Darwin

Das dusselige dicke Sperlingsbaby, das beim Füttern aus reiner Gier immer schon halb aus dem Nest hing, ist nun runtergefallen und kugelte fröhlich im Garten herum.

Die Kriegerin stieg also 7 Meter Leiter hinauf, erzählte ihm die ganze Zeit, was für ein dummer Vogel es sei, referierte über fehlenden Selbsterhaltungstrieb im Allgemeinen und stopfte es kurzerhand wieder zu den Geschwistern, wo es jetzt vor sich hinzetert.

[Der dicke Katzer prangert das an]

Die Weihnachtsmäuse

Ich bitte die Kinder, mir die Weihnachtsdekoration vom Dachboden zu holen.

Kurz darauf gellende Schreie vom Dachboden, gefolgt von einem dumpfen Knall, danach weitere Schreie.

„MAMA! IM ROTEN WICHTEL LEBT EINE MAUSFAMILIE!“

[Ich hasse diese kleinen behaarten Bumsknödel]

Invasion

„Achso, was ich dir noch sagen wollte: Auf dem Dachboden hört es sich nachts seit Wochen so an, als würde ein mittelgroßes Tier große Dinge hinter sich herschleifen.“

Äh. WANN wolltest du mir das sagen?

„Hab ich doch gerade?“

[Ich atme.]

Goethe, Apex Predator

Wenn das Kind mir panisch einen 9-Kilo-Hasen entgegenstreckt, weil der aussieht, als hätte er ein Reh gerissen und man dann nach viel Gegrabbel im Dreifachkinn und Geruchsprobe feststellt, es waren nur Melone und Erdbeeren.

[Gehirn fährt das Katastrophenszenario wieder runter.]

Norbert

Die letzte Packung Spekulatius waren zwar Butterkekse, aber das war Norbert glaube ich egal.

Gute Reise, Dicker.

Das Leben trotzt dem Tod, immer.

Und so pflanzen wir der Erinnerung und der Hoffnung wegen einen Baum oder eine Staude auf jedes Tiergrab.

Für Norbert steht seit gestern ein kräftiger rotblättriger Holunder in Sichtweite zur Terrasse.

Die Maus

Um Mitternacht schwebte eine große Einkaufstasche in unser Schlafzimmer, gefolgt von einem langen Arm, an dem ein Kobold hing, der etwas zaghaft „Mama? Papa? – In der Tasche ist Pappe und in dem Pizzakarton wohnt die Maus, die knuspert gerade so laut – was soll ich damit machen?“ fragte.

Hameln galore

Im zweiten Stock hört es sich an, als würden die Kinder Möbel werfen, während sie sich alle drei gegenseitig anschreien.

Ich nähere mich dem phonokalyptischen Szenario vorsichtig und öffne langsam Kobolds Tür, als ein Boxsack an mir vorbeifliegt.

WAS. ZUR. HÖLLE. MACHT. IHR. HIER.?

„Hallo Mami! Wir fangen die Maus!“

Die Küchenmaus

Nachdem ich die Kackmaus nun nicht gefangen habe, habe ich nun heute endlich die halbe Küche abgebaut, damit ich sie fangen und vor allem alles saubermachen kann.

Natürlich ist alles fest miteinander verschraubt, wie immer, wenn ich etwas baue – es war also nur so ein bisschen arschviel Arbeit.

Während ich da so mit viel Alkohol und Desinfektionszeug auf engstem Raum mit abgebauter Schrankwand hinter mir auf dem Boden herumrutsche und Dämpfe einatme, kommt der Kobold und erzählt mir beiläufig, dass die Maus in seinem Zimmer lebt und er die da mit Chipskrümeln füttert.

Wenn ich aufgehört habe zu atmen, schrei ich.
Oder ich erschlag ihn.
Sobald ich vom Fußboden wieder hochgekommen bin.

Das große Sterben

Es war zu erwarten.

Sie sterben.

Alle.

Die Zeitspanne, die ein Kaninchen lebt, ist überschaubar.

So große Tiere, wie wir sie haben, haben oft nur eine geringe Lebenserwartung. Kasimir war mit seinen 8 Jahren schon weit jenseits von Gut und Böse und auch wenn seine Art gerne vergessen ließ, dass er schon ein sehr altes Tier war, war er nun mal genau das.

Wir nehmen keine neuen Tiere mehr auf und züchten nicht, also wird das nun so weitergehen. Es ist erst wenige Wochen her, dass das Klößchen gegangen ist. Ich bin nicht bereit dafür, wirklich nicht. Es sind so viele unserer Kaninchen gerade am oberen Ende ihrer Lebenserwartung und ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.

Die Babykekse und die Kleinen haben immer geholfen, dass man die Hoffnung nicht verliert und nach vorne sieht, weil das Leben weitergeht, aber ein sich stetig leerender Stall bringt mich an meine Grenzen.

Meine Herztiere sind fast alle gegangen. Ich bin müde.

Machs gut, Miro. Du warst ein Ausnahmecharakter.

Fledertiere

Die Nachbarin hat mich auf unsere Fledermausschwärme angesprochen, die bei uns in der Hausfassade leben und die ja wegen der Tollwut(!) eine gigantische(!) Gefahr(!) für Menschen sind, stand in der Zeitung!

Ich hab dann gesagt, ich lass die beim Tierarzt alle impfen, sie nickte erleichtert und vermutlich komme ich jetzt in die Hölle.