kleine Schritte [Mirlinda]

Tod, Tod, Tod, hämmert es in meinem Gehirn.
„Wir warten jetzt nur noch“, sagt die Mutter und jede Faser meines Herzens schreit gellend in den Himmel, weil dieser Weg nicht meiner wäre.

Aber kann ich das beurteilen?

Würde ich nicht vielleicht selber wie gelähmt mit einem todkranken Kind zuhause sitzen und einfach nur noch warten, dass es vorbei wäre? Nach zwei Jahren Kampf und Krampf und vergeblicher Hoffnung? (kann Hoffnung jemals vergeblich gewesen sein? Liebe?)

Ich darf nicht urteilen, aber ich kann da sein. Diese Hand, die sie mir hingestreckt hat, ergreifen. Ich blicke die letzten zwei Wochen zurück auf mein eigenes Leben. Auf jeden einzelnen Tag, der mit drei Kindern so angefüllt ist mit Leben, mit Liebe, mit Tun und Wirken und ich erinnere mich an die Stunden bei ihr.

Auch sie hat drei Kinder im selben Alter. Die Kleinen, die ebenso agil und vor Lebensenergie berstend durch das Haus rennen, in einem Zuhause, in dem man nun auf den Tod wartet.

Nicht aktiv vorbereitend, sondern passiv ausharrend. In Schockstarre, sich nicht ausmalen könnend, was das Leben noch bereithalten sollte für dieses todgeweihte Kind.

Und ich möchte sie schütteln und anbrüllen, dass draußen die Sonne scheint, dass die letzte Erinnerung an dieses Leben nicht Grabesstille sein sollte.

Allein, es steht mir nicht zu. Lektionen in Demut.

Schreibe einen Kommentar