Das große Sterben

Es war zu erwarten.

Sie sterben.

Alle.

Die Zeitspanne, die ein Kaninchen lebt, ist überschaubar.

So große Tiere, wie wir sie haben, haben oft nur eine geringe Lebenserwartung. Kasimir war mit seinen 8 Jahren schon weit jenseits von Gut und Böse und auch wenn seine Art gerne vergessen ließ, dass er schon ein sehr altes Tier war, war er nun mal genau das.

Wir nehmen keine neuen Tiere mehr auf und züchten nicht, also wird das nun so weitergehen. Es ist erst wenige Wochen her, dass das Klößchen gegangen ist. Ich bin nicht bereit dafür, wirklich nicht. Es sind so viele unserer Kaninchen gerade am oberen Ende ihrer Lebenserwartung und ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.

Die Babykekse und die Kleinen haben immer geholfen, dass man die Hoffnung nicht verliert und nach vorne sieht, weil das Leben weitergeht, aber ein sich stetig leerender Stall bringt mich an meine Grenzen.

Meine Herztiere sind fast alle gegangen. Ich bin müde.

Machs gut, Miro. Du warst ein Ausnahmecharakter.

Fledertiere

Die Nachbarin hat mich auf unsere Fledermausschwärme angesprochen, die bei uns in der Hausfassade leben und die ja wegen der Tollwut(!) eine gigantische(!) Gefahr(!) für Menschen sind, stand in der Zeitung!

Ich hab dann gesagt, ich lass die beim Tierarzt alle impfen, sie nickte erleichtert und vermutlich komme ich jetzt in die Hölle.

Karl

Alle paar Wochen bringt der dicke Katzer mir Karl, die Spitzmaus vorbei und spuckt mir das laut schimpfende Tier entnervt vor die Füße.

Dann erneuere ich den Eddingstreifen auf Karls Po und setze ihn wieder in den Garten.

Das machen wir nun schon seit fast zwei Jahren.

Totengräber. Eine Liebeserklärung an den Tod.

Ich habe in meinem Leben schon so viele Tiergräber ausgehoben.

So unendlich viele.

Ich habe beim Schaufeln versucht, die Tiere zu zählen, die mich in meinem Leben bis zu ihrem Tod begleitet haben. Es sind weit über 50 Namen geworden und einige mehr fallen mir immer noch ein.

Als ich klein war, bin ich den letzten Gang mit ihnen immer alleine gegangen.

Ich erinnere mich an die schrecklichste Nacht, als ich abends – mit Gipsschienen seit Wochen an beiden Armen – entdeckte, dass mein Kaninchen tot war.

Es fror seit Tagen, der Boden war steinhart.

Meine Eltern boten mir als Alternative wie immer den Müll an.

Ich trug dieses steife Tier im Arm, konnte es nicht richtig greifen, nicht halten, nicht mehr kuscheln, weil der Gips jede Umarmung unmöglich machte.

Es war dunkel. Ich holte mir den Spaten, konnte ihn nicht umfassen, weinte, allein in der Dunkelheit und Kälte. Mit der Spitzhacke habe ich unbeholfen ein wenig Erde abhacken können, nicht genug für ein Grab. Ich setzte mich irgendwann mit meinem toten Tier verzweifelt auf den Boden und heulte. Ich konnte nicht mehr. Und ich konnte dieses Tier nicht einfach wegwerfen.

Durch das gigantische Panoramafenster konnte ich meine Eltern im Wohnzimmer vor dem Fernseher sitzen sehen. Unbekümmert. Lachend.

Bei allem, was ich bis dorthin bereits erlebt hatte, hatte ich mich noch nie so allein gefühlt.

Irgendwann kam die Wut. Heiß. Lodernd. Alles verzehrend. Ich schlug mir die Gipsschienen an den Steinen auf und riss sie mir von den schwachen Handgelenken. Alles in mir brannte vor Hass. Ich griff zum Werkzeug und arbeitete mich Zentimeter für Zentimeter durch den gefrorenen Boden. Ich spürte weder Schmerz noch Tränen noch Kälte. Nichts mehr. Das Verlangen nach einem würdevollen Abschied, nach einem Grab, nach dem letzten Gang gemeinsam mit meinem Tier war so stark, dass ich mich völlig verausgabte.

Irgendwann kauerte ich mich mit ihr auf den Boden und wiegte uns summend hin und her, bevor ich sie in ihre letzte Ruhestätte bettete.

Was ich mir in diesen Stunden schwor, brannte lange in mir.

