Verwundet

Traue mich kaum zu schreiben, weil es eine Grenze, eine andere, eine fremde, verletzen könnte. Mache die ersten zaghaften Schritte nach vorne und hoffe inständig, dass wir den Weg weitergehen können.

Vielleicht sind es gar nicht die großen gewaltigen Dinge und Geschehnisse, die eine Beziehung für immer verändern, die Rollen tauschen, in denen man sich jahrelang so wunderbar eingefunden hat… vielleicht braucht es bloß eine Stunde, eine Welt auf den Kopf zu stellen und sie neu betreten zu müssen, wie man sie zuvor noch nie betreten hat.

Falsche Entscheidungen sind nicht rückgängig zu machen, man muss mit ihnen leben oder sterben. Solange der Tod keine Wahlmöglichkeit darstellt, muss man sich arrangieren.
Schuldgefühle, auf ganzer Linie. Hätte ich doch nur, wäre ich doch nur früher dort gewesen, wäre ich nur dageblieben…

Kenne meine Rolle nicht mehr, meine Aufgabe und merke doch, wie nach nun fast zwei Wochen die Aufmerksamkeit langsam nachlässt und die Müdigkeit kommt. Vertauschte Rollen, so kommt es mir vor und ich fühle mich so falsch..

Die Achtsamkeit fordert meine ganze Konzentration und ich frage mich, wie tief die Wunde ist. Wie stark die Verletzung.
Ob sie die Seele erreicht hat.

Traue mich nicht, in die Vergangenheit zu blicken, weil ich werten würde.
Von mir wird erwartet, diese Dinge einfach auszuhalten. Schmerz, Hilflosigkeit, gehört ja dazu, ist ja natürlich. Ich werde damit allein gelassen bis es nicht mehr anders geht. Für sich selber beansprucht man eine ganz andere Behandlung und bekommt sie natürlich auch, denn ich bin nunmal niemand, der andere Menschen im Stich lässt, wenn es ihnen schlecht geht.

Auch noch auf der Flucht vor mir selber.
Und gleichzeitig Fels in der Brandung.

Hilflos.

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