Über die Leber…

Ein Kind hat Läuse. Das steht außen auf der Tür, direkt neben dem Hinweis, dass es Fälle von Scharlach gibt und heute nicht gekocht wird. Also kam mir heute Morgen um Punkt 8 Uhr eine aufgeregte Meute aus Müttern, Vätern und Kindern entgegen, die allesamt so taten, als wäre im Kindergarten die Pest ausgebrochen. Ich wusste bereits seit 7 Uhr Bescheid, als der Kindergarten hier angerufen hatte und da ich meine Entscheidung bereits getroffen hatte, nachdem ich alle drei Kinder zuhause ausgekämmt und untersucht hatte, ging ich relativ ruhig die Treppe hoch und scheuchte meine Kinder durch den gackernden Gegenverkehr.

Kinder wie Eltern riefen mir geschlossen ein „dreh wieder um, sind Läuse im Kindergarten“ entgegen und sahen mich entgeistert an, als ich weiter die Treppe hinaufging. Sohnemann vermutet hinter Läusen nach drei Gesprächen mit Erwachsenen große schwarze Monster mit riesigen Reißzähnen, die den Kopf als Ganzes abbeißen und dann das Blut aus dem Hals saugen und weigert sich laut schreiend, einen Schritt über die Schwelle zu setzen, während die Motte ihren Rucksack wie einen Schild vor sich herträgt und zur Rettung der Kindergärtnerinnen schreitet.

„Denen hauen wir eins auf die Glocke!“, brüllt sie ihrer Lieblingserzieherin entgegen und zieht sich todesmutig ihre Hausschuhe an, während mir in einem blauen Müllsack Ersatz- und Matschkleidung der Kinder zum Waschen überreicht wird. Ich grinse so ein bisschen – das ist nun in 5 Jahren das fünfte oder sechste Mal, dass Läuse im Kindergarten sind – und frage, ob wir die einzigen wären, dann würde ich die Kinder wieder mitnehmen. Waren wir aber nicht und ich versuchte, den Kobold davon zu überzeugen, mein Bein loszulassen und stattdessen mitzuhelfen, den gesamten Kindergarten in blaue Säcke zu verpacken. Das Mottenkind ging inzwischen dazu über, mit einem Stock unter jedem Heizkörper herumzustochern, En Garde zu rufen und zu versuchen, die Läuse mit dem Stock zu erschlagen, während der Kobold an seiner Theorie festhielt, dass Läuse über eine Schulterhöhe von mindestens zwei Meter verfügen und kleine Kinder fressen.
Einige Minuten später realisiert er, dass der Ausnahmezustand auch bedeutet, dass die Kinder heute weder fragen müssen, ob sie in die Turnhalle/Bauecke/Sonstiges dürfen, weil an diesen Tagen alles erlaubt ist.

Als ich gehe, sehe ich ihn, wie er in der Turnhalle in der Hängematte hängt, mit seinem Freund kuschelt und der adrenalingepeitschten Motte ab und an zuruft: „Motte, ich glaub, dahinten war Eine!“ und amüsiert zusieht, wie sie laut brüllend mit Stock und Tüte von Ecke zu Ecke hoppst, um eine Laus zu fangen.

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