Es ist vermutlich über die Jahre hinweg leicht, sich einzureden, alles sei in Ordnung, solange der Partner keine schmerzhaften Konsequenzen zieht. Wenn immer nur gebeten, geredet, erklärt und schlussendlich dann doch wieder co-reguliert wird, damit nicht Harmonie der Preis dessen wird, was man lange als fast unbotmäßige Forderung erklärt bekam.
Liegt die Enttäuschung meines Gegenübers also in meiner Verantwortung, wenn ich mir zum ersten Mal erlaube, die Maske fallen zu lassen? Wenn ich mich selbst und meine gar nicht so unbotmäßigen Bedürfnisse ernst genug nehme, um verhindern zu wollen, dass ich noch weiter in meine Bestandteile zerfalle? Wenn ich mir selber glaube, dass ich Mangel leide? Emotional verhungere? Inzwischen so viel Angst habe, in nächster Notlage wieder allein gelassen zu werden, dass alle alten Mechanismen wieder wie Wärter vor meinen Toren stehen, bereit, das letzte Feld Verletzlichkeit zu schützen, das ich mir noch erhalten konnte?
Nein. Ich glaube nicht.
Man erntet, was man sät. Sich über Jahrzehnte der Weiterentwicklung zu verweigern, weil man so bequem und sanft gebettet im Schoß eines anderen Menschen liegt, der nachhaltig und konsequent kommuniziert hat, dass er daran zugrunde geht, war eine Entscheidung.