Glück, pur

Zu den größten, leisesten und buntesten Glücksmomenten meines Lebens gehört es wohl, wenn ich abends noch am Schreibtisch sitze, der Kobold hinter mich tritt und ich meinen Kopf in den Nacken lege, um ihn anzusehen. Wenn er dann mit dieser tiefen Stimme leise sagt: „Mach nicht mehr so lange.“, sich nach vorne beugt und mich auf die Stirn küsst.

Liebe. Glück. Alles.

Gegenseitigkeit

Ich nähere mich dem Punkt, an dem ich Beziehung nicht mehr als Verpflichtung sehe, dem anderen generell alles von mir zur Verfügung zu stellen.

Denn wenn ich mal ehrlich bin, resultiert ein Gutteil meiner Ent-Täuschungen daraus, dass die Illusion verschwindet, dass mein Gegenüber mir etwas geben kann, was ich will oder brauche, er dazu aber einfach entweder nicht willens oder in der Lage ist – fürs Auskommen macht das zunächst erst mal keinen Unterschied.

Wenn ich aber immer nur weiter investiere, reguliere, organisiere, initiiiere ohne etwas Gleichwertiges zurückzuerhalten, findet Begegnung irgendwann kein Echo mehr.

Fehlende Resonanz macht auf Dauer mürbe.

Schaffe ich es hingegen, die Ebene zu definieren, auf der der andere mir begegnen kann oder möchte, kann ich einen Raum durch Gegenseitigkeit schaffen. Das bedeutet zwar für mich unter Umständen weniger Tiefe, aber eben auch weniger Ent-Täuschung, wenn ich den Anspruch in Form von Erwartung schon längst definiert habe.

Jemandem so zu begegnen, wie er es vorgibt, lässt nur wenig Raum für überhöhte Ansprüche und mehr Energie für Investition in Beziehungen, in denen mein Gegenüber ähnlich tief in den zwischenmenschlichen Resonanzraum eintauchen möchte wie ich.

Schutzfristverkürzung

ist mein Unwort des Tages.

Nachdem ich seit Anfang der Woche mit einer Stadtarchivfrau hin und her maile und wir schriftlich einfach nicht weiterkommen, schreibt sie mir gestern, ich soll sie doch bitte anrufen.

Anrufen.

Der Telefonphobiker in mir ist also einen halben Tag schreiend im Kreis gerannt, hat äußerst schlecht geschlafen und ist dann heute Morgen um Punkt 8 Uhr in die Höhle des Löwen getreten und hat eine wirklich nette Gesprächspartnerin erlebt, die sich bemüht hat, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Meinen Großvater habe ich Dank ihr mit allen Lebensdaten ziemlich gut aufgestellt, doch dann kamen wir in den Bereich Eheschließung. Und obwohl sie mir das Heiratdatum, das Standesamt und sogar die Aktennummer sagen kann, steht dort kein Wort darüber, wen mein Großvater eigentlich geheiratet hat. Also meine Großmutter, klar, aber bis auf ihren Spitznamen, Erinnerung an einen handgenähten Rock und eine Frau, die an einer Krebserkrankung zerfallend nur noch im Bett vor sich hinstöhnte und mir eine ziemliche Angst einjagte, habe ich keine Erinnerungen mehr.

Meine Mutter ist tot, mein Vater hat alle Familienunterlagen vernichtet, bevor er sich schlussendlich selbst getötet hat, die Geschwister meiner Mutter sind tot oder können sich nicht mehr verständlich machen, andere Nachkommen als mich gibt es nicht.

Ich stehe also allein auf weiter Flur und habe keine Ahnung, wie meine eigene Großmutter hieß.

Eine halbe Stunde Telefonat später bin ich mit mehreren Seiten eng beschriebener Zettel und um einige Informationen seitens der Großvaterlinie reicher zum Staatsarchiv nach Hamburg gewechselt und da erwartete mich der Anfragen-, Mail- und Formularirrsinn aus der Hölle.

Ich kann das Buch sehen, in das ich schauen will, es ist da, das ist schon mal eine gute Nachricht. Das ist exakt das Familienbuch, in dem steht, wer meine Großmutter war. Und das ist auch exakt das Familienbuch, das bis zum 31.12.2047 unter Schutz steht.

Drei Stunden Irren durch die – ich möchte es mal vorsichtig als „komplex“ bezeichnen – Navigation des Staatsarchivs habe ich mehrere Mailanfragen weggeschickt, einen Antrag auf Schutzfristverkürzung gestellt und noch mal hervorgehoben [denn man muss das wirklich. ausführlich. begründen, warum man in sein eigenes Familienbuch schauen möchte], dass ich wirklich nur die Information aus diesem einen bestimmten Abschnitt haben möchte, mehr nicht.

