Ich merke immer mehr und immer deutlicher, dass dieses Vertrauensding nichts für mich ist. War es nie und ist es immer noch nicht. Ich bin oft und gründlich auf die Nase gefallen und im Moment ist meine Vorstellung von einer wie auch immer definierten Beziehung im Wandel. Vielleicht benötigt es gar nicht absolutes Vertrauen? Vielleicht benötigt es keine ultimative Nähe? Keine absolute Wahrheit? Keinen Anspruch? Vielleicht.
Es fällt mir so unendlich schwer, Lüge auszuhalten. Dem anderen zuzugestehen, dass meine moralischen Werte nicht die seinen sind. Nicht so sehr bei lockeren Bekanntschaften, aber sehr wohl bei engeren Beziehungen. Ich verlange von mir, den anderen so sein zu lassen, wie er nun mal ist. Mit Lüge oder ohne. Aber ohne, dass ich einen Anspruch auf Wahrheit hätte. Das wiederum macht mir echte Nähe unmöglich. Ich lasse mich nicht fallen bei jemandem, der mir ins Gesicht lügen kann.
Aber letzten Endes… ist nicht auch das nur Augenwischerei?
Gibt es Wahrheit denn überhaupt? Gibt es eine Beziehungsform, in der zwei gleichstarke und gleichwürdige Partner das Rückgrat haben, immer und in jeder Situation dem anderen die Wahrheit zuzumuten?
Ich kenne keine.
Vielleicht bin ich all die Jahre nur einer Illusion hinterhergejagt, die mich nun, da ich sie endlich erreicht und demaskiert habe, auslacht. Zu Recht. Ich lerne gerade sehr viel über Eltern-Kind-Beziehungen und Partner-Beziehungen und nichts von dem, was ich sehe, gefällt mir. Vielleicht war ich einfach immer nur der Idiot. Keine schöne Erkenntnis, aber das war und ist wohl alles, was ich bekommen kann. Verzeihen… Der Verzicht darauf, dass der andere sich so verhält, wie ich es gerne möchte.
Freigeben… Der Verzicht auf Besitz, auf Inbesitznahme, auf Druck, auf Eindringen in die Privatssphäre des anderen. Mit seinen Entscheidungen leben müssen oder gehen. Aushalten… Mittragen, mitgehen, auch wenn es mir nicht passt. Einfach ausharren und auf bessere Zeiten warten. Nicht aufgeben. Aus all dem soll etwas Positives entstehen?
Die Tage ermüden mich und die Nacht lockt so verheißungsvoll. Einmal alle Verantwortung abgeben, alle Verpflichtungen verleugnen und alle Versprechen vergessen. Einmal nur…
Hunger nach mehr.
Ich bin müde, mir ist kalt, ich habe Schmerzen. Ich möchte schlafen, einfach nur die Augen schließen und in einer besseren Situation aufwachen als in der, die ich verlassen habe.
Ich kann noch.
Aber ich will nicht mehr.
Stückweise Kapitulation vor der Wirklichkeit.
Sterben auf Raten.