Routinen

Alles ist noch still.

Ich schließe die Tür auf – ich habe inzwischen einen eigenen Schlüssel -und schiebe mich vollbeladen mit Bäckertüten ins Haus.

Die Frauen scheinen noch zu schlafen, also gehe ich leise in die Küche und lächle, als ich den Anderen hinten an der Heizung lehnen sehe. Er strahlt mich an. „Hast du wieder Schokobrötchen dabei?“ Ich lächle und reiche ihm eine Tüte. Ich frage mich, wie man so einen Körper behalten kann, wenn man den ganzen Tag nur Süßkram futtert, aber er liebt es.

Ich lade meine Einkäufe auf der Theke ab und beginne, das Frühstück zu machen. Die Kaffeemaschine läuft wenig später ebenfalls und ich gehe an meine Arbeit. Ich kontrolliere die Zimmer, ziehe hier noch eine Decke zurecht, prüfe die Kondomschälchen, schaue unter Betten, ob mir gestern Nacht noch irgendetwas entgangen ist, aber es sieht alles pikobello aus. Ich hebe die Gleitgelspender an und der in Zimmer 4 erscheint mir etwas leicht. Ich nehme ihn mit zum Vorratsraum und fülle ihn auf. Gerade als ich ihn zurückräumen will, klingelt es. Ich blicke kurz auf die Uhr. Wir öffnen erst in 20 Minuten. Ich höre im Obergeschoss Schritte, so langsam scheint Leben ins Haus zu kommen, die Badezimmertür fällt zu.

Na gut. Ich öffne die Tür, sehe ein unbekanntes Gesicht und bitte den Mann lächelnd hinein. „Sie sind aber ein Frühaufsteher!“ stelle ich fest und führe ihn ins Wohnbüro. „Kaffee? Wasser? Cola? Was kann ich Ihnen bringen? Die Mädchen sind noch oben, wir öffnen erst in 20 Minuten.“ Er lächelt mich unsicher an. „Ich habe meine Frau gerade zum Friseur gebracht und soll sie in zwei Stunden wieder abholen.“ Ich blicke ihn aufmunternd an. „Na, das hört sich doch so an, als würde das gut passen. Sie können hier hinterher gerne noch mal duschen, wenn Sie sich dann wohler fühlen, ich lege Ihnen Handtücher raus.“ Er nickt dankbar.

Vor Kunden bin ich angehalten, die Frauen als Mädchen zu bezeichnen. Ich habe mich auch nur einige Tage darüber mit den Frauen gestritten und dann aufgegeben.

Natascha schaut nackt um die Ecke und hat sofort ihr verführerischstes Lächeln angezogen. „Ohhh, was haben wir denn da für attraktiven Besuch?“ Sie schaut ein bisschen schüchtern und hält sie die Hände vor Scham und Brüste. Sie ist raffiniert. Ich kenne ihre Bilanz. Sie ist gut. Richtig gut. Die Männer fallen jedes Mal darauf rein.

Nach einigen Wochen Arbeit weiß ich aber auch, was ich mir nachher von den anderen Frauen anhören darf, wenn Natascha diesen hier ohne Wettbewerb verschleppt. „Frühstück steht in der Küche.“, sage ich knapp und wende mich dem Mann zu. „Wir wollen doch, dass die Mädchen bei Kräften bleiben, nicht wahr?“ Ich mustere ihn bewundernd von oben bis unten. „Ich glaube, das werden sie brauchen.“

Er nickt eifrig und grinst selig.

Der Eine kommt zur Arbeit und ich höre ihn mit dem Anderen in der Küche über Kalorien in Schokobrötchen streiten.

Abläufe

Es ist 1998.

Es war anstrengender als ich dachte.

Das Telefon hatte ich schnell im Griff, auch wenn Anita und Natascha mich jedes Mal skeptisch ansahen, wenn ich nicht hineinstöhnte, sondern mich ordentlich meldete.

Anita und Natascha unterhielten sich auch in meiner Gegenwart in polnisch. Das wurde recht schnell zu einem Hintergrundrauschen, das ich ganz angenehm fand. Ich war ohnehin damit beschäftigt, einen Drucker, einen Locher und einen Aktenordner zu suchen, weil DEM Peter seine handschriftliche Loseblattsammlung auf dem Schreibtisch eine Vollkatastrophe war.

