Fortschritte

Drei Wochen und es ist mit viel harter Arbeit Besserung in Sicht. Schön ist das alles nicht. Die Verletzung der Symphyse geht langsam ins Erträgliche. Wobei ich das gar nicht so genau sagen kann, weil ich seit 20 Tagen Schmerzmittel schlucke. Massig.

So ne Blitzgeburt ist wirklich verheerend… wenn man nicht gerade darauf steht, dass ein 4 Kilo Baby mit einer einzigen Presswehe von ganz tief im Bauch mit viel Gewalt auf die Welt katapultiert wird. Das ist so eigentlich nicht vorgesehen und ich erkenne, dass es einen Sinn hat, dass Babys langsam zur Welt kommen. Gewebe ist nur begrenzt belastbar und mein Unterleib ist ein einziger Kollateralschaden.

Banale Erkenntnisse wie die Tatsache, dass Schließmuskeln eine tolle Erfindung sind, so lange sie funktionieren, gibt es jeden Tag wieder aufs Eindrucksvollste vorgeführt. Das Leben ist kein Ponyhof.

Mein Körper und ich schachern um jeden Zentimeter. Es geht einen Schritt vor, einen zurück. Mal sind es auch eineinhalb nach vorne, mal dann wieder zwei zurück. Wer gewinnt, kann ich noch nicht absehen.

Wir halten uns gar nicht erst mit Äußerlichkeiten auf, auch wenn ich den Blick in den Spiegel weitestgehend meide. Meine Bauchdecke ist ohnehin mein geringstes Problem, wenn mein Genitalbereich aussieht, als hätte man eine Handgranate in eine Rinderhälfte geworfen. Auf eine surreale Art und Weise … interessant. Wenn es einen nicht gerade selber betrifft.

Als die Hebamme nach der Geburt hektisch in meinen Bauch drückte und mein Mann sich um das Baby kümmern musste, weil sie meine Gebärmutter daran hindern musste, einfach rauszufallen, war es fast schon humoresk, wie sie ihn durch die Schubladen dirigierte und er wie ein Hebammenpraktikant ihre Aufgaben übernahm, während ich dort lag/hockte/wasauchimmer und meine Organe wieder in den Körper gedrückt bekam.

Nicht so lustig war das Erlebnis einige Tage später, als ich ein Kind hochheben wollte und dann keiner da war, der hätte drücken können.

Immerhin, ich weiß inzwischen, wie sich drei Wochen migräneartige Dauerkopfschmerzen anfühlen. Ich bin einfach umgekippt, als ich mir auf einem Bein stehend einen Socken anziehen wollte. Geht nicht mehr. Beckenverletzung. Entzückend. Stabilität war gestern. Man sollte ja eh mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben… Ist auch bodenständiger. (nicht abheben, kein Ponyhof hier…)

Die Milch ist nach einer feinen kleinen Brustentzündung nun weg, der Kreislauf auch. Die Sehstörungen sind inzwischen jenseits von Gut und Böse. Aber hey, ich kann meine Füße wieder sehen, wenn ich dann mal was sehe.

20kg weniger als vor der Schwangerschaft und es wird täglich weniger. Stress ist super, wenn man abnehmen will. Wenn nicht, eher nicht.

Bauchmuskeln sind bis auf einen Fingerbreit wieder zusammen, beim Bauchmuskeltraining mache ich inzwischen erst nach der vierten Wiederholung schlapp. (das lohnt ja das Hinlegen nicht, Mami, sagt der Kobold)

Ironman, ich komme.

Beckenbodentraining läuft wunderbar, wenn man die Schmerzen nicht beachtet. Aber da ich aus anderen Gründen eh tonnenweise Schmerzmittel konsumiere – auf professionellen Rat hin – ist das vermutlich eh nur das gedämpfte Gefühl. Also wann anfangen, wenn nicht jetzt, wo noch so viel betäubt wird. Und den Rest meines Lebens Windeln tragen lehne ich vorerst mal für mich ab.

Oh, letzte Woche Donnerstag hätte ich fast den ersten Tag seit der Geburt nicht geheult. Fast. Aber immerhin. Ich arbeite dran.

„Ist alles vergessen, wenn das Baby dann erst mal da ist.“

Jaja, du mich auch.

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