Der Blick in den Abgrund

Es ist vermutlich über die Jahre hinweg leicht, sich einzureden, alles sei in Ordnung, solange der Partner keine schmerzhaften Konsequenzen zieht. Wenn immer nur gebeten, geredet, erklärt und schlussendlich dann doch wieder co-reguliert wird, damit nicht Harmonie der Preis dessen wird, was man lange als fast unbotmäßige Forderung erklärt bekam.

Liegt die Enttäuschung meines Gegenübers also in meiner Verantwortung, wenn ich mir zum ersten Mal erlaube, die Maske fallen zu lassen? Wenn ich mich selbst und meine gar nicht so unbotmäßigen Bedürfnisse ernst genug nehme, um verhindern zu wollen, dass ich noch weiter in meine Bestandteile zerfalle? Wenn ich mir selber glaube, dass ich Mangel leide? Emotional verhungere? Inzwischen so viel Angst habe, in nächster Notlage wieder allein gelassen zu werden, dass alle alten Mechanismen wieder wie Wärter vor meinen Toren stehen, bereit, das letzte Feld Verletzlichkeit zu schützen, das ich mir noch erhalten konnte?

Nein. Ich glaube nicht.

Man erntet, was man sät. Sich über Jahrzehnte der Weiterentwicklung zu verweigern, weil man so bequem und sanft gebettet im Schoß eines anderen Menschen liegt, der nachhaltig und konsequent kommuniziert hat, dass er daran zugrunde geht, war eine Entscheidung.

Müde

Mal wieder. Müde davon, dass selbst Nichtkämpfen keinen Ort hervorzubringen vermag, an dem ich nicht ignoriert werde.

Was entsteht zwischen uns, wenn nicht ich es erzeuge?

Und die Antwort ist so klar wie ernüchternd. Müde.

Vor 21 Jahren

…habe ich meine Sachen in mein Auto geworfen, habe alle Bücher, meine Tochter und meinen Hund gepackt und bin zu dir gefahren.

Es war erst wenige Tage her, dass wir telefoniert hatten, wie immer nachts, unterm Sternenhimmel. Ich lag verwundet und traurig draußen im Garten auf der Liege und hielt mir das Telefon ganz dicht ans Ohr, um deine Stimme zu hören. Du wusstest nicht, dass der Mann, von dem ich schon seit Monaten getrennt war, mich an diesem Tag morgens ein letztes Mal vergewaltigt hatte. Ich wollte es dir nicht erzählen, weil ich solche Angst hatte, dass du Mitleid haben würdest. Und ich wollte dein Mitleid nicht. Ich wollte immer nur deine Liebe. Also habe ich es dir nicht erzählt. Erst Jahre später.

Bei diesem Telefonat ging es um uns beide. Wie sehr du mich vermisst. Wann wir uns wiedersehen. Wie einfach es sein könnte. Und dann, irgendwann nach Mitternacht, hast du gesagt: Ich liebe dich. Kommt doch einfach zu mir. Für immer.

Es gibt in meinem Leben nichts, wobei ich weniger gezögert habe.

Überraschung

Manchmal wird man zu einem Zeitpunkt, an dem man längst glaubt, alles vorhersehen zu können, doch noch mal überrascht und eines Besseren belehrt. Ich ahne, wieviel Mut es gekostet haben muss, dieses Risiko einzugehen. Ich will die Angst zurückdrängen, die versucht, vorherzusagen, dass es bald als Schema wiederholt wird oder genutzt wird, um in einen Raum einzudringen, der gerade nicht offen ist. Das bin ich uns schuldig.

Integrität

Es gibt einen Punkt, an dem Worte an Wert verlieren.

Sprache an sich versagt nur selten, aber wenn sie kein Echo in Form von Glauben erzeugen kann, weil Worte zu oft an derselben Stelle gebrochen wurden, dann werden Versprechen zu sinnlosen Wiederholungen, Entschuldigungen zu Gepflogenheiten und Beteuerungen zu leeren Worthülsen.

Irgendwann hört das Gegenüber nicht mehr, was gesagt wird, sondern schaut nur noch darauf, was geschieht.

Wenn Worte nicht mehr tragfähig sind, bleibt nur die Realität.
Integrität lässt sich auch durch Eloquenz nicht an den Haaren herbeiziehen.
Integrität ensteht ausschließlich dort, wo Wort und Handlung über einen langen Zeitraum deckungsgleich werden.

Es sind nicht die großen Gesten. Es ist das völlig unspektakuläre Einhalten der kleinen Dinge. Verlässlichkeit dort, wo man sie nicht einfordern muss. Erinnern, ohne erinnert werden zu müssen.

Grenzen sehen, spüren und respektieren, ohne dass der Andere sie Mal um Mal verteidigen muss.

Am Ende von Worten bleibt nur Handlung.

Mission to the Moon 1969

Buzz Aldrin und Neil Armstrong durften für ca. 2 Stunden und 15 Minuten auf der Mondoberfläche herumlaufen. Und genau so lang hatte man vom 16.07. bis zum 21.07. Zeit, den Antrag bei Swatch auszufüllen, um mit viel Glück eine Genehmigung auf das Kaufrecht für die Limited Edition der Mission to the Moon 1969 zu erhalten.

Ich habe mich nachts mit viel Freude durch die 32 Fragen geklickt und einige davon haben mich neben mathematischen Berechnungen und reinen Wissensfragen durchaus nachdenklich gestimmt.

Es ist keine Frage, wen ich mitnehmen würde, würde ich zum Mond fliegen dürfen. Meine Wahl wäre immer mein Mann. Egal, wie es zwischen uns steht, die Liebe und Faszination für Sterne, Raumfahrt und das Universum an sich hat uns ab der ersten Sekunde unseres Kennenlernens verbunden. Als die Frage kam, wo ich unabhängig von der Machbarkeit landen würde, kam für mich ebenfalls nur eine Antwort in Frage:

Die Regenbogenbucht im Mare Imbrium. Wir würden beim Aussteigen die Erde in Richtung des Mondrandes sehen und beim Blick auf unseren Heimatplaneten vielleicht endlich verstehen, wie klein und unbedeutend das Gestern und das Morgen tatsächlich sind.

Ich weiß nicht, ob ich unter den 1969 Personen sein werde, die ausgewählt werden, aber allein das Arbeiten durch den Antrag war ein Erlebnis für sich.

Danke dafür.