Spätzchen, die zweite

Der Spatz, den die Kriegerprinzessin vor einiger Zeit mit aus der Schule gebracht hat, hatte sich innerhalb zweier Tage wieder so berappelt, dass er nicht mehr umfiel, in unserem Haus umherflatterte und endlich lautstark nach seiner Mutter rief.

Also haben wir ihn dorthin gebracht, wo sie ihn gefunden hatte und innerhalb von Sekunden holte ihn seine Mutter ab und sie flogen gemeinsam auf den nächsten Ast.

Das ist ein Glücksgefühl, das für mich kaum zu toppen ist. Wann immer die Kriegerprinzessin nun während der Pausenzeiten die Spatzen sieht, die um ihre Schule herum leben, muss sie an ihren Felix denken, sagt sie. Und ist froh, dass er seine Mama wiederhat.

So darf das sein.

Spätzchen

Die Kriegerprinzessin kam heute ziemlich aufgelöst aus der Schule.

In der Hand hielt sie ein Bündel Tier.

Ich dachte zuerst wieder an einen Frosch, eine tote Ratte, eine Maus, was auch immer dieses Kind normalerweise mit nach Hause bringt, aber es war ein Vogel. Da sie genau weiß, wie fatal es ist, vermeintlich unbeaufsichtige Jungvögel mitzunehmen, war ich auf die Geschichte gespannt.

Der kleine Kerl ist vermutlich aus dem Nest geplumpst und hat sich dann in einem Drahtgitter verfangen. Dort hing er fest und lag entkräftet in der Sonne. Die Kriegerprinzessin befreite ihn vorsichtig und überprüfte dann, ob er schon fliegen kann. Konnte er nicht. Außerdem kippte er immer wieder um. In einem Stadtviertel, das vor streunenden Katzen nur so wimmelt, auch eher schlecht. So hat sie sich dann entschieden, ihn mitzunehmen.

Also wohnt hier jetzt ein kleiner Spatz, der alle halbe Stunde von seiner neuen Ziehmami gefüttert wird und inzwischen schon wieder ganz wach seine Umgebung beobachtet.

[und auf den ichmorgen während der Schulzeit natürlich aufpassen muss…]

Von Kindheitsträumen

Mein geliebter Großvater hat – seit ich denken kann – Kaninchen gezüchtet.

Nicht diese winzigen Viecher mit Schlappohren, sondern Deutsche Riesen zur Fleischgewinnung. Und jeder der seltenen und wunderbaren Besuche bei meinen Großeltern war geprägt von der Versorgung seiner zeitweise über 100 Tiere.

Der Gang am frühen Morgen zu den Ställen, seine beruhigenden Lockrufe, wenn er nach den Jungen sehen wollte und eine garstige Mutter ihm den Weg versperrte, seine Erzählungen, was die Tiere für Eigenheiten haben – das war meine Welt, da war ich glücklich, da war ich zuhause. Seit ich 10 bin, halte ich selber diese Tiere.

Und ich liebte und liebe jedes Einzelne davon. Große Kaninchen sind für mich Seelenbalsam. Inzwischen in ein großer Traum in Erfüllung gegangen, seit wir das Gesindehaus komplett zum Stall umgebaut haben und eine Kaninchengruppe dort lebt. Wenn ich früh morgens diese Tür öffne und unsere Kaninchen in den Garten hoppeln und ich von ihnen neugierig begleitet werde.

Das ist das Allerschönste, das ich mir für meinen Garten vorstellen kann.

Mehr Eier

Die neuen Küken sind am Wochenende geschlüpft und auch diesmal haben wir Einige verloren. Diesmal spielte der Kater dabei leider eine entscheidende Rolle.

Die übrigen 14 Stück sind mobil, laut und hüpfen freudig in der Gegend herum. Zwei Sorgenküken sind noch dabei, die nächsten Tage werden zeigen, ob sie sich durchkämpfen. Natürlich hoffen wir auf möglichst viele weibliche Tiere, denn darum haben wir ja noch einmal gebrütet.
Unsere beiden großen Hähnchen sind mit der aktuellen Anzahl an Damen nicht wirklich ausgelastet und setzen ihnen doch sehr zu, da müssen wir etwas aufstocken.

Außerdem reicht die Eimenge für einen 8-Personen-Haushalt zurzeit noch nicht aus.

Alb. [Erbsenstein]

Die Träume sind wieder da.

Seit einigen Wochen nun schon setzen sie sich dunkel, verstörend und destruktiv in meinen Nächten fest. Nächte, die nicht mehr erholsam sein können. Nächte, die gefürchtet sind, wenn die Stunde naht. Träume, aus denen ich schweißgebadet aufwache, voller Panik, Angst und Hass. Schwärend.

Vor vier Tagen ist nun mein geliebtes Tier gestorben, das mir in den Stunden mit der Nase in seinem steingrauen Fell so viel Frieden schenken konnte, seit unser Leben nicht mehr unseres ist. Immer noch oben drauf, immer noch mehr, immer schwerer, immer tiefer.

Seit vier Tagen brennt die Kerze ununterbrochen.
Trotz Sturm, Regen und Hagel.
Vier Tage, seit wir ihn in sein nasses, dunkles Grab gelegt haben.
Vier Tage schon.
Vier Tage erst.

Ich mag nicht mehr in den Stall zu den anderen Tieren gehen.
Mir fehlt das Grau.

Shady as fuck

Ich kenne wirklich keine hinterhältigere, aggressivere, bösartigere Katze als diese hier.

Und ich liebe sie einfach.

