Gewissensfrage

„Du, ich überlege, mit Bloggen aufzuhören“, sagte ich vor einiger Zeit dem Mann.

Und er blickte mich mit diesen tiefen graublauen Augen an und im Grunde muss ich nicht erklären. Er weiß schon.

So viel Positives würde ich zurücklassen. Aber eben auch sehr viel Negatives. Emails, die wie eine Faust in den Magen treffen, anklagen, verurteilen, verleumden.

Forenbeiträge, die mich in Frage stellen. Andere Blogs inklusive Seitenhiebe auf dieses Werk hier. Getuschel, hinter den Rängen, wie man es nur in der Schule erwarten würde.

Aber so viele wundervolle Menschen, von denen ich oft nur den Namen kenne, mit dem sie hier kommentieren. Ich habe mit dem Thema Freundschaft abgeschlossen, ich weiß, dass es anderes auf der Welt für mich gibt. Vielleicht ist da noch ein winziges Fenster mit jemandem, der eigentlich so gar nicht zu mir passt, zu dem ich mich aber nach wie vor so unglaublich stark hingezogen fühle. Er hat mir Post gesendet und ich weiß noch nicht, ob ich auch ihn abblocke, um keinen Fehler zu machen.

Vielleicht ist das die letzte Gelegenheit.

Meine Maske ist eine sehr Massive. Um mich und um meine Umwelt zu schützen. Die Disziplin, die so lange Jahre eine Frage des Überlebens war, umgibt mich wie ein Eispanzer.

Dahinter blickt – manchmal – mein Mann. Er hält aus.

Das Rohe, das Hässliche, die weinende und schreiende Fratze – die 1000 Bruchstücke meiner Seele, in die eine Kinderunschuld einst zerbrochen wurde.

Ich habe die wunderbare Nian kennengelernt, ich habe mit der zauberhaften Cecie telefoniert, ich habe Kim umarmt und mich so ein wenig verliebt und ich habe bei allem gemerkt, dass ich nicht in der Lage bin, abzulegen.

Ich bin, was ich bin.

Um am Leben zu bleiben, um meine Aufgabe zu erfüllen.

Ich habe eine sehr hohe Messlatte für mein Verhalten gegenüber meiner Umwelt, meinen Kindern.

Ich habe überlebt, damals, auf eine sehr absurde Weise.

Ich kenne niemanden, der dem standhalten könnte.

Und so bleibt nur die Einsamkeit.

Ich habe vor Monaten eine andere Person gefunden, die gleich ist. Und ich vermute, dass sie inzwischen tot ist – der Zweifel darüber frisst mich fast auf. Endlich ein Gleicher, endlich jemand, der verstehen könnte, der Fragen beantworten könnte…
Und ich laufe wieder ins Leere.

Allein.

Worte treffen tiefer als ein Schwert es jemals könnte.
Sie brennen sich ein.

Und so ist es vielleicht besser, dieses Gesamtwerk hier zu einem Ende zu bringen, bevor es zu etwas verkommt, das ich nie sein wollte.

Vielleicht hat alles seine Zeit.

Vielleicht beginnt etwas Neues, Besseres.

Jetzt.

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