Kausalketten

So dankbar, dass der Kobold endlich, nach endlosen Erklärungsversuchen, zu der Einsicht gelangt ist, dass die Größe der Brüste einer Frau nichts darüber aussagt, ob sie stillt, überhaupt ein Kind hat oder wieviel Milch sich darin befindet.
Vor Monaten kam er nach Gesprächen über das Baby aus einem mir unerfindlichen Grund zu der Erkenntnis, dass die Brust größer werden muss, wenn da auch noch Milch drin ist.
Fortan (und wir hatten sehr warme Frühlingsmonate hier) starrte er jeder Frau in den Ausschnitt und machte eine (sehr laute) Bemerkung über ihre Körbchengröße.

An der Kasse lief das dann so: ich bin mit Auspacken beschäftigt und der Kobold begutachtet die Frau vor uns, die ihre Sachen (vorneübergebeugt) in den Wagen packt. Dann kam wahlweise ein: „Mami, schauuuuu mal, die Frau hat aber SEHR große Brüste. Wo ist denn ihr Baby?“ Oder auch: „Mami, schau mal die Frau hat aber VIEL Milch!“
Die meisten Frauen nehmen das (relativ…) gelassen hin, wenn ich dann dem Kobold erkläre (haha, während er voller Faszination auf BRÜSTE starrt: „Mami, schau, wie schön die wackeln!“), wie es sich so verhält, aber ganz ehrlich? Es gibt schönere Arten, wie die eigenen Kinder auffallen…

Und weniger angenehm wird es dann im Umkehrfall: „Mami, schau mal, die Frau hat ein Baby. Aber wie wird das denn satt? Die Frau hat ja nur so kleine Brüste?“
Aber, ich wurde der Erklärungen nicht müde und wiederholte tapfer Mal um Mal, dass die meiste Milch erst gebildet wird, wenn das Baby trinkt und der Rest der Brust nur aus Fett- und Drüsengewebe besteht. Mal mehr, mal weniger.

Das schlug mir wenige Tage später schon aufs Butterende, als er einer Frau hinterherkuckte und laut bemerkte: „Die Frau hat aber sehr viel Fettgewebe an der Brust.“ Hargh.

Nun endlich, etwas Ruhe. Brüste werden nur noch fasziniert beäugt, aber nicht mehr sofort kommentiert. Meine Nerven befinden sich im Naherholungsurlaub, weil ich das Schlimmste dieser Phase durchstanden wähne, da kommt mir heute Morgen ein Gespräch mit einer Mutter dazwischen, das der Kobold belauscht, statt sich für den Waldtag fertig zu machen.

Es geht um Babynahrung. Sie sagt: „…und er bekommt jetzt fertige Milch aus der Flasche…“

Der Kobold blickt auf, ich ahne Schlimmes, versuche, ihn wieder zur Garderobe zu scheuchen, doch er lässt sich nicht irritieren.

Er blickt auf die Brüste meines Gegenübers und sagt voller Inbrunst: „Dein Baby kann aber trotzdem aus der Brust trinken. Auch wenn die so klein ist. Die ist doch prima!“

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