Masern, vielleicht auch was Anderes

Ich lieb sie.
Diese Eltern mit dem Kind, das nicht geimpft ist.

Ist ja alles so natürlich, Krankheiten durchzumachen. Wie früher.

Ja, Mensch. Wie in der Steinzeit. Da wurde auch nicht geimpft.
Das haben bekanntelich ja auch alle überlebt. Hat der Weltbevölkerung im Großen und Ganzen nicht geschadet.

Im Gegenteil. So natürliche Dezimierung hat ja schon was.

Als Mutter vierer Kinder mit Herzfehlern und als leidvolle Mitführerin von Endokarditis-Prophylaxe-Ausweisen hab ich sie gefressen, die „alles so natürlich“-Fraktion.

Das Kind, das mir letztes Jahr mehrere Bluttests beschert hat, ob ich Ringelröteln und Co hatte, während ich schwanger war und die Eltern im Kindergarten vage Aussagen wie: „Ach, das ist doch ganz natürlich, dass die das durchmachen. Impfungen helfen auch nicht gegen alles. Und zum Arzt, damit der draufschaut, was es nun ist? Ach Unsinn. Das kuriert der nun aus und dann kommt er wieder, wenn wir denken, er hat nix mehr.“ machten,  hat nun Masern.

Masern. Oder Röteln. Oder … Scharlach?
Windpocken eher nicht.
Vielleicht aber auch was ganz Anders.
Ausschlag halt. Und Husten.
Keuchhusten vielleicht.
Aber eher Masern.

Die Eltern weigern sich leider auch, sich mit Krankheitsbildern zu beschäftigen. Weil … ist ja alles so natürlich. Mensch.

Dabei wäre es mir im Grunde völlig egal, woran das Kind leidet, wenn die Eltern damit nicht automatisch eine Entscheidung für mich mitgetroffen hätten. Die Eltern haben es entschieden, das ist nicht meine Baustelle. Ich werd im Ernstfall nicht damit leben müssen.

Und bei Krankheiten, die nur einen einzigen Menschen betreffen, interessiert es mich erst recht nicht, wenngleich man Impfgegnern mit Kind unter anderem mal diesen Artikel um die Ohren hauen sollte. Laut vorlesen. Verstehen, was dort steht. Und DANN noch mal versuchen, ein wirklich griffiges Argument gegen eine Tetanusimpfung zu finden, ohne dass ich laut loslache.

Ich versteh es einfach nicht. Aber eine Entscheidung gegen die Impfung von ansteckenden Krankheiten verstehe ich noch mal weniger.

Ich weiß nicht, mit wem meine Kinder in Kontakt kommen. Sie singen in Altenheimen, gehen auf Feste, sie haben chronisch kranke Freunde mit extrem schwachem Immunsystem, haben Kontakt mit Babys anderer Menschen, die noch nicht geimpft sind… die Liste ist endlos.

Der Egoismus mancher Menschen auch.
Jetzt hoffen, mal wieder.
Hoffen gegen den Narzissmus anderer Leute.

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