet hat, die Geschwister meiner Mutter sind tot oder können sich nicht mehr verständlich machen, andere Nachkommen als mich gibt es nicht.
Ich stehe also allein auf weiter Flur und habe keine Ahnung, wie meine eigene Großmutter hieß.
Eine halbe Stunde Telefonat später bin ich mit mehreren Seiten eng beschriebener Zettel und um einige Informationen seitens der Großvaterlinie reicher zum Staatsarchiv nach Hamburg gewechselt und da erwartete mich der Anfragen-, Mail- und Formularirrsinn aus der Hölle.
Ich kann das Buch sehen, in das ich schauen will, es ist da, das ist schon mal eine gute Nachricht. Das ist exakt das Familienbuch, in dem steht, wer meine Großmutter war. Und das ist auch exakt das Familienbuch, das bis zum 31.12.2047 unter Schutz steht.
Drei Stunden Irren durch die – ich möchte es mal vorsichtig als „komplex“ bezeichnen – Navigation des Staatsarchivs habe ich mehrere Mailanfragen weggeschickt, einen Antrag auf Schutzfristverkürzung gestellt und noch mal hervorgehoben [denn man muss das wirklich. ausführlich. begründen, warum man in sein eigenes Familienbuch schauen möchte], dass ich wirklich nur die Information aus diesem einen bestimmten Abschnitt haben möchte, mehr nicht.
5 Minuten später kam eine Mail, dass das alles. wirklich. ein sehr komplexer Sachverhalt sei und man eventuell, vermutlich, vielleicht sogar dem Antrag gar nicht stattgeben könne, aber man werde das prüfen.
Okay. Das war noch kein Nein.
Ich warte.