Die Zeit hat das flammende Inferno aus Hass in ein helles Leuchten verwandelt, wie ich dem Tod begegnen will.

Nicht in Kälte, nicht in Dunkelheit, nicht allein.

Ich denke an meinen Großvater, zu dem ich mich in den Sarg gekuschelt habe, während mein Sohn fröhlich Gummibärchen mampfte. Die Küsse, die ich auf seiner Stirn verteilt habe, so wie er das in meiner Kindheit bei mir getan hatte. An seine Beerdigung, auf der ich seine Urne getragen habe. An meine drei ganz in weiß gekleideten Kinder, die im Sonnenschein über die Friedhofswiese getanzt sind.

Ich denke an meine Großmutter, die wir hier nach Hause geholt haben. An den sonnig-windigen Augusttag, als sie das letzte mal ausatmete, während ich ihre Hand hielt. Als mein Kind sagte, wir müssen die Fenster weit aufmachen, damit ihre Seele fliegen kann. Als wir sie als Familie alle gemeinsam gewaschen und angezogen haben, damit sie vom Bestatter abgeholt werden kann. An das Lachen, an das Winken hinter dem Leichenwagen her, an das Lebewohl.

Ich denke an meinen ersten Hund, den wir im Sterbeprozess jeden Tag auf eine Wiese getragen haben, wo wir einfach nur saßen und warteten, dass er bereit war zu gehen. An den Tag, an dem der Mann ihn auf seine Arme nahm und er ein allerletztes Mal seine Nase hoch in den Wind reckte, als wolle er den ganzen Himmel einatmen, bevor er dann im Arm des Mannes gestorben ist.

Ich denke an meine Tochter, die die Ärzte im Krankenhaus „entsorgen“ wollten. Wie ich mich zum Mann umwandte und mit fester Stimme sagte: „Wir gehen jetzt.“ Wie ich einen Tag später, mit Nachwehen und gerade von einem toten Kind entbunden, mit einem Säugling vor der Brust und dem Mann an der Hand zu unserem Fluss ging, zu unserer Insel, und unser Baby mit Blumen und einem letzten Schlaflied der Erde zurückgegeben habe.

Ich denke an unzählige Tiergräber, vor denen wir mit unseren Kindern standen. An Blumen, an Sonnenschein, an Tränen und Lachen, an Kuscheln mit toten Tieren und Umarmungen, die so weh und so gut tun.

An Grabsteine, selbst beschriftet und bemalt, an Kerzen, an selbstgebastelte Holzkreuze.

Morgen gehen wir diesen Weg wieder. Ich begleite den dicken Hasenbären auf dem letzten Weg, er darf auf meinem Arm in einer Decke einschlafen und dann nehme ich ihn wieder mit nach Hause. Das Grab haben wir heute alle gemeinsam ausgehoben, wir haben uns drumherum gesetzt, erzählt, gelacht, gegessen, die Sonne genossen. Morgen werden wir ihn auf Blumen betten und gemeinsam von ihm Abschied nehmen.

Und wir werden weinen. Gemeinsam.

Nachwuchs

Es ist manchmal schwer zu erklären, warum man gegen Kaninchenzucht ist, aber trotzdem Nachwuchs bekommt.

Mein Anspruch in der Kaninchenhaltung ist es, eine funktionierende Großgruppe zu erhalten, die aufgrund ihrer guten Sozialisierung auch Sonderlinge mitträgt.

Wir übernehmen immer wieder Tiere von anderen Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr kümmern können oder wollen und oft stammen diese Tiere aus Zoohandlungen, sind zu früh von der Mutter getrennt worden oder haben aufgrund von Einzelhaltung schwere Verhaltensstörungen entwickelt, die es kaum noch möglich machen, sie in eine Gruppe zu integrieren. Eine Vergesellschaftung ist für alle beteiligten Tiere großer Stress. Wenn ein Sonderling in die Gruppe kommt, der einfachste soziale Verhaltensweisen wie Unterwerfung nicht kennt, kann das bei diesen Tieren schnell in ein Blutbad ausarten. Ich muss mir also sehr genau überlegen, wen meine Gruppe mittragen kann.

Das geht auch schon mal schief, natürlich. Wir hatten lange einen kleinen Kastraten dabei, der sich an keine Verhaltensregeln hielt. Immer wieder schlafende Kaninchen biss, sich erst unterwarf und dann fast gleichzeitig angriff, der Beschwichtigungsgesten ignorierte.

Das artet in Stress für alle aus.

