Ich durfte mir gestern Abend nach langer Zeit mal wieder das Freundebuch des Tochterkindes durchlesen und als wir heute morgen beim Frühstückmachen alleine in der Küche sitzen, nutze ich die Gelegenheit für ein ernsthaftes Gespräch.
„Tochterkind, deine Freundinnen und Freunde geben bei „großes Vorbild“ alle „meine Mutter“ an!“
Ich sehe sie an und hebe die Augenbrauen.
„DU hast geschrieben, du hast kein großes Vorbild! Was sollen denn jetzt die anderen Mütter von mir denken??“
Ich lehne mich theatralisch zurück und tupfe eine imaginäre Träne aus dem Augenwinkel.
„Oar. Mama!“
„Die wollen am Ende alle nicht mehr mit mir spielen! Du musst bei sowas IMMER schreiben: Meine Mutter. Oder besser noch: meine wundervolle Mutter, die mich unter Schmerzen geboren und liebevoll aufgezo…..“ Sie unterbricht mich.
„Mami….“ Sie verdreht die Augen. „Ich will aber nicht so werden wie du. Es reicht völlig, wenn du so bist, wie du bist! Außerdem war das ein Kaiserschnitt.“
Ich reiße schockiert die Augen auf.
„Du meinst…. ich…. aber… du könntest wenigstens eine kleine Fußnote ergänzen, wie sehr du mich für meine sanfte Art bewunderst, mein Lebenswerk würdigst, mich lobend erwähnen wirst, wenn du reich und berühmt bist… selbst wenn ich für viel Geld deine Babyfotos an Zeitungen verkaufe…“
Ich schluchze ein wenig in mein T-Shirt.
Sie dreht die Augen gen Himmel, seufzt und streicht mir grinsend übers Haar.
„Alles wird gut, Mami.“
[Gör.]