666

Inzwischen 666 Blogeinträge nachgetragen und etwas geschmunzelt, als ich ohne Kenntnis des Zählerstandes heute Nacht um halb 3 mal wieder beschlossen habe, dass es für den Tag reicht.

Zäh tropfen die Gedanken durch das Sieb der Erinnerung.

Jeder Blogeintrag das Tor zu einer alten Welt, die durch Verarbeitung so taub wurde, dass sie eingebettet in den gnädigen Nebel der Vergangenheit in der Gegenwart schon längst nur noch leise puckert, nicht mehr pulsiert.

Und nun muss der Neocortex mit Unbehagen genau dort eintauchen, wo Hippocampus und Amygdala als ungleiche Zwillinge bewahrt haben, was sich heute längst nicht mehr so heiß anfühlt wie es damals in Worte geflossen ist.

Und doch bin ich da. Unvermögen, mich mir selbst zu entziehen. Ja, da bin ich. Da war ich. Ich sehe mich.

Ich sehe, wie gnadenlos ich die Arbeitshypothese verteidigt habe, ich sei zu viel, verlange zu viel, stelle mich an, sei zu empfindlich, müsse mich nur mehr anstrengen, besser funktionieren…
Und sehe auch so deutlich, in welch körperlicher und seelischer Agonie ich mich damals befand, auf weiter Flur einfach nur allein. Für Dinge dankbar seiend, die niemals etwas anderes als selbstverstänlich hätten sein dürfen.

Ich bin wütend für diese junge Frau. Auf diese junge Frau. Will sie schütteln, will sie tragen, will sie schützen, will ihr versichern, dass sie nie falsch war. Dass die Dinge über jedes Maß der Erträglichkeit hauptsächlich von ihr getragen, organisiert, orchestriert wurden.

Will ihr zurufen, innezuhalten. Will ihr zuflüstern, dass sie ihr Licht nicht kleiner machen muss. Will sie anbrüllen, sich nicht selbst zu verraten. Will ihr die Augen öffnen, will sie zwingen, anzusehen, was sie verleugnet hat und doch wusste.

Weine meine Tränen heute ohne Scham um all den Schmerz, den sie mal laut, mal leiser ertragen hat, aber immer ungehört. Möchte sie behutsam in Geborgenheit für einen Moment die Augen schließen lassen, um Kraft zu sammeln, die sie in den nächsten Jahren bitter nötig haben wird, ohne das nun wissen zu können.

Es wäre so einfach gewesen.

Und wäre ich dann noch, wer ich jetzt bin? Müßig.

Es ist wie es ist.

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