Ich kenne es doch schon. Das innere Zittern. Den Schmerz. Die Ungewissheit. Die Übelkeit. Den Zweifel, noch mehr ertragen zu können. Und dann die Gewissheit, noch mehr ertragen zu müssen. Die Sehnsucht, einfach nur geliebt zu werden. Die Wahrheit wert zu sein. Vielleicht sogar Wahrhaftigkeit. Nur einmal in diesem Leben. Nur für einen einzigen Menschen. Mir ist schlecht. Ich übergebe mich ein weiteres Mal. Es ist wieder 2005, 2006, 2009, 2013, 2014, 2016, 2022, 23, 24, 25, 26, es ist heute, es ist damals, es ist jeden Tag und jede Nacht, es ist jede Erinnerung und jeder Schmerz, alles gleichzeitig, immer, überall. Ich spüre, wie noch mehr Mageninhalt nach draußen will und ich ergebe mich dem Schmerz, dem Todeskampf, der Übelkeit. Dieser krampfende Ball im Magen, der versucht, mich auf das vorzubereiten, was die nächste Begegnung bereithält.
Zittern. Ich kenne das. Überall zu kalt, wo keine Wärme mehr sein kann. Heißes Bad, heiße Dusche, ab ins Bett, Heizung an, es hilft nicht, mir ist zu kalt. Wenn das Herz kalt wird, kann die Seele nicht mehr warm werden. Es gelingt nicht mehr, zu oft war ich an diesem Punkt, habe auf den nächsten Einschlag gewartet. Die nächste Wahrheit, die nächste Offenbarung, die nächste Erinnerung, die nächste Verteidigung, den nächsten Angriff, ich sei ohnehin immer nur zu viel, will Menschenunmögliches, bin zu gierig, zu absolut, zu viel, immer nur zu viel, zu viel, zu viel, zu lebendig, zu stark, zu …. ja was eigentlich? Ich?