Ist das schon alles?

„Ich kann nicht mehr“ hört sich ja immer so pathetisch an. Abgesehen davon, dass es einem eh keiner glaubt. Ist ja auch schlicht zuviel verlangt. Weiter geht es immer, musste jeder schon machen, den anderen geht es eh viel schlimmer und überhaupt und sowieso. Außerdem will man sich wenn, dann überhaupt wichtig machen.
Ich erinnere mich an Szenen vor 5 Jahren, als der Kobold Tag und Nacht schrie. Ununterbrochen.
Ich erinnere mich daran, wie ich tränenüberströmt und zitternd vor ihm stand und darüber nachdachte, ob er wohl aufhört, wenn ich ihn schlage.
Oder schüttle.
Oder fallen lasse.
Oder würge.
Oder ihm einfach ein Kissen aufs Gesicht drücke.

Ich hatte einen Mann, der nicht verstanden hat, dass ich ihm abends einfach so ein schreiendes Kind in den Arm drückte und allein sein wollte. Der noch wütend auf mich war, wenn ich ihn nach 10 Stunden ertragenem Dauergeschrei mit dem Kind allein ließ. Schließlich wars im Büro ja auch anstrengend. Ich hatte Angst, panische, nackte Angst, wenn dieses Kind nach seinen kurzen Schlafphasen wieder wach wurde. Ich hasste ihn, wenn er anfing zu brüllen.

Er war satt, trocken, ich hatte ihn auf dem Arm, hell, dunkel, schaukeln, Schnuller, Brust, Milch aus der Flasche, neue Windel, auf dem Bauch, auf dem Rücken, alles egal. Er schrie.
Er schrie mich um den Verstand.
Allein mein Wille hielt mich davon ab, ihn zu töten.
Nicht mein Instinkt, nicht Liebe, nicht mein Verstand, nicht mein Herz.
Nichts von alledem.
Nur mein Wille.

Das war der Moment, als ich das letzte Mal diesen Satz aus vollem Herzen sagte und jeden Buchstaben daran auch so meinte. Todernst. Im schlimmsten Sinne dieses Wortes.

Ich.kann.nicht.mehr. Im Grunde genommen verblasst alles andere gegen diese verstörende Erfahrung.
Ich hab das überlebt, obwohl mir nicht geholfen wurde.
Obwohl ich um Entlastung gebettelt habe, jeden Tag.

Immer weiter, immer geradeaus.
Schlussendlich ist man immer allein.
Und so ist jede Klage hinfällig.

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