Dabei ist alles.

Entschuldigung, tut mir leid, ging nicht anders, ich fühl mich so schrecklich, es tut mir ganz furchtbar leid, entschuldige bitte.

Das Kind macht mich wahnsinnig.

Besonders, sagt der Mann immer. Sensibel, so seine Worte.
Mimöschen. Überempfindlich. Meine.

Es gewinnt keine Sporturkunden, weil es sich doof fühlt, wenn auf der Laufbahn ein anderer noch hinter ihm läuft. Also läuft es langsamer. Springt nur so ein bisschen. Und wartet. Und weil sich auf gar keinen Fall ein anderer doof vorkommen soll, wird auch beim Sportunterricht niemand abgeworfen. Oder gar rausgewählt. Sozial bis es wehtut. Von mir hat sie das nicht. In einer Klassenarbeit mal eine ganze Aufgabe weggelassen, weil die damals beste Freundin immer so litt, wenn sie eine 1 bekam und sie nicht. Die Gardinenpredigt hier zuhause hatte sich gewaschen. Wie kann man seine Fähigkeiten nur so wegwerfen?
Andererseits: Höher, weiter, schneller – das kanns ja nun auch nicht sein. Ihre Messlatte liegt aufgrund ihres Gehirn sowieso extrem hoch. Fördere ich mit meinem Anspruch dieses Verhalten vielleicht sogar? Erste Verweigerung? Wo ist die Mitte?
Ich kann von meinen Kindern Rücksicht fordern, aber Rücksichtslosigkeit? Biss? Wie das, wenn es nicht gegeben ist?

Das kleine Kind wird bei Wettbewerben zum Monster, drängelt, schubst, schreit und brüllt Gegner so lange an, bis sie vorbeigelassen wird oder die anderen sich verängstigt zurückfallen lassen. Auch sicher nicht der Königsweg, aber in Bezug auf die Zukunft habe ich deutlich weniger Bedenken als bei dieser hemmungslosen Opferbereitschaft des großen Kindes. War ich zu hart in der Erziehung? Früher? Habe ich zu viel Sozialverhalten gefordert, als es noch unnatürlich war, etwas anderes als den eigenen Vorteil zu sehen? Kinder sind Produkte ihrer Eltern. Es gibt einiges, das mitgegeben ist aber noch viel mehr, das anerzogen wurde. Und so suche ich nach der Ursache. Was zur Hölle habe ich dem Kind mitgegeben, dass es sich so wenig nach vorne stellt? Oder ist es am Ende nur die Frage, sich selbst annehmen zu können? Muss ich meine Menschenverachtung und Verachtung von Opferverhalten überdenken, um auch das Kind so annehmen zu können wie es ist?

Ich will sichere und willensstarke und egoistische Kinder, die über ein gesundes Sozialverhalten verfügen. Ganz ohne Helfersyndrom und Selbstaufgabe.

Seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst setzt in erster Linie voraus, dass man sich selbst tatsächlich nach vorne stellt, achtet und liebt.
Ohne wenn und aber.

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