Schweren Herzens habe ich dieses Tier wieder aus der Gruppe genommen und zu einem unkastrierten Männchen gesetzt, das wir zeitgleich von jemandem übernommen haben.

Und plötzlich funktionierte die Gruppe wieder einwandfrei. Die Harmonie war wiederhergestellt, die Tiere kamen abends wieder gerne in den Stall, weil sie keine Angst mehr haben mussten, dass der fiese Kleine wieder schlafende Kaninchen beißt. Wir können also auch unter besten Voraussetzungen nicht alle Verhaltensstörungen abfangen. Das entsprechende Tier sitzt nun in einer harmonischen Zweier-WG mit diesem anderen Männchen und hat seine Marotten abgelegt. Vielleicht können wir in der Zukunft noch einmal über einen Versuch in der Großgruppe nachdenken.

In einem weiteren Stall sitzt ein Angorahase, den wir im Sommer übernommen haben. Einzelhaltung, schlechter Zustand, keine Sozialisation. Er ist nun kastriert und soweit hochgepäppelt, dass wir die Zusammenführung mit der Gruppe planen können.

Der Großteil dieser Gruppe muss allerdings zwingend aus vernünftig sozialisierten Kaninchen bestehen, die es verkraften, wenn einer die Regeln eben nicht kennt, sich aber bemüht. Ich brauche verständige Tiere, die mit Geduld und Langmut ertragen können, wenn ein paar Andere aus der Reihe tanzen. Eine solche Gruppe kann nicht jedes Jahr neu zusammengewürfelt werden, sondern muss wachsen. Wenn eine Generation so alt ist, dass die verbleibende Zeit absehbar ist, dann muss das Fortbestehen mit sozial stabilen Tieren trotzdem gesichert sein.

Aus diesem Grund gibt es hier seltene Nachzuchten.

In diesem Fall ist die Mutter ein Tier, das bereits in unserem Stall geboren und in einer funktionierenden Großgruppe sozialisiert wurde, eine zweijährige selbstbewusste Kaninchendame mit Neugierde, vielen diplomatischen Fähigkeiten und guten Genen – der Vater ein geduldiger und etwas dusseliger Rammler, der das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Die beiden Milchkekse, die gestern Nacht geboren wurden, dürfen bei uns aufwachsen und tragen dazu bei, dass die Gruppe tragfähig und belastbar bleibt.

Und ich freue mich unendlich, gleich zwei so wunderbare Babys mit derart guten Erbanlagen vom Leben geschenkt bekommen zu haben.

Émile

Wir haben unerwartet ein neues tierisches Familienmitglied bekommen – einen Angorahasen namens Émile.

Ursprünglich war er nur in Urlaubsbetreuung hier, wohnt nun aber dauerhaft bei uns. Émile bringt als Angoratier ein paar neue Features mit, die ich bislang nicht kenne. Wir haben mit der Tierärztin erst einmal diskutiert, ob eine Freilandhaltung mit diesem Fell und ohne wärmende Unterwolle überhaupt das Richtige sein kann, aber die Voraussetzungen sind hier alle so, dass wir ihn wohl auch gut über den Winter bekommen.

Das Fell ist leider so ein Thema für sich. Émile kam hier völlig verfilzt mit Entzündungen unter der Filzmatte und unterernährt an.

Nach fünf Wochen Päppeln haben wir eine kleine Schicht über die Knochen bekommen und gestern wurde er dann ganz nackig gemacht.

Die größten Klumpen an Po und Rücken hatte ich in stundenlanger Feinarbeit schon vorher entfernt, aber gerade an Bauch, in den Beugen und an den Geschlechtsteilen brauchten wir eine leichte Narkose, um ihn zu befreien. Ab jetzt ist dann regelmäßiges Kämmen angesagt. Er muss noch geimpft und kastriert werden und dann stehen wir vor der Entscheidung, mit wem er vergesellschaftet wird.

Er ist ein sehr schlecht sozialisiertes Tier, schon eineinhalb Jahre alt und ich bin mir nicht sicher, ob er in der Großgruppe bestehen kann, die von drei sehr dominanten und sehr schweren Häsinnen geführt wird. Jede von ihnen bringt in etwa das Sechsfache seines Gewichts auf die Waage.

Einem ernsthaften Kampf – weil er sich zum Beispiel nicht eindeutig unterordnet oder missverständliche Signale sendet – wird er nicht gewachsen sein. Ich bin ganz froh, dass er nach der Kastration noch 8 Wochen alleine leben muss, in denen ich ihn weiter beobachten und er zu Kräften kommen kann.

