Ich habe früher ständig (>6 pro Jahr) Mittelohrentzündungen gepaart mit vereiterten Mandeln gehabt und musste das allein und ohne Schmerzmittel aussitzen.
Mehrere Tage und besonders Nächte lang bis mein Körper den Kampf gewonnen hatte. Mein Jammern, Weinen oder Schreien wollte niemand hören und das wurde auch so kommuniziert.
Ich stand oft als Kind nachts um zwei, drei, vier Uhr in der Küche – jedes Schlucken tat mir weh, jede Bewegung schoss direkt ins Innenohr – und habe mir eine warme Milch auf dem Herd gemacht. Oder einen Kakao. Allein, leise, immer darauf bedacht, meine Mutter oder meinen Vater nicht zu wecken.
Diese starken Mittelohrentzündungen gehören zu den schlimmsten Schmerzerinnerungen meiner Kindheit, auch heute sind Ohrenschmerzen noch ganz oben auf meiner „fiese-Schmerzen“-Skala.
Und so leide ich doppelt mit, wenn eines der Kinder nun gerade Ohrenschmerzen hat. Aktuell das Baby, das heute Morgen aushalten musste, bis das Schmerzmittel komplett wirkte. Mich zerreißt es dabei fast.
Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben, Schmerz einfach auszuhalten. Auch und vielleicht gerade bei Anderen.
Einem Kind Halt und Trost zu sein, ohne den Schmerz einfach von ihm nehmen zu können. Ausharren, ohne ungeduldig zu werden. Einfach Ja sagen zur Situation, zum Weinen, zum Schreien, zum Schmerz und mit ihm an der Hand da durch zu gehen, bis es besser wird.
Es wurde, Gott sei Dank.
[beim Schreiben kommen noch die Erinnerungen dazu, wie meine Mutter bei besonders viel Gejammer meinerseits lapidar sagte: na, wenn das SO schlimm ist, dann bringen wir dich zum Arzt und der sticht dir dann mit einer langen Nadel die Trommelfelle durch, dann kannst du eben nicht mehr hören – was ohne weitere Erklärung in meinem Gehirn mehrere Horrorszenarien auslöste, die dazu führten, dass ich unter enormen Schmerzen Besserung simulierte]
[Und selbst mit Kindern inzwischen auch recht objektiv sagen kann, was meine Mutter für ein sadistisches Arschloch ist/war.]