Wert [Baby]

Der Einsatz ist hoch, alle verfügbare Liebe freizugeben und sich auch auf den größtmöglichen aller Schmerzzustände einzustellen.
Tod. Verlust eines geliebten Wesens.
Dieses Wesen, so klein, so stark, klammert sich an sein Leben, dass Mut und Hoffnung auf ein Leben mit ihm sich ihren Weg bahnen.

Ich habe nackte Angst, mich darauf einzulassen, diesen Schmerz noch einmal ertragen zu müssen, der mein Herz zerreißt, der keinen Halt findet, mich nur treibend und weinend in einem Schwebezustand zurücklässt. Auch die starke Schulter an meiner Seite bietet nur begrenzt Trost, benötigt sie doch selber auch meinen Schutz. Wie Ertrinkende klammerten wir uns aneinander, ich vermag im Nachhinein nicht mehr zu sagen, wer wen durch welche Zeit mehr getragen hat.

„Natürlich habe ich viele Fehler, hast du nicht genug Liebe…“

Dieser Satz erschütterte mich bis ins Mark. Wie arrogant war ich, von meiner sicheren Warte aus den größtmöglichen Schutz hinter der höchsten Mauer zu suchen, bis das Baby auch auf dieser Welt lebensfähig ist? Wie anmaßend von mir, mein Herz erst dann zu öffnen, wenn ich mich abgesichert habe. Habe mich herausgeredet, dass ich es nicht ertragen kann, noch einmal ein schlagendes Herz zu sehen und die Geburt eines Wesens, das gerade mal auf meine Handfläche passt. Mit dieser zarten durchsichtigen Haut, diesen kleinen Fingern und Zehen. Voll lebensfähig, gäbe es noch eine Chance.

Und tot.

Die Entscheidung für das Leben und für die Liebe kann immer nur eine Entscheidung ohne Bedingungen sein.

Schreibe einen Kommentar