Retrospektiv

Es ist schwer, diese Worte alle erneut zu lesen. Tagebucheinträge von vor über einem Jahrzehnt.

Ewigkeiten sind vergangen, seit ich sie geschrieben habe und Welten sind es, die zwischen mir und meinem vergangenen Ich liegen.

Vor zwei Wochen habe ich erfahren, dass meine Mutter tot ist.

Das Leben ist kurz. Zu kurz für Kompromisse, zu kurz für Reue.

Sie hat mir nichts hinterlassen. Keine letzten Worte, keine Wünsche, kein Angebot der Versöhnung, keine Verantwortung für das, was sie getan hat. Nur, dass sie nicht will, dass ich über ihren Tod informiert werde.

Sie ist voller Hass gestorben.

Das will ich nicht.
Und ich will etwas hinterlassen.
Worte.

Mich.

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