Butz geht aus Gründen sonst nur mit dem Mann einkaufen und mangels Lauffähigkeit der Kriegerin habe ich heute ihn mit zum Weihnachtseinkauf gehabt.
Wir saßen keine Minute im Auto, da wollte ich ihn während seines vor der Fahrt durchgeführten CheckUps schon wieder aussetzen.
Mein Highlight vorausgenommen war seine ausufernde Diskussion mit der Kassiererin, als die Durchsage „Wir schließen Kasse 2 – bitte legen Sie keine weiteren Waren mehr auf das Kassenband!“ kam und wir den Einkaufswagen erst halb geleert hatten.
Ich bekomme auf dem Supermarktparkplatz den allerbesten Parkplatz und verkünde, dass wir heute Glückskinder seien, da folgt auch schon eine mehrminütige Berechnung, wie wahrscheinlich es sei, dass dieser Parkplatz frei ist und wie wenig das mit Glück zu tun habe.
Im Laden angekommen, stellt er nach kurzer Zeit fest, wie bummelig ich mich bewege und warum ich alles ankucke und PAPA GEHT VIEL ZÜGIGER UND HAT AUCH EINEN EINKAUFSZETTEL. Ich überlege, ihm ein Brötchen in die Hand zu drücken in der Hoffnung, dass er dann beschäftigt ist.
Ich kaufe komisches Obst und verlange von ihm, Dinge zu organisieren, das MACHT PAPA NIE und konfrontiere ihn mit Gemüsesorten, die er erst googeln müsste, aber ICH habe ihm ja schon im Auto verboten, das Handy in meiner Gegenwart zu benutzen, weil ich das unhöflich finde.
Nach dem halben Einkauf ist er weg und ich finde ihn, wie er mit der Geschäftsleitung, die er kennt, weil ich mit ihr befreundet bin, Dinge von Ameisen in Regale sortiert und ihr dabei sein Leid klagt. Ich sammel ihn wieder ein und zwinge ihn, sich am Wagen festzuhalten.
Einen empört vorgetragenen Monolog später, wie entwürdigend es für TEENAGER sei, sich am Wagen festhalten zu müssen, entdeckt er die Aktionsware für Kleinkinder und zählt mir alle ähnlichen Spielzeuge auf, die er als Kind je besessen hat und bewertet sie auf einer Skala von 1-10.
Sein sehnlichster Wunsch sind nun Magnetbausteine für Kinder ab 2 und eine Ukulele und mein Verweis darauf, dass er das alles irgendwo in seinem Zimmer hat, stößt auf taube Ohren. Er entdeckt eine Sopranblockflöte und erklärt das zu seinem neuen allerliebsten Hobby.
Wir schieben mit vollem Wagen zur Kasse, Lieblingskassiererin, Gott sei Dank. Wir sollen die letzten Kunden sein, sie schließt die Kasse, es ertönt die verheerende Durchsage. Butz kuckt in den Wagen, zur Kassenleuchte, ich fühle, wie er implodiert. Er startet eine Diskussion.
Das Einpacken geht erstaunlich streitarm voran, ich darf die frischen Sachen in die Kühlboxen packen, da kann ich wohl nicht viel falsch machen, ich kündige an, dass ich noch zur Bank muss, um Geld für das Hochzeitsgeschenk abzuheben.
Butzi wittert seine Chance, mich in ein Gespräch über Geschenkgepflogenheiten zu verwickeln und als wir am Sparkassenschalter ankommen, fasst er das bisherige Gespräch für die Angstellte so zusammen: „Wir bezahlen im Grunde für unser eigenes Essen, bekommen aber keine Quittung.“
Ich bin dankbar, dass er nichts von getrockneten Tintenfischen erzählt und versuche zu erklären, dass es unangemessen ist, für alle Bankbesucher hörbar unseren Kontostand herauszubrüllen und vorzurechnen, wieviele Jahrzehnte er bräuchte, diese Summe mit Taschengeld zu erreichen.
Zuhause angekommen lasse ich mich entkräftet auf einen Stuhl fallen, schreibe diesen Beitrag und als der Mann nach Hause kommt, klage ich ihm mein Leid und alles, was er grinsend sagt, ist:
„Das ist mein Sohn.“