Kommunikationsprobleme

Das kleine Flusentier ohne Namen hat da irgendetwas grundlegend missverstanden.

Und so saust er in einem Affenzahn den Flur hoch und runter, springt in die Zimmer mit einer Art Kamikaze-Hechtsprung, tänzelt mit viel zu großem Kopf und viel zu langen Beinen tollpatschig quer über den Teppich auf unsere große und sehr (!) mürrische Katze zu, die zwar bräsig unter dem Tisch liegt, aber nichtsdestotrotz mit Riesenbürste auf dem Rücken laut knurrt und faucht, rennt beim wenig eleganten Rückzüg auch gerne mal gegen die ein oder andere Wand, schüttelt das kleine Schnäuzchen und fiept dann hilflos nach dem Tochterkind.

Soweit klappt das schon ganz gut.

Nur leider ist er der irrigen Meinung, die große böse Katze ist zu seiner freien Verfügung da und vor allem willig, ihn kennenzulernen.

Dem ist nicht so. Überhaupt nicht.

[Der Flerken sitzt gerade vor mir auf meinem Schreibtisch und erklärt mir sehr empört maunzend, dass wir dort im Flur hüpfendes Ungeziefer haben, das ich doch bitte danke wegmachen soll]

Ein Gefährte

Babys noch, alle beide.

Leise Worte, zärtlich geflüstert. Ich pass jetzt auf dich auf. Du bist in Sicherheit.

Schwer zu sagen, wer von beiden mehr Angst hat.
Staunen. Schweigen. Danken.

Tierzüchter

Normalerweise stammen meine Tiere aus Tierheimen(4), aus beschlagnahmten Beständen(2), aus „auf-Wunsch-Einschläferungsware“ von Tierärzten (5), aus Versuchslaboren (1) oder von anderen Menschen, die das erwachsene Tier aus irgendeinem Grund abgeben müssen (3).

Den großen Hund habe ich damals von einem Züchter gekauft. Wesen, HD-Kontrolle, etc. Hatte seine Gründe und seinen Preis. Was ich auf der Suche nach einer Zucht gelernt habe: Züchter haben einen an der Klatsche. Alle. Ausnahmslos. Und als ich mir nach zwei Monaten Wartezeit sechs Tage nach der Geburt meinen Welpen ausgesucht hatte und von den Züchtern gezwungen wurde, mir ein zweistündiges (!) Geburtsvideo in schlechter Qualität bei schummrigem Licht anzusehen, bei dem die Züchterin und ihr Mann alle Hunde (5) auf dem Sofa hatten und vor Rührung hemmungslos in deren Fell schluchzten, schwor ich mir, dass ich bitte danke nie wieder bei einem Züchter ein Tier erwerben würde. Die Auflage für den Hund war, dass ich jeden Samstag eine Stunde mit ihm verbringen musste. Ab der ersten Woche. Ich fuhr dafür 180km. Einfache Strecke.

Ich habe persönliche Fragen und Erziehungsvorstellungen über mich ergehen lassen, musste Ansichten über Hunde diskutieren und meine Wohnverhältnisse offenlegen. Nach 12 Wochen habe ich 2500 DM dort gelassen und hatte endlich mein ersehntes Hundebaby. Mein erster Hund, mein einziger. Und ich dachte: jetzt ist alles super. War aber nicht. Die Züchter riefen täglich an, wie es dem kleinen Hascherl jetzt gehen würde. Und brachten ihre Empörung zum Ausdruck, warum ich ihn nicht mit seinem wahren Namen rufen würde. Schließlich könne man einen Arathor, Hammer des Herrn, Herrscher der vier Winde vom Felsenmeer aus dem Zwinger von Haludral nicht einfach „Barney“ rufen.

Hab ich trotzdem gemacht. Zwei Wochen später standen sie vor meiner Tür. Hausbesuch. Wie es dem Baby denn gehen würde. Das Baby kotzte erst mal vor ihre Füße, weil es leider schon wusste, wie man aus dem Katzenklo frisst und ich konnte sie nur mit Müh und Not davon abhalten, ihn sofort in eine Tierklinik zu bringen.

Warum ich diesen Weg für den Tochterkater nun noch mal gehen werde, hat Gründe, die mir allesamt nicht behagen, aber sinnvoll sind.

Spaß geht anders.

Mit Liebe und Todesverachtung

Unsere Katze ist .. speziell.

Blutrünstig, tollwütig, bissig, kratzend, fauchend.

Sie ist mit Abstand das Tier, dem ich meine meisten Wunden zu verdanken habe und ich hatte viele – auch sehr bissige – Tiere.

Nachdem ich das Tochterkind heute Morgen aus der Schule abgeholt habe, weil es doch noch nicht so gesund war, wie es das seit gestern behauptet hat, legte es sich mit Decke und Kissen aufs Sofa.