Dann klingelte es. An der Tür diesmal. Anita blickte mich erwartungsvoll an. Anscheinend war das meine Aufgabe? „Du gehst hin und begrüßt ihn und dann darf er sich eine Frau aussuchen.“ Zeitgleich mit dem Klingeln kamen 3 weitere Frauen in Reizwäsche ins Zimmer geschlendert, die sich auf dem Ledersofa drappierten und anscheinend nicht wissen wollten, wer ich bin. Es klingelte erneut. Ich war überfordert. Natascha knurrte in meine Richtung: „Tür. Gehst du.“

Und ich ging.

Kunde. Es ist ein Kunde, ich bin freundlich und professionell, ich kann das.

Es klingelte ein weiteres Mal. Ich reiße also die Haustür auf und starre einen völlig durchschnittlichen Mann an, der mich ebenfalls anstarrt. „HALLO!“, sage ich zu laut und zu hektisch und er fokussiert mich wie ein Rehkitz im Scheinwerferlicht.

Er scheint sehr offensichtlich zu überlegen, ob er sich einfach umdrehen und wegrennen sollte. Ich starre weiter. Was sagt man zu einem Freier? KUNDE, skandiert meine innere Betriebsaufsicht sofort und ich trete einen Schritt zurück und öffne die Tür. Ich zwinge mir ein Lächeln aufs Gesicht. „Kommen Sie doch herein!“

Er scheint sich ganz und gar nicht sicher zu sein, ob er hereinkommen möchte und bleibt lieber stehen und starrt weiter. Ein Räuspern. „Ich… habe angerufen? Ich hab das noch nie gemacht.“

Na super. Dann haben wir ja beiden unseren ersten Tag im Puff. Ich verfluche mich, meine Schnapsidee, den Peter und diese Situation im Allgemeinen.

Aber gut, irgendwie muss ich ihn ja zu den ganzen Frauen kriegen, die da im Wohnbüro sitzen und sich vermutlich fragen, was zur Hölle so lange dauert. Also ziehe ich ihn halb herein und schließe die Tür hinter ihm. Er zuckt zusammen. Fantastisch.

„SO!“, sage ich laut und in einem Tonfall, der ihn erneut zusammenzucken lässt. „DANN WOLLN WIR MAL!“

Ach du meine Güte. Daran würde ich noch arbeiten müssen. Ich schiebe ihn ins Wohnbüro und er läuft knallrot an. 5 halbnackte Frauen lächeln verführerisch und kommen auf ihn zu. Inzwischen möchte auch ich davonlaufen. Anita blickt mich auffordernd an. Ich stottere herum. „Äh. Ja. Also ich hole Ihnen mal was zu trinken und Sie machen es sich gemütlich und suchen sich was Schönes aus!“

Irgs. Ausbaufähig. Anita guckt etwas entsetzt, widmet sich dann aber dem Mann. Der sieht maximal überfordert aus. Natascha hat sich auf seinen Schoß gesetzt und leckt ihm das Ohr ab. Ich möchte ihn retten. Mich stößt die Szenerie im selben Maße ab wie sie mich fasziniert.

Eine halbe Stunde und ein sehr deutliches Feedback in meine Richtung von Anita später kommt der Mann mit der rothaarigen Frau, die er sich ausgesucht hat, wieder herein. Ich straffe die Schultern und erkundige mich, ob alles zu seiner Zufriedenheit gelaufen ist. Er lächelt selig und ich begleite ihn zur Haustür, wünsche ihm noch einen schönen Tag und erkläre ihm, dass er jederzeit willkommen sei.

Ich lehne mich von innen an die Tür, als die Rothaarige zur mir kommt. Sie drückt mir beiläufig einen beunruhigend schleimigen Riesendildo in die Hand und sagt: „Du kannst das Zimmer dann wieder fertig machen. Ich bin übrigens Claudia.“

Ich starre auf das Ding in meiner Hand, schlucke ein paar Mal trocken und frage: „Kann das in die Spülmaschine?“

Claudia dreht sich noch mal um, wirft ihre langen roten Haare zurück und ihre nackten Brüste wackeln, während sie aus vollem Halse lacht.

