Gier

Niemand, der andere Menschen beeinflusst, sollte unter Minderwertigkeitskomplexen leiden. Es ist ein Job, in dem man seinen Selbstwert unter keinen Umständen davon abhängig machen darf, was die anderen sagen, tun oder lassen… Dieser Punkt allein ist so überlebenswichtig im Alltag, dass ich der Meinung bin, wenn man es schafft, dies zu erfüllen, wird sich alles andere fügen.

Kinder machen alles nach. Sie werden jeden Selbstzweifel, jedes Heischen nach Aufmerksamkeit, jede Wehleidigkeit, jede Aufopferung sofort übernehmen.
Mein Fraubild, mein Mannbild, mein Menschbild, meine Hoffnung, meine Verzweiflung – all das saugen sie gierig in sich auf und integrieren es in ihr Wertesystem, das die ersten Lebensjahrzehnte so labil auf die Grundmauern anderer Menschen baut, dass es kaum etwas Instabileres geben kann.

Und doch ist die Sehnsucht nach einem Lob, nach einer Wertschätzung, nach einer positiven Beurteilung in diesen seltenen Momenten so laut, schreit so verzweifelt, drängt so gierig nach außen, dass ich innehalten muss in meinem Tun.
Wer über Lob nicht erhaben ist, kann es nicht über Tadel sein.
Es zeigt mir mehr als alles andere, dass ich falsch handle.
Sobald ich nicht mehr in mir ruhe und meinen Wert für mein Selbst und meinen Wert für meine Tätigkeiten und Arbeit hier von Anderen festlegen lassen möchte, muss ich aufhören.

Für den Moment gibt es nichts Wichtigeres, als einfach aufzuhören.
Ich tue die Dinge, weil ich sie für mich als richtig erachte.
Weil ich sie für notwendig eingeschätzt habe.
Weil sie mich befriedigen.

Sobald ich nach Lob von außen trachte, entspringt mein Tun einer falschen Motivation.
Es ist Sehnsucht nach Liebe, immer.

Es ist nicht Sehnsucht nach etwas, das die Anderen einem geben können, niemals.
Nicht Gefährten, nicht Kinder, nicht Eltern.
Nur ich.

Achtsamkeit, Liebe, Respekt.

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