Der Flerken, der sonst am Tag höchstens mal seinen Platz verlässt, um zu seiner persönlichen Belustigung ein Mitglied dieser Familie zu schikanieren oder im Vorüberschlendern allen mal einen Pfotenhieb mitzugeben, braucht keine halbe Minute um laut schnurrend auf das Tochterkind zu springen und sich als Wärmflasche auf ihr niederzulassen.

Selbstredend wird jedes Annähern an das kranke Kind mit zurückgelegten Ohren und/oder Fauchen und Schlagen quittiert.

Sie ist schon ein Herzchen.

[und hat unser Herz…. ♥]

Katzenerziehung

Letzte Woche hat der Flerken tatsächlich das erste Mal durchgegriffen.

Da, wo wir bereits durchtrennte Hautschichten vorweisen können, wenn wir uns in Frieden und langsam und vorsichtig nähern, um die Katze zu streicheln, ihr Futter, Wasser oder Opfergaben darzubieten, kann der kleine Tuk ja durchaus laut brüllend auf das Tier zukrabbeln, es am Schwanz ziehen, draufpatschen, ähnliches.

Welpenschutz greift eben auch im Tierreich. Ähnliches habe ich auch bei unserem Hund beobachtet, wenngleich der uns gegenüber nicht zum Berserker wurde, um beim Baby dann das Lamm zu geben, wie es die Katze nun tut. Aber das Baby wird größer und schneller. Und wie aus dem Bilderbuch trug sich die Begegnung letzte Woche zu.

Baby krabbelt auf Katze zu, Katze bleibt sitzen und wartet. Dann streckt der kleine Tuk seine Finger Richtung Fell aus und bekommt nach einem kurzen Moment derart eins auf die Finger gehauen, dass man jeden Aufprall Katzenpfote-Kinderhand deutlich hörte.

Ohne Krallen.
Nur mit dem Pfotenballen.
Ich war schwer begeistert.
Der kleine Mann dagegen kuckte etwas ent-geistert, versuchte es erneut.

Wieder drei Schläge auf die Hand. Ein drittes Mal ebenfalls, wobei die Katze bei diesem Mal wegging und im Gehen noch mit der anderen Pfote zur Bekräftigung ein viertes Mal zuschlug.

Alles ohne Krallen – wir bluten bei solchen Versuchen bereits aus mehreren großen Wunden…
Baby schaute sehr verdutzt, setzte sich erstmal auf den Hosenboden und man sah förmlich, wie es im Gehirn zu arbeiten begann.

Ich liebe dieses Tier.

Katzen

Seit der orangefarbene Flusenperser verschwunden ist, ists einfach geworden hier. Einfach und einsam.

Ich muss nicht mehr täglich saugen, durch seine Angewohnheit, alle Räume abwechselnd als Katzenklo zu benutzen (mit 14 Jahren wird man exzentrisch), kam ich nicht aus dem Saubermachen und Wäsche waschen (und herzhaft fluchen) raus – auch das fällt nun weg.
Die große adoptierte Kampfkatze läuft dafür maunzend und kläglich miauend durch die Wohnung und ich merke, dass an einem Tag, an dem wir viel weg sind und erst abends wieder richtig ankommen, das Katzentier sehr einsam ist.
Auch die Kinder knabbern alle sehr daran, dass der Orangfarbene verschwand. Alles Mist.

Er fehlt als Kampfgefährte, als Kuscheltier und sogar auf eine ganz verquere Art und Weise als Aufreger am Morgen, wenn ich von der Kinderrunde nach Hause kam und laut schimpfend erst mal auf allen Vieren Böden wischen musste. Er hinterlässt eine Lücke. Eine große Lücke.
Eine zweite Katze ist keine Option. Nicht mit der Allergie des Mannes und mit der Unberechenbarkeit kätzischer Charaktere. Der Hund ist auch schon zwei Jahre tot, eine Katze bleibt nun noch.

Es wird tierleer hier, ein Leben, das ich so nie haben wollte.

KATZEN!!!

Ich habe ganz entzückende wunderbare Katzen, seit nunmehr 12 Jahren.

Ich möchte in Ruhe duschen, ohne von Mister Orange mit Fell – ich-muss-immer-dann-auf-Klo-wenn-du-duschen-gehst gestört zu werden.

Und täusche also vor, nicht duschen gehen zu wollen, warte seine Morgentoilette ab und mache die Tür zu. Für genau 10 Minuten.

Vor der Tür stehen drei Wäschekörbe mit frischgewaschener Wäsche, die ich eben zusammenlegen wollte.

WAS passiert??

Genau, Mister orangefarbener fetter Halbperser macht in ALLE drei Wäschekörbe. 

ICH MÜSSTE ES DOCH NACH SO VIELEN JAHREN BESSER WISSEN!!!

HARGH!!! Katzen.

Ich.bin.so.doof.