Ich habe es geträumt.
Ich habe es geträumt. Es war nicht diese Situation, natürlich nicht. Ich ging auf der Straße, als mich jemand überraschend ans Bein trat. Keine große Sache. Bisschen schmerzhaft. Unverschämt, respektlos, aber im Grunde keine große Sache. Und Sekunden später sah ich nur noch die kurze Eisenstange in meiner Hand. Und ich schlug. Ich schlug und bei meinem Gott, ich genoss jeden einzelnen Schlag davon. Jedes Geräusch, jeden Bluttropfen, jedes Knochenknirschen, jedes Fitzelchen, das in mein Gesicht spritzte. Ich schlug wie von Sinnen und das warme und so weiche Gefühl von früher war da und umfing mich. JA, flüstert es mit einer Inbrunst und einer Intensität, die mich in rote Wolken hüllt und zuhause willkommen heißt.
Blutrausch.
Die absolute Lust an Gewalt.
Das Gefühl, das keinen Vergleich kennt.
Nicht einmal Wollust.
Nur der rote Rausch alles vernichtender Gewalt.
Ich bin schweißgebadet in meinem Heute aufgewacht, habe mich eingesperrt und hangele mich nun von Buchstabe zu Buchstabe, um meinen Neocortex oben zu halten.
Alles, was ich formulieren kann, müssen meine Instinkte nicht regeln.
Mein Leben ist schon so lange Jahre frei von dieser Form von Gewalt und trotzdem bleibt es ein tief verankerter Teil meines Ursprungsselbst.
Als ich aufhörte, Opfer zu sein, wurde ich Täter.
Ich verfüge seit meiner Säuglingszeit über eine unendliche Palette an Erfahrungswerten, was mir wie angetan wurde und was über Jahrzehnte am schmerzhaftesten auszuhalten war und diese Lektion sitzt.
Ich bin ein Monster, das sich jeden Tag bis zur völligen Erschöpfung bemüht, ein Leben zu führen, das niemanden dem ausliefert, was ich ertragen musste.
Und nun ist seit Tagen diese Mauer, die nur aus einem zwei Jahrzehnte alten Schwur und meiner Selbstdisziplin besteht, auf eine dünne Decke zusammengeschrumpft, die nichts mehr verbirgt sondern nur noch unzureichend bedeckt. Der Drang, jemandem wehzutun, ist übermächtig, sobald ich meine Schilde sinken lasse.
Mein stärkster Schild heißt Verletzlichkeit.
Solange ich zulassen kann, dass ich verletzlich bleibe, sind meine stärksten Wächter aktiv, die den Zugang zu dem bewachen, zu dem ich imstande bin.
Seit Tagen zürnen sie.