„Es ist nur ungefähr in jedem fünften Fall bösartig.
Oder wenn der Knoten über eine gewisse Größe…“ Ich sehe ihn hektisch auf dem Ultraschallmonitor herumklicken. Er misst inzwischen den vierten Knoten aus. Und die Größe ist genau wie bei den vorherigen Dreien bereits doppelt so groß wie das, was er mir vorher als harmlos genannt hat. „Und ihr Vater hatte genau diese Krebsart?“ Ich nicke.
„In welchem Alter?“ – Anfang 40.
Er macht viel Hmhm und murmelt und misst alles noch mal nach. Er macht sich Notizen. Er findet einen weiteren Knoten. „Ja. Das sollten wir dringend abklären lassen. Aber wie gesagt…“
Ich will es nicht hören. Ich ahne, dass das genau die Reaktion sein wird, die ich in nächster Zeit öfter zu hören bekomme und ich habe keinen Nerv mehr für toxischen Optimismus als Universalschablone für Menschen, die nicht wissen, wie sie mich trösten sollen. Ich erhalte alle meine Überweisungen und telefoniere im Auto die Krankenhäuser durch, die in Frage kommen. Im nächsten Jahr hätten sie einen Termin. Dezember. Ich sitze eine halbe Stunde, eine Stunde im Auto, wähle mich in Warteschleifen und lasse den Arztbesuch sacken.
September. Endlich. Mit Option auf Warteliste und Vorrücken. Nehme ich.
Das ist ungefähr der Zeitpunkt, an dem ich beschließe, dass ich niemandem irgendetwas erzählen werde. Ich kann die Panik fühlen, die dabei in mir hochsteigt, die Gefühle anderer Menschen regulieren zu müssen, an einer Operation komme ich ohnehin nicht vorbei und ich kann in diesem Zustand kein „Alles wird gut“, „80 Prozent – das ist doch was“ oder „Daumen sind gedrückt“ aushalten. Ich will nicht und ich kann nicht. Menschen, die nicht wissen, wann sie mal die Fresse halten müssen und wann es mir hilft, wenn man sich einfach nur schweigend in der Dunkelheit zu mir setzt, habe ich zuhauf um mich herum.
Danke, aber nein danke.
Ich kaufe mir sicherheitshalber noch einen Kalender.
Ich habe das Gefühl, ich könnte ihn in nächster Zeit brauchen.