„Willkommen im Team!“

Der erste Arbeitstag

Es ist 1998.

Ich stehe vor dem niedlichen roten Haus in einer teuren Bremer Wohngegend und schaue noch mal gewissenhaft auf meinen Zettel mit der Adresse.

Ich trug einen figurbetonten Hosenanzug mit Nadelstreifen, eine elegante Hochsteckfrisur und hatte meine Ledertasche mit Schreibutensilien dabei. Ich war bereit.

Ich atme einmal tief aus und drücke auf den Klingelknopf. Die Tür summt, ich gehe hinein und starre in der Diele auf zwei nackte Frauen.

„Hi! Ich bin Anita!“, lächelt die Blonde. Die mit den kurzen schwarzen Haaren sagt nichts. Sie starrt mich misstrauisch an. „Und das ist Natascha!“, sagt Anita. Ich blinzle. Sie haben immer noch nichts an.

Gibt man nackten Frauen die Hand zur Begrüßung? Ich kannte Knigge, aber das Kapitel muss ich übersprungen haben. Ich stottere etwas unbeholfen meinen Namen und dass ich heute meinen ersten Arbeitstag habe. Ich wäre das neue Mädchen für alles.

Natascha wechselt plötzlich von Mörderblick zu Lächeln und winkt mich heran. „Ah, ich dachte, der Peter hätte unabgesprochen noch eine Nutte eingestellt.“

Ich gebe den nackten Frauen die Hand und außer mir scheint wirklich niemand irgendetwas seltsam zu finden. Ich umfasse meine Ledertasche etwas fester. Sie verschwinden in einem Zimmer, aus dem ich Gespräche höre und lassen mich stehen. Langsam schaue ich mich um. Alter Mosaikfußboden. Holztreppen, in dunkel. Es war schön hier. Es roch allerdings nach einem Geruch, den ich nicht wirklich zuordnen konnte. Ich entschied mich, mich umzusehen. Ich ging einen Flur entlang, das Zimmer, dessen Tür offenstand, sah nach Küche aus. In der Tür prallte ich zurück. Zwei große muskulöse Männer standen in einem plötzlich viel zu kleinen Raum. Enganliegende schwarze Kleidung. Bestimmt zwei Meter groß und genauso breit. Kurzgeschorene Haare. Schwere Stiefel. Einer hielt eine winzige Kaffeetasse in der Hand und hielt inne. Musterte mich von Kopf bis Fuß.

„Wir kaufen nix.“

Mittlerweile zweifelte ich an meinem Verstand, dem Peter überhaupt zugesagt zu haben und sagte mein Sprüchlein auf. Der andere lachte plötzlich laut.

„Oh, was ein Glück! Wir brauchen hier dringend jemanden, der den Überblick behält!!“

Ja. Ja, das kam mir auch so vor.

Der Eine und der Andere zeigten mir meinen Arbeitsplatz. Ein gigantischer Raum mit großer schwarzer Leder-Eckcouch, auf der man gut und gerne 20 Leute unterbringen konnte. Eine kleine Schreibtisch- und Arbeitsecke für mich, eine Fernsehwand.

„Hier empfängst du die Kunden, unterhältst dich, hier entspannen die Mädchen, wenn sie wollen, du kannst fernsehen. Da ist die Getränkebar, Gläser, Kaffeemaschine für die Kunden, kleine Snacks.“

Ich nicke eifrig.

„Die Mädchen kassieren selber ab, du verwaltest aber hinterher das Geld. Schreib alles auf. Danach muss das Zimmer gereinigt und wieder hergerichtet werden, das Telefon muss immer beantwortet werden, die Preisliste ist hier auf deinem Schreibtisch.“

Ich beuge mich darüber und versuche, die handgeschriebene Liste zu entziffern. „Was steht hier, nach Anal?“ – „Fisting.“ – „Oh.“

Plötzlich wird es laut. Ein Tumult. Der Peter platzt in den Raum. „DA ISSE JA!!!“ Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd, zwei Reihen strahlendweißer Zähne sind das letzte, was ich sehe, als ich in den Muskelbergen seiner Arme verschwinde. Ich scheine von einer Angestellten zu einer guten Freundin aufgestiegen zu sein.

