Um keinen Preis den eisernen Würgegriff um jede Art von Gefühl lockern, weil sonst die Panik hochschwappt.
wir halt
Taub
Die Akzeptanz ist noch nicht da. Ich vermute, sie würde mich endgültig zerstören. Der Verlust ist zu groß, um ihn zu erfassen. Irgendwo schwebt die Wut mutlos im leeren Raum und puckert verletzt vor sich hin.
Sie ist nicht mehr nötig, um mir Kraft zu schenken.
Wenn man erkennt, dass der Partner nie das war, was er vorgegeben hat zu sein.
Ich muss versuchen, mich nach diesem alles vernichtenden Schlag irgendwie wieder zusammenzusetzen, um noch ein bisschen durchzuhalten.
Irgendwie.
Die andere Seite
Vielleicht ist es die falsche Frage, wie man eine Beziehung dieser Qualität aufs Spiel setzen kann.
Vielleicht lautet die Frage, wie ich auf die Idee kam, dass diese Beziehung diese Qualität hätte?
Mutlos
Wie kann man nur so erschöpft und müde vom Fühlen sein? Wenn der Schmerz so zäh und klebrig an jeder Faser deines Selbst hängt, dass jede Bewegung zur Qual wird und bloßes Wachsein so viel Kraft kostet, dass man sich nur von Schlafphase zu Schlafphase hangelt.
Sehnsucht
Manchmal denke ich, wenn ich nur ein einziges Wort sage, wenn ich nur über diese Schwelle schreite, mein Schweigen dann ablege, wenn es von mir gefordert wird, weil die Gegenseite sich weigert, auf meiner Ebene mit mir zu kommunizieren, dann werde ich nie wieder aufhören können zu schreien. Das Gefühl ist so übermächtig, dass ich mein innerstes Selbst in mir einschließen muss, um nicht verrückt zu werden. Ich wünsche mir gerade so viel Sanftheit, Verständnis, Werben, Zärtlichkeit, aber vor allem die Versicherung, dass ich es wert sein könnte.
Dort, wo ich bin, ist kein Platz für diese immer fordernderen Worte nach verbaler Kommunikation – allein der Wunsch kommt mir nach alledem schon so vermessen vor, wie er an mich herangetragen wird.
Ich bin nichts schuldig. Gar nichts mehr.
Sichtbarkeit
Ich bin so sichtbar in all meinen Überlegungen. In all meinen Gedanken, mit jedem Wort hier, mit allem, was ich dir ungefiltert vor die Füße werfe. Und doch verhallt es ohne Gegenseitigkeit im leeren Raum, der immer größer wird, je stiller diese Lücke klafft. Ich werde diesmal nicht fragen. Ich werde diesmal nicht die Verantwortung dafür übernehmen, was ich wissen muss, damit es wieder gut werden kann.
Perspektive
Wenn du weißt, dass etwas falsch ist, dann ist
deine erste Tat ein Fehltritt.
Die zweite eine Entscheidung.
Die dritte Gewohnheit und
die vierte schon Charakter.
Zu viel
Und auch hier wieder von offizieller Stelle: Ich bin zu viel, ich will zu viel, ich verlange Menschenunmögliches.
Das Gefühl von Verrat kocht in mir hoch, dass es überhaupt eine dritte Partei geben muss (aber ist ja gut, dass wenigstens einer von uns therapeutische Begleitung hat, nicht wahr?) und ich suhle mich in Hass und Selbstmitleid, bin mir jedoch wohl gewahr, dass sie Recht hat.
Ich bin zu viel. Ich will zu viel. Und ja, ich verlange Menschenunmögliches.
Und ich habe früher – ganz früher – mal daran geglaubt, dass es jemanden gibt, der genau dasselbe auch leben will und kann.
Ich habe mich geirrt. Wieder.
Shame on me
„Es gibt nichts, das ich nicht mit dir haben wollen würde.“
Und dann nimmt man das über all die Jahre angesammelte Vertrauen zusammen und formuliert das, was die eigene Bestimmung ist und riskiert nichts weniger als die eigene Seele und…
…scheitert.
Ekel
Ich warte auf den Zusatz. Auf eine weitere Nachricht, irgendetwas, das das relativiert, was ich immer und immer wieder lese. Ich kann die Worte inzwischen auswendig und sie verändern sich einfach nicht. Egal, wie sehr ich mir jedes Mal, das ich vorne beginne, wünschte, sie würden es tun. Ich verstehe, was ich lese, ich begreife es nur nicht. Ich hätte alles darauf gewettet, dass dieser Text einen anderen Inhalt haben würde. Alles. Ich war mir so sicher in meiner Hoffnung, in meinem Wünschen, dass ich nun umso begriffsstutziger versuche, zu verarbeiten, was mir das Herz herausreißt. Selten habe ich mir mehr gewünscht, das Alles oder Nichts ablegen zu können, mich von den Krumen ernähren zu können, die mir hingeworfen werden, endlich zur Erkenntnis zu gelangen, dass ein halbvolles Glas besser ist als ein leeres, aber es gelingt mir nicht. Ich lebe immer im Maximum, immer im Superlativ und was mir mein Leben lang als Manko verkauft wurde, lässt mich hier und heute erneut scheitern. Zu viel. Mal wieder. Zu viel Gefühl, zu viel Erwartung, zu viel alles. Der wilde Ritt in einer Gefühlsachterbahn wie meiner, den nimmt man gerne mit, wenn es zu den eigenen Höhepunkten geht, aber ich für mich war immer zu viel, wenn es hart auf hart kam. Ich zittere, mir ist kalt, mein Magen krampft sich zusammen, ich muss mich übergeben, ich kenne all diese Symptome. So fühlt es sich an, wenn etwas Existentielles in einem stirbt. Ich weiß nicht, wohin mit mir. Ich will schreien, ich will weinen, ich will anklagen, wüten, schlagen, aber da ist nur dieser große Berg Schmerz, der mich erdrückt und jedes andere Gefühl auslöscht. Ich öffne die Nachricht erneut. Wenn ich sie nur häufig genug lese, dann verlieren die Worte vielleicht irgendwann ihre Fatalität, lassen mich innerlich abstumpfen, ausbluten, bewegen nichts mehr. Aber fürs Erste schnürt sich mir erneut die Kehle zu, bleibt mir jedes Wort im Halse stecken, verpufft jedes Aufkeimen von Gefühl in Hoffnungslosigkeit. Ich kann es nicht glauben. Es kann nicht wahr sein, es stellt alles in Frage, woran ich geglaubt habe, mir fehlt vielleicht nur ein Puzzleteil, es richtig zusammenzusetzen, dass es ein anderes Bild ergibt als das, welches die Worte zeichnen.
Drei Stunden. Es wäre genug Zeit gewesen. Der Ekel kommt hoch, wie sehr ich mich exponiert habe.
Wie lange Stunden ich in der Nacht mit mir gerungen habe, ob ich etwas so Großes in Worte fassen soll, ein ultimatives Risiko eingehend, etwas so Intimes zu enthüllen.
Ich wünschte, ich hätte es nie getan.