Sein Verhalten hat sich mit jedem Gramm Gewichtszunahme deutlich verändert und er ist inzwischen ein fröhliches Kerlchen, das sich sehr bemüht. Jedes Imponiergehabe ist ihm fremd. Er bedankt sich für alles mit „Fell“pflege und sein Beißen ist eher ein sachtes Zwicken mit den Zähnen.

An sich gute Eigenschaften, um sich in eine bestehende Gruppe einzufügen.

Vielleicht wird das was.

Gute Reise

Heute hat uns ein ganz wundervolles Tier verlassen.

Unsere Ausbrecherkönigin, unsere Abenteurerin. „The Explorer“ hat der Mann sie immer genannt und es hätte wohl keinen besseren Namen für sie geben können. Als die Kinder ihre ersten „eigenen“ Tiere bekommen haben, war sie ganz vorne mit dabei.

Das große Tochterkind suchte sie aus und sie und ihre beiden Kaninchenschwestern zogen bei uns ein.

Jahre später war sie die tollste Mutter für den allerschönsten Babykeks auf diesem Planeten. Und es ist schön, dass ein Teil von ihr mit ihrer Tochter hierbleibt.

Als ich sie heute Morgen im Stall gefunden habe, schon steif und kalt, aber noch bekuschelt von ihrer Gruppe, da suchte ich nach Krankheitsanzeichen, aber da war nichts. Alles sauber, alles entspannt. Sie muss im Schlaf gestorben sein und vielleicht war es in ihrem Alter einfach an der Zeit. Wer weiß das schon…

Ich bin traurig. Aber versöhnt mit ihrem Leben hier bei uns. Es war rund und gut, wie es war.

Und so saß heute Mittag die Kriegerprinzessin mit wütenden Tränen und einem toten Tier im Arm neben mir in der Küche und vergrub ihr Gesicht in dem weichen duftenden Fell, während ich Suppe für uns kochte.

Leben und Tod sind manchmal so eng beieinander, dass es mich fast körperlich schmerzt, diesen nur scheinbaren Widerspruch auszuhalten und zu ertragen.

Die Unfähigkeit, das Leben festzuhalten, macht mich auch heute noch hilflos.

Aber nicht mehr so hoffnungslos wie noch vor Jahren.

Adventskalendertürchen Nr. 20

Nr. 20 – Katzentiere

Ich bin längst nicht mehr der gleiche fanatische Katzenmensch, der ich vor 20 Jahren war, aber sie sind nach wie vor ein sehr schöner Teil meines Lebens.

Das große Tochterkind ließ ihre Tiere zurück, unter anderem den dicken MaineCoon Kater, den wir ihr Anfang 2013 geschenkt haben. Ich habe mich oft schwer mit ihm getan in diesem Jahr. Es war ihr Kater und hat mich lange durch seine bloße Anwesenheit an ihren Weggang erinnert. 

Aber die Kriegerprinzessin hat mit viel Einsatz und Herz ihren Platz in seinem Leben erobert. Er schlief schon länger bei ihr, sie baute ihr Zimmer katzengerecht um, ist lange Wochen immer mit einem Leckerli in der Tasche herumgelaufen und ist nun auch ganz offiziell „sein Mensch“. Balsam auf unser aller Seelen.

Im Schlafzimmer wohnt nach wie vor unsere alte Katzendame.

Mit 16 Jahren, zahnlos und immer noch sehr wütend, macht sie tagsüber nicht mehr allzuviel.

Unser Schlafzimmer ist hier Hauptwohnort, ins Erdgeschoss geht sie wegen der Hunde überhaupt nicht mehr, aber durch die Ruhe in diesem Jahr hat sie wieder angefangen, sich durch die Mitteletage zu bewegen. Fledermäuse holt sie nach wie vor souverän aus der Luft, wenn die sich aus unseren Mauern mal wieder ins Schlafzimmer verirrt haben.

Nachts ist sie unterwegs und macht die Kinderzimmer unsicher – den dicken Kater hasst sie immer noch wie die Pest, aber das geht ihr mit allen anderen Lebewesen so und außerdem ist er nachts ja weitestgehend draußen, sich mit seinen Kumpels treffen. 

Sie ist wohl das mürrischste Haustier, das ich je kennengelernt habe, aber vielleicht bin ich gerade deswegen so dankbar für sie.

Sie ist eine echte Charakterkatze und ich bin froh, dass es ihr immer noch so gut geht.

