Sexualerziehung

Wenn der Mann ein Thema beginnt mit den Worten: „Du darfst jetzt nicht gleich panisch werden…“, dann kann es sich in unserer Beziehung eigentlich nur um ein einziges Thema handeln. Sexualerziehung der Kinder.
Mein erster Kontakt mit Sexualität war die Sexualität meiner Mutter. Dann die vielen Erektionen meines Großvaters. Dann kam lange nichts. Reichte auch völlig, so im Alter von 5, wenn ich ehrlich bin. Dann sollte ich irgendwann aufgeklärt werden (haha) und meine Mutter zitierte meinen nackten Vater ins Wohnzimmer, an dem ich die Funktion der Samenleiter erklärt bekommen sollte. Da war ich 7 oder 8, glaube ich. Mein Vater entzog sich dem, wofür ich nach wie vor sehr dankbar bin, also war die nächste Begegnung mit Sexualität neben meiner Mutter und ihren Bedürfnissen nach Zungenküssen ihre Pornosammlung. Und ihre Sexspielzeuge. Und ihre „Hilfsangebote“, mir Tampons einzuführen. Und das Begutachten meiner Unterwäsche nach dem Tragen. Und das Riechen daran. Ich schweife ab.

Das sind die Kindheitserlebnisse, die meinen ersten Eindruck von Sexualität geprägt haben. In der vierten Klasse kam Sexualkunde dazu und die Tatsache, dass man einen Penis in eine Scheide stecken muss, um sich fortzupflanzen. Ich kannte bis dato nur die Lesbenpornos meiner Mutter. Und nun bin ich in der Situation, ein Kind mit dem Thema Sexualität vertraut machen zu müssen. Sexualkunde steht ganz groß auf der Einladung zum Elternabend nächste Woche und ich schwanke zwischen schreiend davonrennen und das Kind bis zu seinem 25. Lebensjahr in einen Wandschrank zu sperren.
Ich habe keine Unschuld erlebt. Keine Kindheit. Keinen kindlichen Umgang mit Sexualität. Ich weiß nicht, wie es ist, ohne Wissen an dieses Thema heranzugehen. Ich habe immer nur erwachsene Bedürfnisse befriedigt.
Ich bin dankbar, unendlich dankbar für die Begleitung eines Gefährten, der Sexualität als ganz selbstverständlichen Teil eines Menschen annehmen kann und auch selber lebt. Der unbefangen ist. Die Unschuld der Kinder bewahrt und trotzdem bereit ist, mit ihnen diesen Schritt zu gehen. Aufklärung. Mit Verstand und ganz viel Herz.
Ich spüre meine Grenze, so hart, verhärtet, laut, unerbittlich.
Und sie darf dort eigentlich nicht sein.

Ich wusste, dass die Zeit kommen würde und ich dachte, damals, vor 10 Jahren, dass ich dann bereit sein würde.

Ich bin es nicht.

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