Man sollte meinen, mit der Zeit schleicht sich ein gewisser Gewöhnungseffekt in Todesdingen ein, aber so ist es nicht.
Und so ziehen und zerren und zehren die sich immer wiederholenden Gespräche mit den Kindern über Tod und Sterben und den Wert von Leben an meinen Nervenenden, so dass ich am liebsten ein Kopfkissen über den Kopf ziehen würde, um nichts mehr hören zu müssen.
Ich kann den Wert eines Lebens nicht beziffern. Weder den einer lebenden Ameise noch eines lebenden Babys oder Greises.
Heute Nacht das beeindruckende Gefühl einer reißenden Fruchtblase geträumt und plötzlich war es fünf Jahre früher, als ich mit zwei kleinen Kindern im Wohnzimmer stand, die Hand auf dem nur leicht runden Bauch und das Reißen sehr deutlich spüren konnte. Und mein erster instinktiver Impuls Freude war, bevor mir bewusst wurde, dass ich das Todesurteil meines Kindes gespürt hatte.
Und so lag ich da, schweißgebadet, meine Gedanken sammelnd, ob es nun Traum oder Wirklichkeit war, ob ich mich nun darauf einstellen muss, ein Kind zur Welt zu bringen oder mich umdrehen kann, um neben den seidig weichen, duftenden Haaren der Motte beruhigt weiterzuschlafen.
Erst ein Gang durch die Wohnung und ein Hineinspüren in den Bauch brachte Sicherheit und Gewissheit, dass alles so ist, wie es sein sollte. Mein Sohn bewegte sich unter meiner Berührung, sachte nur, aber immerhin so beständig und unaufgeregt, dass es mich nach einiger Zeit wieder in den Schlaf sinken ließ.
Seine Namen stehen seit einiger Zeit unumstößlich fest, ein Trost in düsteren Gedankengängen, dass es eines weniger sein wird, um das wir uns im Todesfall Gedanken machen müssten. Jetzt verabschiede ich mich von der Nacht und den Todesgedanken, das Licht und der Tag warten schon seit Stunden auf mich.
Spät dran heute, gefangen, gefesselt in der Dunkelheit…