[Auch nach 5 Jahren immer noch ein großes Danke an Nian für ein wunderbares Tier]

Chaotenpack

Ich gebe zu, ich hätte nicht gedacht, dass MaineCoon-Katzen so unfassbar schnell unfassbar so groß werden. Theorie und Praxis sind da zwei Paar Schuhe.

Und er ist noch ein Baby…

Das zarte maunzende flusig behaarte Knochenskelett, das Ostern bei uns eingezogen ist, trampelt inzwischen alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Morgens hat man das Gefühl, es springt ein fellüberzogener Elefant ins Bett, der dringend mal kuscheln muss. Und er ist verdammt verschmust. Da kann es schon mal vorkommen, dass in einem Anfall von Nähebedürfnis das nicht gerade kleine Baby angesprungen, am Pullover gepackt und zu Boden gerissen wird.

„Köpfchen geben“ erinnert mehr an eine Art Nahtodeserfahrung, bei der man außer viel Haaren gar nichts mehr sieht oder fühlt und bei einsetzendem Schnurren kann man sich jeden Massagesessel sparen.

Ich weiß nicht, wie oft ich dem Tochterkind in den vergangenen Wochen angedroht habe, ihren Kater zu braten, denn er ist nicht nur groß, behaart und kräftig, er ist auch ein ziemlicher Tollpatsch. Kombiniert mit einem Eineinhalbjährigen, der ebenfalls nur Mist im Kopf hat, eine tödliche Kombination. Wo das Baby nicht ankommt, springt der Kater hoch und wirft runter und was der Kater nicht öffnen kann, schaffen kleine Patschehände.

Ich pflücke die beiden also aus der Badewanne, aus dem Trockner, aus der Waschmaschine und aus dem Garten. Von Bäumen, aus Sträuchern, aus meinen Küchenschubladen und Schränken, helfe eingeklemmten Babyköpfen, die etwas dicker als Katzenköpfe sind, befreie Katzen aus Vasen, Schachteln und Kinderspielzeug und fluche viel.

Sehr viel.

fusselige Fledermaus

Das fledermausbeohrte Katzenbaby wird langsam von unserer Katze akzeptiert.

Mit mürrischem Fauchen kommentiert sie zwar nach wie vor jede seiner Bewegungen, aber sie steht inzwischen nicht einmal mehr dafür auf. Selbst wenn er unmittelbar neben ihr einen Anfall bekommt. Das ist ein riesengroßer Fortschritt, der früher kommt als ich erwartet habe. Wenn er richtig austickt, verlässt sie sogar ihren Ruheplatz um zu sehen, was das bekloppte kleine Katzenkind nun schon wieder tut. Sie setzt sich dann in einigem Abstand hin und beobachtet, wie er wie von der Tarantel gestochen ein Zimmer auseinandernimmt, seinem Verfolgungswahn nachgibt oder mit völlig abgedrehten Geräuschen über den Teppich robbt.

Die Bindung zum Tochterkind funktioniert hervorragend.

Kommt sie aus der Schule wird aus dem Rabauken plötzlich ein hilflos fiependes kleines Bündel Fell, das dringend auf den Arm genommen werden muss und sich schmusend von Stuhl zu Bank zu Tisch tragen lässt. Während der Hausaufgaben sitzt er entweder stiftefangend zwischen Stiftbehältern und Schulbüchern oder er robbt sich milimeterweise unauffällig immer weiter auf Buch oder Heft, bis er schließlich direkt vor dem Tochterkind auf dem Rücken liegt und wieder hilflos maunzend verkündet, wie klein und vernachlässigt er doch ist.

Beide schlafen Arm in Arm oder er schläft auf dem Kopfkissen meiner Tochter während sie zur Seite rutscht, um „das Baby nicht zu stören“.

Ich merke, wie der Zauber von kleinen Katzen ungebrochen ist, in mir allerdings nicht mehr so viel Sehnsucht auslöst wie früher.

Ich ziehe den Flerken vor, ihre Macken und ihre Abweisungen, ihre Diven- und Launenhaftigkeit. Sie profitiert sehr vom Katzenkind, wird noch einmal zugänglicher – und wenn es nur ist, auf meinem Schreibtisch zu sitzen und mir ihr Leid bezüglich des Flohs zu klagen, der nun gerade auf ihrer Decke liegt.

Ich genieße das sehr.

Das Tochterkind hat auf ihrer Wandlung zum Schmetterling einen wahrhaft guten Gefährten gefunden.

Wenn sie diese Linie um sich zieht, die wir hier nicht übertreten können und dürfen, dann spaziert das fledermausohrige Baby direkt darüber hinweg, maunzt ein bisschen herum, lässt sich auf ihrem Schoß nieder, schnurrt und lässt sich zärtlich in den Schlaf kraulen.

Seelenbalsam.

Zart

Ich könnte jetzt ausführlich viele Seiten von Katzen und Mädchen schreiben. Von Pubertät und Zärtlichkeitsbedürfnis. Von Toxoplasmose und Immunität bei Schwangerschaft. Ich kann von Tieren im Allgemeinen schreiben, von Katzenwelpen im Besonderen, von Eingewöhnung und von Kindern und Haustieren, von Verantwortung und Pflicht, von Fürsorge, aber das trifft es alles nicht.

Und so bleibt es still.

Es ist nur sehr schwer in Worte zu fassen, was hier momentan passiert.

Und wie dankbar – unendlich dankbar – ich bin, daran teilhaben zu dürfen.

Es sind zarte Bande, so dünn, so zerbrechlich…

Und ich darf zusehen.

Mitfühlen.

Anteil nehmen. Schweigen. Staunen. Weinen. Lieben. Loslassen.