Drei Wochen geht das Mottenkind nun schon ganz alleine in den Kindergarten. Drei Wochen. Ohne Geschrei, ohne Gemecker, natürlich erschöpft mittags, aber ausgeglichen und gut gelaunt. Drei Wochen.
Ich erinnere mich so gut an die Eingewöhnung des Kobolds, die insgesamt mehr als ein Jahr dauerte. Ein Jahr voller Rückschläge und Tränen und Wut und Verzweiflung und Fehler und Panik und Angst und Geschrei.
Am ersten Tag strahlte das Mottenkind, küsste mich, winkte mir und verschwand in der Gruppe.
Am zweiten Tag ebenso.
Mir war klar, dass der Einbruch irgendwann kommen müsste.
Wenn sich die erste Euphorie gelegt hätte.
Der Einbruch kam nicht.
Nicht die erste Woche, nicht die zweite und auch nun am Ende der dritten Woche ist nichts dergleichen in Sicht.
Sie hat sich ihren Platz erobert. Mit wehenden Fahnen und Pauken und Trompeten. So wie sie alles in ihrem Leben angeht. Ganz oder gar nicht.
Und so stehe ich jeden Morgen an der Tür zur Giraffengruppe und sehe stumm meinen beiden Kleinen zu, wie sie in völliger Harmonie neben- aber nicht miteinander in den Gruppenräumen verschwinden. Aushalten. Gehen lassen.
Heute Morgen kam das Mottenkind noch einmal angerannt, als ich schon auf halbem Weg zur Tür war. Ich legte den Kopf schief und sah in ihr strahlendes Gesicht.
„Mausekind?“, fragte ich vorsichtig.
Sie umarmte mich und es ging ein breites Lachen über ihr Gesicht. „Weißt du, Mami? Heute – heute darf ICH im Stuhlkreis mal vorsingen. Alleine! Hat Mareike gerade gesagt!“
Sprachs, stieß sich wieder von mir ab und hüpfte auf den Fußabdrücken, die auf den Boden gemalt sind, zurück in ihre Gruppe.
Ohne sich noch einmal umzusehen. Mein Baby.