Standhaft

Als der Mann nach einem ambulanten operativen Eingriff medikamentös noch völlig neben sich stand und ich die undankbare Aufgabe hatte, ihn aus der Praxis nach Hause zu bringen und man mir den knapp zwei Meter großen Hünen im Aufwachzimmer einfach wieder in die Hand drückte, habe ich ihm zunächst beim Anziehen geholfen.

Er hat sich sehr höflich bedankt und war sorgfältig darauf bedacht, sich bedeckt zu halten.

Ich nahm ihn an die Hand, sammelte noch Rezepte und Medikamente und letzte Ratschläge vom Anmeldetresen ein und schob ihn dann wankend in den Fahrstuhl.

Dort betrachtete er mich ein bisschen verlegen und lächelte schüchtern.

So weit, so gut.

Er kam auch noch anstandslos mit, als wir über den Parkplatz gingen, bis ich ihn auf die Beifahrerseite unseres Wagens schob. Ich öffnete die Tür und er blieb schließlich wie angewurzelt stehen.

„Das tut mir leid, das geht nicht.“

Ich blicke ihn irritiert an: Wir fahren jetzt nach Hause. Du musst einsteigen. Ich helfe dir.

Er schüttelt stumm den Kopf. „Nein. Das geht nicht.“

Ich atme also innerlich ein bisschen und beginne, ihn Richtung Sitz zu schieben, doch er dreht sich plötzlich resolut zu mir um und hindert mich daran: „Hören Sie. Sie sind wirklich eine wunderschöne Frau, aber ich bin verheiratet. Ich steige nicht zu fremden Frauen ins Auto.“

Ich starre ihn an. WAS?

„Ich bin verheiratet, ich…“

Ich winke ab, schmelze innerlich vor lauter Liebe und Romantik so ein bisschen vor mich hin, aber frage mich mit zunehmender Verzweiflung, wie ich einen Mann dieser Größe und Kraft jetzt gegen seinen Willen die 30km nach Hause bekomme. Ich nicke also bekräftigend.

Genau. Und darum bin ich ja hier – ich bin dafür da, dich jetzt nach Hause zu deiner Frau zu fahren, die wartet auf dich!

Er denkt sichtlich angestrengt eine ganze Weile nach und lächelt dann erleichtert. „Oh. Gut!“ und lässt sich anstandslos von mir in den Wagen schubsen schieben und mit der mitgebrachten Decke zudecken. Meine Brüste streifen ihn aus Versehen, als ich ihn anschnalle und er kichert verlegen und dreht sich peinlich berührt von mir weg.

[Dieses süße Sommerkind. ♥]

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