Vom nach dem Sterben

Der weltbeste Notar und Anwalt öffnet uns die Tür und ich bin wie jedesmal ein bisschen verliebt. In das alte Haus, in die Stuckdecken, in seine weißhaarige alte Agentenfilm-Sekretärin und in ihn. Seine Stimme, seinen Geist und sein enormes Fachwissen, das es nicht geschafft hat, die Menschlichkeit aus seinem Herzen zu verdrängen.

Die letzten Jahre hat dieser Mann uns bei so vielen Dingen begleitet. Beim Hausverkauf, beim Hauskauf, in den Auseinandersetzungen mit Exmann und Exfrau um Kindesunterhalt.

Beim Sorgerechtsprozess um die Zusatzkinder, kurz: in allen rechtlichen Belangen. Und natürlich hat auch er unser Testament verfasst.

Hier leben sechs Kinder, zwei erwachsene Menschen und eine pflegebedürftige Person. Wir haben drei Kinder. Der Mann hat fünf Kinder. Ich habe vier Kinder. Zwei der Kinder sind Halbwaisen.

Ein sorgeberechtigter Elternteil lebt nicht in diesem Haushalt. Es geht um Immobilienbesitz, Erbanteile, Pflichtteilsansprüche, Vorsorgevollmachten und Vormundschaften.

Er hat es geschafft, all unsere Wünsche auf vier Seiten Testament unterzubringen. Die Unterschrift kommt mir fast bedeutender vor als damals bei der Eheschließung. Dies hier fühlt sich schwerer an.

Erwachsener.

Der Mann setzt seine Unterschrift unter meine.

Der Notar seine darunter.

Er lächelt uns an:

„Auf dass diese Papiere möglichst lange in der Schublade bleiben!“

So möge es sein.

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