Wunschkonzert [keins]

Gerade erklärt sie mir noch, wie sie mit dem neuen Elektro-Rollstuhl auf dem Altenheimflur Höchstgeschwindigkeit erreicht (und wen sie dabei am liebsten überfahren würde), als ihre Stimme plötzlich die Klangfarbe wechselt.

„Was gibt es Neues?“, fragt sie unvermittelt und ich staune einmal mehr über die Wendigkeit ihres fast 90jährigen Geistes.

Ich brumme ein wenig vor mich hin und bringe sie auf den neuesten Stand der Dinge. Ich weiß, dass sie sich gleich aufregen wird. Ich habe Recht.

„Früher…“, fängt sie an und ich muss trotz der Ernsthaftigkeit des Themas ein wenig in mich hineinschmunzeln. Sie springt ein wenig von einem Thema ins nächste und ich kann förmlich spüren, wie ihr Blutdruck ansteigt. „Das Leben ist kein Wunschkonzert, Kind.“, endet sie schließlich resigniert.

Ich brumme zustimmend und höre mir noch Ratschläge zum Spargelkauf an, während meine Gedanken abschweifen. Früher hätten weder wir noch die Kinder eine Wahl gehabt. Früher hätte man wohl viele Fragen gar nicht gestellt.

Aber ob das so viel besser gewesen wäre?

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