Roh

Roh ist es mit ihm im Bett.

Hemmungslos. Wertfrei. Egal, was ich will, egal was ich denke, er hält dem stand, er nimmt es auf, er verschlingt mich. Tabulos. Gierig, voller Lust und doch immer auch mit dem Kopf statt nur mit dem Schwanz dabei.
Wenn ich dieses heisere tiefe Lachen höre auf meine Frage, ob er hart wäre und nur Augenblicke später fast besinnungslos unter diesem großen Muskelpaket von Mann liege, dann ist mein Gehirn nicht mehr als eine breiige undefinierte Masse an Synapsenblitzen, die direkt in meinen Unterleib führen. Er nicht und ich hasse und bewundere ihn dafür.

Nicht in höchster Erregung und nicht in tiefster Wut vergisst er sich selber. Immer bin ich geschützt, immer sicher und es schreit in mir, ihn so weit zu sticheln, zu schlagen, zu triezen, bis er diese eine letzte Maske fallen lässt. Ich habe Angst vor dem dahinter und gleichzeitig sehne ich mit jeder Faser meines Seins nach dem Wissen, ihn einmal so erlebt zu haben.
Nackt, männlich, potent und wütend kann er vor mir stehen, erregt bis aufs Äußerste und von mir provoziert bis aufs Blut, mit hartem Schwanz – einem Satyr gleich – dunkel und drohend auf mich zukommen und er wird niemals vergessen, meinem Körper die Zeit zu geben, für ihn bereit zu sein, bevor er mir zusetzt. Ich ziehe meine ganze Sicherheit, all mein weibliches Wissen und Sein aus dieser Tatsache, dass mir an seiner Seite, unter ihm, auf ihm… nichts geschehen kann.
Und doch…
Einmal nur… Gnädig streut der Schlafsand des Alltags Müdigkeit in meine Begierde.

Bis die Wunde unter Bewegung wieder aufbricht.

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