5 Minuten später kam eine Mail, dass das alles. wirklich. ein sehr komplexer Sachverhalt sei und man eventuell, vermutlich, vielleicht sogar dem Antrag gar nicht stattgeben könne, aber man werde das prüfen.

Okay. Das war noch kein Nein.

Ich warte.

Der Blick in den Abgrund

Es ist vermutlich über die Jahre hinweg leicht, sich einzureden, alles sei in Ordnung, solange der Partner keine schmerzhaften Konsequenzen zieht. Wenn immer nur gebeten, geredet, erklärt und schlussendlich dann doch wieder co-reguliert wird, damit nicht Harmonie der Preis dessen wird, was man lange als fast unbotmäßige Forderung erklärt bekam.

Liegt die Enttäuschung meines Gegenübers also in meiner Verantwortung, wenn ich mir zum ersten Mal erlaube, die Maske fallen zu lassen? Wenn ich mich selbst und meine gar nicht so unbotmäßigen Bedürfnisse ernst genug nehme, um verhindern zu wollen, dass ich noch weiter in meine Bestandteile zerfalle? Wenn ich mir selber glaube, dass ich Mangel leide? Emotional verhungere? Inzwischen so viel Angst habe, in nächster Notlage wieder allein gelassen zu werden, dass alle alten Mechanismen wieder wie Wärter vor meinen Toren stehen, bereit, das letzte Feld Verletzlichkeit zu schützen, das ich mir noch erhalten konnte?

Nein. Ich glaube nicht.

Man erntet, was man sät. Sich über Jahrzehnte der Weiterentwicklung zu verweigern, weil man so bequem und sanft gebettet im Schoß eines anderen Menschen liegt, der nachhaltig und konsequent kommuniziert hat, dass er daran zugrunde geht, war eine Entscheidung.

Alles neu

Nachdem ich mich die letzten 6 Tage jeden Tag stundenlang mit Internetzeugs wie Domains, Providern, CSS, MariaDB, AuthInfos und anderen lustigen Fachbegriffen beschäftigt habe, vor denen ich mich die letzten 21 Jahre Bloggen erfolgreich gedrückt habe, sehe ich nun einige Dinge in einem etwas anderen Licht.

Man kann einen Kundenbereich haben, der einen wirklich informiert. Über Vertragseinzelheiten, über Bedingungen. Einen Bereich, der sich Support so sehr auf die Fahne geschrieben hat, dass man auf jeder einzelnen Seite direkt ein Hilfeangebot bekommt, wenn man mal nicht weiter weiß. Und nach inzwischen mehreren Mails an den Support habe ich neu kennenlernen dürfen, dass man den Leuten, die man dafür bezahlt, gar nicht auf den Sack geht, wenn man tatsächlich mal ein Problem hat. Im Gegenteil. Man hat das Gefühl, sie würden das beruflich tun.

Auch beim Bloggen selbst bin ich angenehm überrascht. Für denselben Preis 250 GB statt 100MB Speicherplatz, beliebig viele Zusatzseiten statt 4 und ich fühle mich ehrlicherweise gerade wie ein Kind in einem Süßigkeitenladen. Meine Kreativität muss sich nicht mehr einem engen Korsett anpassen, sondern ein gigantischer Gestaltungsspielraum hat alle Möglichkeiten, mit meiner Kreativität mitzuhalten. Es ist großartig und ich koste es voll aus – und vermute mit einem Gutteil innerer Glückseligkeit, dass ich erst einen Bruchteil dessen gesehen habe, was überhaupt möglicht ist.

Ich kann im Blog alle Zeichen nutzen. Ich muss nicht mehr nachfragen, warum man kein ü und kein ß zusammen in ein Thema schreiben kann, ich kann lange Bindestriche machen, ohne dass es mir den Adminbereich zerschießt und was ich immer am Schlimmsten fand: Wenn man mir ein Herz unter einem persönlichen Kommentar hinterlässt, verschwindet hier nicht einfach der komplette Kommentar. Ich habe Bloggen so kennengelernt und bin dankbar für das, was es mir 2005 ermöglicht hat, aber ja, es ist 2026 und ich möchte mich bewegen. Kreativ sein. Möglichkeiten haben.

Das geht nur mit einem Anbieter, der sich mitbewegt.