Wenn man am Boden liegt, findet sich immer jemand, der noch mal nachtreten möchte.
Ich kenne das und es liegt wohl in der Natur der meisten Menschen, sich über andere erheben zu wollen um ihr grenzenloses Gefühl von Minderwertigkeit für einen kurzen Moment vergessen zu dürfen.
Habe gestern mehrere Stunden über einem insgesamt nur zweiseitigen Anwaltsbrief gesessen. Bemüht, alle verbalen Fallstricke zu vermeiden, Gefühl dorthin zu verbannen, wo es hingehört. Ich habe professionell genug zu sein, in einem Antwortschreiben an den Anwalt völlig neutral und sachlich meine Sicht der Dinge zu schildern. Habe lange über dem letzten Absatz gesessen.
Ich biete jetzt also Vermögen (das ich nicht besitze) gegen eine notariell beglaubigte Absicherung, dass meine Eltern nie wieder von sich aus mit mir in Kontakt treten werden. Ansonsten gehen wir vor Gericht.
Einige Zehntausend Euro gegen Seelenfrieden. Haha. Ich bin immerhin soweit, ohne diese Absicherung in einen Prozess zu gehen. Dann werde ich mit dem Exmann zusammen vor ein Gericht gestellt, es geht um drei Parteien, die insgesamt drei verschiedene Sachen behaupten werden und ich schätze mindestens einige Monate Lebenszeit, die ich darauf verschwenden würde. Ausgang ungewiss. Aber sie müssen dafür nach Deutschland kommen. Das Land non grata, dem sie auf ewig den Rücken zuwenden wollten.
Ich will das nicht.
Ich mag das nicht.
Ich könnte Rotz und Wasser heulen, allein es bringt nichts. Und so lasse ich es eben und versuche, mich nicht völlig überrollen zu lassen.
Die Nerven sind dünn.
Es türmen sich hier ohnehin die Probleme übereinander, die angesichts meiner Eltern in den Hintergrund getreten sind, aber dennoch existieren.
Vom Sterben wollen hält mich momentan vor allem die Tatsache ab, dass mein Tod meine Eltern noch mehr erfreuen würde als ein Prozess gegen mich.