Adventskalendertürchen Nr. 14

Nr. 14 – Raketenhühnchen

Alles fing vor einigen Jahren damit an, dass die Kriegerprinzessin einen Artikel gelesen hat, wie unwürdig Legehennen gehalten werden und sie mich darum bat, keine Eier mehr zu kaufen. Das gestaltete sich als etwas schwierig, also musste logischerweise ein Huhn her.

Da ich nun Hühner so überhaupt nicht mag (Vorurteile, alles Vorurteile, aber eben meine), sind wir irgendwann auf Wachteln gestoßen. Ein Brutgerät und einige Bruteier später sind wir dann in die Welt der Geflügelbesitzer eingetaucht. Was war das für ein Fest, als wir 6 Wochen später unser allererstes Ei hatten! Niemand hätte stolzer auf die Raketenhühnchen sein können als wir!

Viele Eier und Jahre später gehören die Raketenhühnchen fest in meinen Alltag. Leider haben sie im Winter eine etwas längere Legepause, aber auch darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht, die den Mann vermutlich zu dem ein oder anderen Augenrollen verleiten werden.

Wir haben nach diversen Provisorien und Unfällen („Familie Jadekompendium, könnten Sie mal rüberkommen? Wir haben da eine Ziertaube im Garten!“) eine gute und stabile Voliere gebaut, die weder Räuber hinein- noch Raketenhühnen hinauslässt. Sie tragen ihren Namen schließlich nicht zu Unrecht, denn bei jedem Schreck können diese Viecher bis zu 4 Meter in die Höhe schießen und dann wegfliegen. Weit. Wir haben das gelernt… Meine geliebte Bernadette ist Anfang des Jahres von einem Räuber getötet worden und das hängt mir noch sehr nach.

Die neue Brut hat keine derartigen Charakterköpfe hervorgebracht, aber ich bin dankbar, überhaupt kleine Raketenhühnchen in meinem Leben zu haben.

Adventskalendertürchen Nr. 10

Nr. 10 – Kaninchen

Meine Herzenstiere – meine wunderbaren hoppelnden Flauschbälle.

Die Liebe zu Kaninchen ist so alt wie ich selbst. Mein Großvater züchtete Deutsche Riesen und diese Tiere gehören untrennbar zu meinen frühesten schönen Kindheitserinnerungen. Der Geruch, der mir in die Nase steigt, wenn ich den Stall betrete, lässt meinen Herzschlag sinken, mich entspannen und lächeln und plötzlich ist alles nicht mehr ganz so schlimm. Wenn dann noch fast ein Dutzend Tiere auf mich zugerannt kommen, die mich anstupsen, mich ablecken, um Leckerlis betteln oder mit mir spielen wollen – dann bin ich ganz allumfassend glücklich.

Das ist nicht mit den Hunden zu vergleichen, die eher meine Gefährten im Alltag sind.

Die Kaninchen sind wie eine flauschige duftende Wolke aus purer Glückseligkeit.

Und so schaffe ich mir über Tag immer wieder Momente, in denen ich einfach im Stall sitzen kann oder mich zu ihnen in den Garten setze und genieße.

Wir haben dieses Jahr vier weitere Tiere aufgenommen, deren Besitzer sie aus verschiedenen Gründen nicht mehr halten konnten oder wollten.

Ein Kaninchen ist dieses Jahr verstorben und so sind es momentan 11 Tiere.

Im Mai haben wir eine sehr aufregende Großgruppen-Vergesellschaftung erleben dürfen, die zum Glück deutlich weniger stressig für die Tiere verlief als befürchtet.

Wir haben eine funktionierende Gruppe aus gut zueinander passenden Charakteren.

Der kleinste Zwerg hat genauso seinen Platz gefunden wie der behinderte Onkel Hasi, der körperlich deutlich eingeschränkt ist. Die Mädchen haben die Jungs fest im Griff. Das schwarze Klößchen hat seine Aggression in den Griff bekommen und ist trotz schlechter Haltung inzwischen eine Seele von Hase; der große Goethe mit seinen 8 Kilo nimmt Rücksicht auf die Kleineren und Schwächeren.

Einer meiner liebsten Wege jeden Morgen ist der Gang in den Stall, um die Kaninchen in den Garten zu lassen.

Wenn eine Meute aus weichem Fell und vorwitzigen Nasen und wippenden Riesenlöffeln darauf wartet, endlich wieder rauszustürmen.

Das ist nicht nur Dankbarkeit, das ist Liebe.