Trauer

Sie kommt in Schüben, die Trauer.

Trauer um zwei tote Babys in diesem Jahr, meinen geliebten Großvater, Erkenntnis und Bestätigung, meinen Eltern gleichgültig zu sein und der komplette Bruch mit ihnen.

Das Gehirn grinst ein wenig schief und der Gedanke ist da, dass man das ruhig auf ein paar Jahre hätte verteilen können. Obs dadurch besser geworden wäre? Wer weiß es schon.

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es ist wie es ist. Und das ist der größte Dreck.

Die Trauer wird ewig begleitet von der destruktiven Frage: Was wäre gewesen, wenn…

Das Spiel ist so einfach wie vernichtend. In Kreisen drehen sich die Gedanken bis zur vollkommenen emotionalen Erschöpfung und Leere. Wenn ich hier so sitze und mir die Tränen die Wangen hinunterlaufen, erscheint alles so sinnlos. Morgens aufstehen, etwas Sinnvolles tun. Zu leben. Wozu denn, wenn es eh jederzeit zuende sein kann.

Wofür mühen und strampeln wir uns denn ab, wenn wir am Ende unseres Lebens hauptsächlich Eines sind: verdammt tot.

Die Faust in den Magen kam in Form einer Bekannten, die munter über eigene Fehlgeburten und Abtreibungen referierte, nicht merkend, dass ich mich immer weiter in mich zurückzog.

Völlige Takt- und Empathielosigkeit garniert mit der Frage: Ist doch okay, wenn ich so offen bin, ja?

Na klar. Deklariert man Offenheit als Synonym für Narzissmus und emotionale Rohheit.

Sprich ruhig, ich bin hart, ich weine zuhause. Die Frage, warum ich denn dann überhaupt noch riskierte, schwanger zu werden, nötigte mir neben einem inneren andauernden Würgen die folgenden Wochen auch noch tiefergehende Gedanken ab.

Ja. Warum?

Ich habe doch schon drei Kinder. (Selbst schuld, wenn ich nicht zufrieden bin und noch eine Fehlgeburt riskiere. Selber Schuld. Selber Schuld. Selber Schuld.)

Niemandem Rechenschaft schuldig zu sein ist die eine Sache. Theorie. Praxis. Rückblickend? Vergeudete Zeit. Es hängt nach, trotz allem.

ergiftete Gedanken.

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