fusselige Fledermaus

Das fledermausbeohrte Katzenbaby wird langsam von unserer Katze akzeptiert.

Mit mürrischem Fauchen kommentiert sie zwar nach wie vor jede seiner Bewegungen, aber sie steht inzwischen nicht einmal mehr dafür auf. Selbst wenn er unmittelbar neben ihr einen Anfall bekommt. Das ist ein riesengroßer Fortschritt, der früher kommt als ich erwartet habe. Wenn er richtig austickt, verlässt sie sogar ihren Ruheplatz um zu sehen, was das bekloppte kleine Katzenkind nun schon wieder tut. Sie setzt sich dann in einigem Abstand hin und beobachtet, wie er wie von der Tarantel gestochen ein Zimmer auseinandernimmt, seinem Verfolgungswahn nachgibt oder mit völlig abgedrehten Geräuschen über den Teppich robbt.

Die Bindung zum Tochterkind funktioniert hervorragend.

Kommt sie aus der Schule wird aus dem Rabauken plötzlich ein hilflos fiependes kleines Bündel Fell, das dringend auf den Arm genommen werden muss und sich schmusend von Stuhl zu Bank zu Tisch tragen lässt. Während der Hausaufgaben sitzt er entweder stiftefangend zwischen Stiftbehältern und Schulbüchern oder er robbt sich milimeterweise unauffällig immer weiter auf Buch oder Heft, bis er schließlich direkt vor dem Tochterkind auf dem Rücken liegt und wieder hilflos maunzend verkündet, wie klein und vernachlässigt er doch ist.

Beide schlafen Arm in Arm oder er schläft auf dem Kopfkissen meiner Tochter während sie zur Seite rutscht, um „das Baby nicht zu stören“.

Ich merke, wie der Zauber von kleinen Katzen ungebrochen ist, in mir allerdings nicht mehr so viel Sehnsucht auslöst wie früher.

Ich ziehe den Flerken vor, ihre Macken und ihre Abweisungen, ihre Diven- und Launenhaftigkeit. Sie profitiert sehr vom Katzenkind, wird noch einmal zugänglicher – und wenn es nur ist, auf meinem Schreibtisch zu sitzen und mir ihr Leid bezüglich des Flohs zu klagen, der nun gerade auf ihrer Decke liegt.

Ich genieße das sehr.

Das Tochterkind hat auf ihrer Wandlung zum Schmetterling einen wahrhaft guten Gefährten gefunden.

Wenn sie diese Linie um sich zieht, die wir hier nicht übertreten können und dürfen, dann spaziert das fledermausohrige Baby direkt darüber hinweg, maunzt ein bisschen herum, lässt sich auf ihrem Schoß nieder, schnurrt und lässt sich zärtlich in den Schlaf kraulen.

Seelenbalsam.

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