Stumm

Heute war kein guter Tag. Viele Tage schrammen an diesem Etikett vorbei, der heutige trägt es. Fragen, innerlich, stumm, ob man sich falsch entschieden hat.

Ob man das tragen kann, mit Mann und Verantwortung für vier Kinder. Ob man ihnen mit seinen ganzen Problemen gerecht werden kann. Das Mottenkind ist krank und benötigt viel Körperkontakt. Da ist es wieder, dieses zärtliche Streicheln, das mich durchdrehen lässt. Nähe. Körperliche Wärme, die mich triggert, Atem auf meiner Haut. Ich beginne, mich vor mir selbst zu ekeln und es ist irgendwann nur noch aushalten. Warten, durchhalten, aushalten, ausharren, atmen, weiteratmen, überleben. Es ist keine Wahl mehr, es ist nur noch an dünnem Faden hängende Restdisziplin eines Schwurs, denn niemand kennen muss und der mich weitertreibt. Getrieben.

Der Mann übernimmt, stillschweigend. Lässt mich ausschlafen, kuschelt die Kinder, schirmt mich ab, bis die Maske wieder sitzt. Ich kann mich nicht bedanken für diesen Schutz.

Auch er widert mich an, so sehr ich ihn brauche. Will nicht hilflos sein, nicht schutzlos. Nur hart und kalt. Es fällt schwer, heute. Sehr. Möchte weinen, doch die hämische Stimme auf meiner Schulter stichelt: selber schuld.

Die Tränen bleiben ungeweint, weil es nur Selbstmitleid wäre.
Vielleicht auch nicht.
Stumm.

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