Loch, tief.
Souverän geht anders. Ich merkte schon, wie falsch ich lag, als die Wut sich wie ein hartes Knäuel in meinem Bauch zusammenballte. Und machte trotzdem weiter. Wenn die Mechanismen nicht greifen, merke ich, wie nackt ich bin. Wie schutzlos, wehrlos, schwach, klein. Und wütend, weil ich nie anders sein durfte. So etwas darf nicht passieren, so etwas darf einfach nicht passieren. Und so ist der einzige Trost auf dieser Welt, mir die Last von der Seele zu schreiben, ein wenig an den goldenen Locken meines Sohnes zu schnuppern und mir diese Schwäche zuzugestehen, um mir vielleicht irgendwann verzeihen zu können.
Es gibt viele Ausreden, warum ich diese Frau gerade angeschrien habe, mit so viel Wut aber eben auch mit so viel Tränen im Bauch. Keine davon darf greifen, weil diese Dinge einfach nicht passieren dürfen. Sie lassen das Kartenhaus einstürzen, das ich mir so mühevoll jeden Tag aufbaue, so lange ich in meiner Verletzlichkeit bleiben will. Ich war nicht immer so. Arroganz und Kälte bieten so viel mehr Geborgenheit für mich. Sarkasmus, Ironie, Sadismus so viel Schutz für meine eigene geschundene Seele. Ein großer Teil meiner Selbst schreit danach, endlich die Verletzlichkeit wieder abzulegen, die ich damals bei der Geburt meiner Tochter angenommen habe und für die ich mich jeden Tag aufs Neue entscheiden muss.
Ich kann nicht Kinder erziehen und lieben ohne echt zu sein. Aber ich reibe mich daran auf. Völlig schwachsinnige Dinge bringen mich aus der Fassung und nehmen Dimensionen an, die Paranoia und Depression befeuern ohne zu wissen, wann es außer Kontrolle gerät.
Ich weiß, dass ich da gerade meine Mutter angeschrien habe.
Vielleicht reicht das für heute als Erkenntnis.