Fehlgeleitet

Nachdem der Kobold ein derartiges Talent beim Fußball gezeigt hat, dass man mit Tränen in den Augen auf die Knie sinken möchte, weil es einfach so unglaublich bezaubernd ist, was er mit einem Fußball tun kann, wollte das Mottenkind nun auch mal.

Also durfte sie mit zum Probetraining.

Zuversichtlich ging ich davon aus, dass sich das Thema nach spätestens 10 Minuten von alleine erledigt hätte, weil es dort nämlich recht ruppig zugeht.

Im rosa Pullover mit wippenden Rattenschwänzen , grauer Hose, rosa Stulpen und Turnschuhen hüpfte sie ambitioniert über den Platz wie ein Känguru, das modisch in den 80ern stehengeblieben ist.

Ihre Vorgehensweise unterschied sich leider eklatant von der der anderen Spieler.

Leider auch vom Regelwerk.

Und so lag das Mottenkind im eigenen Strafraum motzig auf dem Ball wie ein kleiner Käfer, der sich auf einer Kirsche festklammert und weigerte sich, ihn wieder herzugeben.

Das führte spontan zu einem Elfmeter für die andere Mannschaft, den sie mit Enthusiasmus gerne selber schießen wollte.

Als man ihr erklärte, dass die Gegner den Elfmeter schießen dürfen, brach sie in Tränen aus und schlug vor, dass man doch noch mal darüber reden könne.

Beim Freistoß, den der Sohn (der in der selben Mannschaft spielte) ausführen durfte, stellte sie sich mit der gegnerischen Mannschaft auf und versuchte zu verhindern, dass der Kobold aufs Tor schießt. Der Kobold nahm sie zur Seite und erklärte, dass es gut sei, wenn der Ball auf der anderen Seite ins Tor ginge.

Sie zeigte sich versöhnlich, bis einer ihrer Kindergartenfreunde den Ball hatte und ihr nicht abgeben wollte.

Sie zog ihn also am Trikot, schubste ihn auf den Rasen, trat ihm wütend brüllend vors Schienbein, wie sie das Minuten vorher bei anderen Spielern beobachtet hatte, hob den Ball hoch und rannte Richtung großer Bruder.

Ich schlug nach dem Training vor, dass wir vielleicht einfach noch mal einen anderen Sport ausprobieren, woraufhin sie antwortete, dass sie jetzt Fußball spielen würde! Das wäre toll! Da ginge sie jetzt immer hin!

Himmel hilf.

Schreibe einen Kommentar