Gleichgültigkeit

Vielleicht ist das Schlimmste an diesem Zustand die alles erträglich machende und gleichzeitig so unerträgliche Gleichgültigkeit. Ich bin heute das erste Mal an unserem persönlichen Einkaufsobdachlosen vorbeigegangen und hatte keine Worte. Nur hässliche, zynische Gedanken, die mir so vertraut sind, weil ich damit aufwuchs und gegen die ich mich Zeit meines Erwachsenenlebens zur Wehr setze. War froh, dass er in die andere Richtung sah und ich mich nicht entscheiden musste…
Heute nur Sprachlosigkeit. Und Zynismus. Kein freundlicher Gruß, kein kleiner Plausch, die Nerven waren dafür nicht da.
Erinnere mich daran, wie ich Bahnhofsklos geschrubbt habe, um finanziell über die Runden zu kommen, irgendwie. Wusste nicht, dass es sowas wie Grundsicherung oder Sozialhilfe überhaupt gibt. Woher auch. Ich dummer gebildeter Mensch, damals. Und ich sehe ihn an und frage mich, wo heute das Mitgefühl hin ist. Eine Mischung aus überheblicher Arroganz und Gleichgültigkeit verurteilt ihn heute für einen Weg, den ich nicht mal ansatzweise nachvollziehen kann.
Höre wie immer Kunden, die sich im Laden beschweren, dass der Bettler doch bitte mal weggescheucht werden soll, wie jedesmal.
Ein flüchtiges Gefühl durchweht mich, ist es Mitgefühl? Mitleid?
Ich frage mich, ob er das wohl haben wollte, oder ob ihm das Geld reicht, das ich ihm normalerweise da lasse.
Ob er in Kauf nimmt, verachtet zu werden, von jenen, die einen halben Meter über ihm ein bisschen Münzgeld in seine Schale fallen lassen.
Sehe vor meinem inneren Auge, wie ich meine Kinder jedes Mal vorher leise dazu anhalte, zu grüßen, das Geld persönlich zu übergeben, weil es ein Geschenk ist, kein Almosen.
Ob ihm das überhaupt auffällt oder wir nur weitere Dumme sind, die sein Leben finanzieren.
In Kauf nehmen… Käuflich sein. Das ist er. Er erniedrigt sich für Geld.

Wie die meisten anderen Menschen auch…

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