„KOMMSTE KLAR, WA?“

Ich bin mir nicht sicher, ob das eine besorgte Nachfrage oder eine Aussage war und setze gerade zum Abarbeiten meiner inneren Fragenliste an, die meine Arbeit und meinen Arbeitsplatz betreffen. Der Peter winkt ab. „Kommste klar, wa!“

Ah, okay. Er tippte auf seine goldene Uhr am Handgelenk. „Steckste das Telefon ein, geht los!“ Meine Augen wanderten zum Schreibtisch und suchten die Telefonbuchse. Aber er war schneller. Ein voluminöses Muskelpaket tauchte unter den Schreibtisch und im selben Augenblick fing das Telefon an zu klingeln.

„Los, stöhn ins Telefon!“ Er klappste mir aufmunternd auf den Hintern.

„Ich stöhne nicht in Telefone.“ gab ich etwas pikiert zurück, aber er war mit dem Einen und dem Anderen schon auf dem Weg nach draußen.

Ich war wohl auf mich allein gestellt.

Der Peter

Es ist 1998.

„Fickenblasenanalundwaskannichfürdichtun?“
Ich blinzelte. Starrte das Telefon an und legte vor lauter Schreck gleich wieder auf. Sah nochmal in die Zeitungsanzeige und tippte die dort stehende Nummer erneut.

„IchbinJasminundwillvondirgeficktwerdenundwerbistdu?“
Ich schüttelte den Kopf und ließ wieder fast den Hörer fallen. Zum dritten Mal las ich die Telefonnummer in der Anzeige, sprach die einzelnen Zahlen laut vor mich hin und tippte.

„AlleswasduwillstichbinJasminundwaskannichfürdichtun?“
Mein Gehirn verknotete sich so ein bisschen und ich vergaß, aufzulegen.
„Hallo???“

„Oh, äh, Entschuldigung, ich hab mich wohl verwählt.“

„Rufste auf die Anzeige an??“
*umpf*
„Äh. Ja. Aber dort steht, Sie suchen eine Sekretärin.“
„Ah, der Peter ist schon ein Lustiger. Wart, ich reich dich weiter!“
Bevor ich anmerken konnte, dass ich eigentlich gar nicht weitergereicht werden wollte, meldete sich schon eine tiefe Männerstimme.
„Oh?“
„Oh“ ist nun nicht gerade die Art, von der ich erwarte, dass ein potentieller Arbeitgeber sich am Telefon meldet, aber irgendwie kam ich aus der Sache nicht richtig raus.
Ich sagte mein Verslein auf, wie ich heiße, dass ich die Anzeige gelesen hätte und Berufserfahrung als Sekretärin vorweisen könne und mich nun vorstellen wollte.
„Japp.“
„Äh… Japp im Sinne von?“
„Ja, kommste her!“
Ich atmete und sammelte mich. Die letzten beiden Stellen, die ich hatte, waren eine Stelle als Sekretärin, bei der ich im Kostüm und mit Dutt schon fast aufreizend gekleidet war und bei der der Tonfall ein sehr steifer war und eine Stelle als persönlicher Chauffeur eines Geschäftsmannes und gleichzeitig dekorative Begleitung auf geschäftlichen Anlässen. Auch hier ein sehr formeller Umgangston.

Und nun konnte ich mit „Japp, kommste her“ nur schlecht umgehen.
Um welche Arbeit es sich denn genau handeln würde, fragte ich also und bekam die erfrischend ehrliche Antwort: „Ich hab nen Puff und hier ist Chaos. Ich brauch Hilfe.“
Ich war jung und wollte ja unbedingt die Welt kennenlernen…

Und so verabredete ich mich für den Abend mit „dem Peter“ im September in Bremen. Meine Lieblingskneipe.

„Der Peter“ war so sehr Klischee, dass ich ihn erst einmal konsequent ignoriert habe, weil ich dachte, das kann es nicht sein.
Tarnhose, enganliegendes Muskelshirt, Goldketten, dicke Uhr und gegelte Haare. Muskelberge, die darauf schließen ließen, dass auch viel Gehirn mit wegtrainiert wurde.

