Ringen

Dankbar für eine normale Aufgabe nehme ich den Auftrag des Mottenkindes an, ihr genauso eine Tasche zu nähen, wie der Kobold und das Tochterkind haben.
Doch die Gedanken kreisen. Sie wandern ein paar Straßen weiter, wo dieses Kind liegt. Und wieder zu mir zurück, zu meinen eigenen Ängsten, meinem Wollen und meinem Ringen mit dem gefühlten Nicht-Können.
Ich bekomme hier keine Bestätigung, keine Absicherung, dass mein Tun richtig ist. Sie ist dazu nicht in der Lage und mein Gefühl sagt Ja, wo der Kopf Trugbild schreit. Tue ich das Richtige? Ich weiß es nicht. Springe ich über meinen Schatten und gebe meinem Bauchgefühl nach und fahre wieder hin, bin da…? Oder verharre ich hier in Angst und Gedankengängen, die ebenso falsch wie richtig sein könnten?
Ein Kind liegt im Sterben und ich weiß einfach nicht, was das Richtige ist. Ich spüre die Hingabe der Mutter, wie sie in meinen Armen liegt, sich anlehnt, nur für einen Moment. Spüre die Dankbarkeit für die Zeit, in der wir sprechen. Dankbarkeit für meine Anwesenheit. Und ich spüre Liebe. Meine wie ihre gleichermaßen. Aber wo ist die Grenze? Wo ist gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht? Wo ist die Grenze in dieser Beziehung?

Hier greift keine Richtlinie, keine Norm, keine Erfahrung. Und ich schwebe unsicher in Gedanken hin und her, kann nichts greifen, das mir Sicherheit bieten könnte.

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