Diese kaum verborgene Neugierde auf mein Wesen ekelt mich so sehr an wie sie mir schmeichelt.
Ich kann den Kontakt mit anderen Menschen nicht immer vollständig vermeiden und so kommt es ab und an zu einem Gespräch, das einem Monolog gleich mit der Absicht geführt wird, mir eine Reaktion zu entlocken.
Die vielen kleinen unterwürfigen Laute wie „nicht wahr?“ und „findest du nicht auch?“ und das jedem Satz nachgestellte „,oder?“ machen mich innerlich wahnsinnig und verleiten mich zu stummem Widerstand.
Instrumentalisiert zu werden ist nicht mein Anliegen und so verweigere ich mich dieser Rolle.
Leiser werden sie unter meinem direkten aufmerksamen Blick, der nichts und alles zu sagen scheint. Und ich spiele das selbe Spiel mit ihnen…
Leiser und leiser werden sie, bis sie schließlich verstummen, kaum merkend, aber doch spürend, dass auf seichtes Geplapper kein Echo folgen kann, weil ich das nicht biete, sofern ich nicht will.
Ein knappes Lächeln, ein sacht zur Seite geneigter Kopf ist mein einziger Tribut an das Menschsein meines Gegenübers. Mehr Respekt muss man sich verdienen. Zaghaft lächeln sie zurück, unsicher, fragend…
Ich glaube, ich habe eine Verabredung, jetzt gleich, ohne sie getroffen zu haben.
„Ich habe dich gesehen, gestern. Dein Sohn sagt, ihr seid heute wieder dort.“ Ich blicke auf meinen strahlenden Sohn und neide ihm seine Unbeschwertheit. Ich nicke kurz mit dem Kopf und wende mich ab. „Dann bis heute Nachmittag! Wir sehen uns dort!“
Das macht mich doch sprachlos, wenn nicht gar hilflos, obgleich Hilflosigkeit eher der Dramaturgie geschuldet wäre. Gleichgültig, ob ich sie dort treffe oder nicht, ich spüre, dass die Mauer höher muss.
Ich weiß, sie hat ihre Tochter verloren, als diese 1 Jahr alt war. Gleichgültig steht sie neben weinenden Kindern oder Erwachsenen, ohne sich berühren zu lassen, ich war Zeuge und verstand so gut.
Aber jedes Einlassen auf sie bedeutet, ihren Schutzwall zu durchbrechen und das Auszuhalten bin ich nicht bereit.
Der Fluch auf meiner Seele ist Gabe gleichermaßen.
Aber nicht jetzt, nicht heute.