Atmen schien mit den vielen Muskeln ein echtes Problem zu sein.
Solariumhaut und blitzeweiße Zähne. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Der Peter war es dann aber wohl doch und so ging ich hin und stellte mich vor.
Mit Vor- und Nachnamen und nettem Sprüchlein.
„Ich bin der Peter.“
Äh. Ja.
„Peter…?“

„Genau. Der Peter. Einfach nur der Peter.“

Ich setzte mich und legte meine Unterlagen auf den Tisch an die Seite. Der Peter blitzte mich mit seinen weißen Beißerchen an und strahlte.
„Was hastn da mitgebracht?“
„Bewerbungsunterlagen. Lebenslauf, Referenzen.“
„Achduscheiße.“
Oh. Die Reaktion war neu.
„Den Scheiß lassen wir weg. Ich muss dich mögen und dann kannste deine Bewerbungsscheiße dem nächsten Sesselpupser in den Arsch schieben. Und wenn ich dich nicht mag, dann mag ich dich nicht. Dann wird das auch mit der Unterlagenscheiße nix. Sach ich mal so.“

OhGott.

Ich blickte ein wenig fassungslos vor mich hin und fragte mich, wie ich aus der Situation wieder rauskam.

„Ey, Schnecke! Kaffee, aber Hopphopp!“

Ich zuckte zusammen und machte ungefähr so große Augen wie die Kellnerin, die angesprochen war. Das nächste, das ich bemerkte, war, dass ich mit Alkohol gerechnet hatte. Er bestellte aber Kaffee.

Der Peter grinste mich strahlendweiß an und fing an zu erzählen.
Ja, er hätte da so eine Idee gehabt und mit Nutten kann man nun mal viel Geld machen und das wär auch total toll und so und die Mädels sind total lieb und wenn man mal über eine drübersteigen wollte, wär das auch kein Problem, die „sind da nicht so“.
Ich überlegte derweil, wie ich am schnellsten nach Hause käme.
Ich lächelte unverbindlich und sagte, das wäre nicht so ganz das, was ich mir vorgestellt hätte und just in dem Moment klingelte dem Peter sein Handy.

„Jetzt heul doch nicht! Wenn er zu groß ist, ist er zu groß! Haste Gleitgel probiert? Was? Ja. Ja, nee, wenns nicht passt, passt es nicht. Hat er schon bezahlt? Will er nun alles zurück? War er denn schon so ein bisschen drin in der Muschi??“

Ich schloss die Augen und mir war sehr deutlich bewusst, dass die gesamte Kneipe sehr ruhig geworden war. Ich versuchte zu atmen und mich zu beruhigen und gleichzeitig nicht laut loszulachen. Ich wollte ja unbedingt mehr Abenteuer vom Leben. Hatte ich nicht erst vor einigen Wochen, als das Geld vom letzten Job alle war, darum gebeten, mal was Verrücktes machen zu können?

Der Peter war inzwischen sehr rot angelaufen und fuchtelte noch so ein bisschen mit seinen dicken kurzen Armen.
„Ja, was können denn wir dafür, wenn der so einen Pferdeschwanz hat? Geschäft ist Geschäft!“

Ich kicherte. Sehr unprofessionell, sehr kindisch. Aber mir war so.
Der Peter sprang auf und bedeutete mir zu folgen. Ich raffte meine Unterlagen zusammen und lief hinter ihm her. Auf dem Weg am Tresen vorbei steckte er der Kellnerin, die schon böse kuckte, einen Hunderter in den Ausschnitt und sagte: „Puppe, freundlicher!“

Ich lief hinter dem Peter her, bis wir draußen waren. Er beendete sein Telefonat und sah mich ratlos an.

„Ich braucht echt Hilfe, du. Und ich find dich toll.“
Der lebenshungrige Teufel in meinem Kopf übernahm die Führung und ich hörte mich fragen: „Wieviel?“
„200 Kröten am Tag. Grundgehalt. Plus Provision.“

Mir wurden die Knie weich.

„7 Tage die Woche. von 8 Uhr morgens bis 24 Uhr nachts.“
„7 Tage??? 300.“
„250“
„Morgens erst ab 9 Uhr“
„Im Nuttenoutfit“
„Hosenanzug“
„Tief ausgeschnitten!“
„Nein“
„Enganliegend“
„Figurbetont höchstens“
„Heute Abend anfangen.“
„Morgen früh.“


„Okay.“