Mission to the Moon 1969

Buzz Aldrin und Neil Armstrong durften für ca. 2 Stunden und 15 Minuten auf der Mondoberfläche herumlaufen. Und genau so lang hatte man vom 16.07. bis zum 21.07. Zeit, den Antrag bei Swatch auszufüllen, um mit viel Glück eine Genehmigung auf das Kaufrecht für die Limited Edition der Mission to the Moon 1969 zu erhalten.

Ich habe mich nachts mit viel Freude durch die 32 Fragen geklickt und einige davon haben mich neben mathematischen Berechnungen und reinen Wissensfragen durchaus nachdenklich gestimmt.

Es ist keine Frage, wen ich mitnehmen würde, würde ich zum Mond fliegen dürfen. Meine Wahl wäre immer mein Mann. Egal, wie es zwischen uns steht, die Liebe und Faszination für Sterne, Raumfahrt und das Universum an sich hat uns ab der ersten Sekunde unseres Kennenlernens verbunden. Als die Frage kam, wo ich unabhängig von der Machbarkeit landen würde, kam für mich ebenfalls nur eine Antwort in Frage:

Die Regenbogenbucht im Mare Imbrium. Wir würden beim Aussteigen die Erde in Richtung des Mondrandes sehen und beim Blick auf unseren Heimatplaneten vielleicht endlich verstehen, wie klein und unbedeutend das Gestern und das Morgen tatsächlich sind.

Ich weiß nicht, ob ich unter den 1969 Personen sein werde, die ausgewählt werden, aber allein das Arbeiten durch den Antrag war ein Erlebnis für sich.

Danke dafür.

Erlernte Hilflosigkeit

Das neue Trauma meldet sich seit einigen Jahren verstärkt, wenn ich vor Problemen stehe. Aktuell skandiert es weinerlich laut Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, ich weiß nicht, was genau ich tun soll, ich weiß nicht, was das Richtige ist… Und diese Stimme ist so unfassbar nervtötend, wehleidig und gleichzeitig so überzeugend, dass ich versucht bin, einfach aufzugeben, ohne es überhaupt versucht zu haben.

Ich besitze genug Reflexion, um zu wissen, dass diese Stimme nicht mir gehört. Das bin nicht ich, das bin ich nur geworden.

Noch erschreckt sie mich.

Noch denke ich: Huch, das hört sich eigentlich nicht nach mir an. Aber der Widerstand wurde über die Jahre schwächer.

Ich vermute, dass man einem Menschen nur genug antun muss, dass auch der stärkste Wille irgendwann erlischt. Ich habe mich immer gefragt, wie ich meine Kindheit überlebt habe. Ich habe mit unzähligen Therapeuten und Psychiatern Theorien ausgearbeitet, warum und wie ich dieses Maß an Resilienz in einer Umgebung entwickeln konnte, die von Missbrauch, Gewalt und Folter geprägt war, aber letzten Endes ist Leben in all seinen Facetten eben einzigartig, genau wie die Wege, die wir einschlagen.

Mein Geist hat mich auf die denkbar effektivste Weise gerettet: Er hat mich zersplittern lassen. Ich war nie ein Ganzes und werde es auch nie sein. Ich empfinde das inzwischen nicht mehr als Makel, sondern es ist der ultimative Beweis dafür, dass und wie ich überlebt habe.

Ich habe meinen Frieden mit all dem gemacht, ich habe mir nicht ausgesucht, in einem Haus voller Abgründe und ohne Liebe bei meinen Eltern aufwachsen zu müssen.

Es ist, wie es ist.

Wenn ein Mensch wie ich jedoch irgendwann jemanden freiwillig wählt, ganz bewusst gegen jede Vernunft und Erfahrung entscheidet, dass da jemand ist, dem man vertraut, dann ist das für immer.

In jeder Konsequenz, zu 100 Prozent, mit Leib und Seele. Ich bin jemand, der als Gefährtin absolut loyal, treu, zuverlässig und bis zum Erbrechen ehrlich ist. Und das muss ich sein. Wenn ich mich öffne, liegt alles von mir bis zum Grund meiner Seele in den Händen des Menschen, für den ich jederzeit alles geben würde.

Ich habe das in meinem Leben einmal riskiert.

Von jemandem verraten zu werden, den man selber gewählt hat, hat dann aber noch mal eine ganz andere Qualität.

Begehren

Es gibt eine Form von Begehren, die sich auf den ersten Blick wie Intimität anfühlt, aber bei näherer Betrachtungsweise etwas ganz anderes ist.

Wenn eine Frau ausschließlich dann begehrt wird, wenn sie die Fantasien ihres Partner zu erfüllen in der Lage ist, wird sie vom Individuum zur pornografisch-emotionalen Projektionsfläche. Und Projektionsflächen haben keine eigenen Bedürfnisse – zumindest nicht in dem Raum, der Intimität ermöglichen sollte.

Echtes Begehren meint und sagt: „Ich sehe dich. Ich will dich. So wie du bist.“ Intimität entsteht in der Hinwendung zum Gegenüber in seiner Gesamtheit. Mit allen Ecken, mit Trauma, mit persönlicher Geschichte, mit all seiner Eigenwilligkeit.

Fantasiegebunde Begierde ist das Gegenteil: „Ich sehe, wie du meinen Bedürfnissen dienen kannst.“

Was das in Beziehungen auslöst, ist ein Gefühl von Selbstobjektifizierung.

Der Körper ist kein Ort von Empfindung und Hingabe mehr, sondern wird zum Instrument, das funktionieren und dienen muss, um durch die Erfüllung der Bedürfnisse des Gegenübers zumindest ein Mindestmaß an Nähe herstellen zu können. Wenn der Wunsch nach Verbindung übermächtig wird und man weiß, dass echte Begegnung unmöglich ist, dann nimmt man die Form von Nähe, die erfordert, dass man sich anpasst. Muss man seine eigenen existenziellen Grundbedürfnisse nach menschlicher Nähe über Jahre oder Jahrzehnte hintenanstellen, entsteht eine stumme Leere dort, wo Fülle vorherrschen sollte.

Echte Intimität braucht das verbindliche Gefühl, gemeint zu sein. Nur hieraus entsteht die Sicherheit, die Sexualität benötigt, um in Intimität verwandelt zu werden. Wenn Begehren an Bedingungen geknüpft ist oder wird, bricht nicht nur diese Sicherheit weg, sondern über Zeit auch ein Stück Identität.

Sexualität ist der intimste Raum, in dem wir uns zeigen, wie wir wirklich sind.

Wird dieser Raum zur Bühne seiner Fantasie, in der sie nurmehr eine von ihm benötigte und festgelegte Rolle spielt, bleibt sie selbst der Zuschauer.

24.04.2026

Es ist hart, all das loszulassen, wovon ich mein Leben lang geträumt habe.

Nun loszulassen, nach all der investierten Lebenszeit und Energie, nach den viel zu lange festgehaltenen Hoffnungen und dem Irrglauben, ich müsse nur genug Geduld, genug Liebe, weniger Bedürfnisse, weniger Ansprüche, genug Nachsicht haben, noch einen Fehler mehr verzeihen, noch eine Lüge mehr ertragen, noch einen weiteren Verrat verarbeiten, noch eine weitere zweite, hundertste, letzte Chance geben, war meine eigene Entscheidung. Ich kann all den Schmerz nicht mehr ertragen, ich kann einfach nicht mehr.

Aber all das, was mir im Namen von „wollte ich nicht“, „wusste ich nicht“ und „konnte ich nicht“ angetan wurde und dazu geführt hat, nun schlussendlich so allumfassend loslassen zu müssen, weil mein Leben ohne Glauben, ohne Hoffnung und ohne Zukunftstraum einfach keinen Sinn mehr ergibt, war nicht meine Entscheidung.

Und das Trauma, das hier entstanden ist, einmal mehr, das werde ich wohl nicht mehr aufarbeiten können.

Ungebunden

Es ist anders als beim letzten Mal.
Das letzte Mal war da nur Schmerz.
Purer, heißer, verzweifelter Schmerz, der meine Seele in Agonie schreien ließ.

Diesmal ist es anders.
Da ist Ruhe. Spöttisches Wissen.
Und an keine Regeln mehr gebunden, von jedem Versprechen gelöst spüre ich in aller Deutlichkeit, dass da, wo jetzt noch Licht ist, bald nur noch Dunkelheit sein wird.

Und ich weiß, wozu ich dann werde.
Aber vielleicht sollte auch das so sein.

Vielleicht war es mir nie bestimmt, dieses kräftezehrende Leben zu leben, in dem ich die blutrote Schwärze in mir verleugnen muss, um in der Verletzlichkeit zu bleiben.

Verletzlichkeit war immer die letzte Bastion in mir gegen das Monster, das ich eigentlich bin.
Und die Kraft, die ich jetzt schon spüre, funkelt verführerisch in mir.
Ich muss sie nur wollen. Ihr Preis ist die Hoffnung.

Manipulation

Die unverhohlene Forderung, ich müsse meinem Gegenüber zumindest mal etwas entgegenkommen, drückt meine roten Knöpfe schon lange nicht mehr. Wäre ich in der Vergangenheit sofort in Selbstzweifel versunken, ob ich vielleicht doch zu hart, zu unnachgiebig, zu wenig entgegenkommend wäre, löst diese Respektlosigkeit in Anbetracht aller jemals geführten Gespräche heute nur noch Ablehnung und Ekel aus.

Ich lasse mich nicht mehr benutzen.