Keine Mami

Durch einen ganz anders gelagerten Zwischenfall kam ich heute in den Genuss einer erwachsenen Begegnung. Einen Termin, den ich (natürlich, wie immer) mit vier Kindern und insbesondere mit einem Baby am Bein absolviert hätte, wurde durch die Ablösung durch den Mann mittags zu einem wirklichen Gespräch.

Erwachsen, in Ruhe.

Was der normale Arbeitnehmer, der in seinem ruhigen Büro arbeiten und sich konzentrieren darf, schon lange nicht mehr als Luxus empfindet, ist für mich genau das.

Und dann noch in exakt meinem Themenbereich.
Ich konnte vor dieser Gruppe Menschen aufstehen, das Wort ergreifen, sprechen, vorschlagen, führen, entscheiden.

Ich.

Nur ich.

Nicht ich als Mutter mit Baby, die auch was sagen kann, während sie nebenher das Kind beschäftigen muss, sondern ich. Fokus. Konzentration. Ruhe.

Ich durfte mich zu meiner vollen Größe aufrichten, ohne Sanftheit, ohne Güte, ohne leise sein zu müssen, weil eines meiner Kinder diesen Anteil in mir zu seiner Sicherheit benötigt. Laut. Kräftig. Meiner Selbst sicher.

Und ich merke so sehnsüchtig, wie sehr mir das fehlt.

Auch hier: es reicht mit Babys.
Es ist gut, wie es ist. Nicht noch einmal, wir sind komplett. Endgültig.
Ich habe mich für Kinder entschieden und für Haushalt und Mutterschaft.
Und auch noch für viele weitere Jahre, weil ich und wir das für wichtig halten.
Aber die Sehnsucht nach einem Ich ohne Kinder wuchs mit jedem weiteren Familienmitglied.

Ich habe immer gerne gearbeitet.
Ich war erfolgreich und hatte Spaß daran und damit.

Eine weitere Schicksalsbegegnung folgte direkt im Anschluss.

Eine Frau, die mich heute (wo ich ohne Kind/Baby war), endlich ansprach, was sie sich normalerweise ihrer Aussage nach nicht traute, weil ich ja immer mit „den vielen Kindern so beschäftigt“ sei und bestimmt nicht noch für ihr Anliegen ein weiteres Ohr hätte, schenkte mir ein weiteres intensives Gespräch.

Sie hatte meine Zeichnung im Kindergarten gesehen und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, etwas thematisch ähnliches für ihren Körper zu entwerfen.

Sie zeigte mir die Tätowierungen, die verbunden werden sollten und wir sprachen ausführlich über Motiv, Farben und Formen und ich malte ihr mit meinem Filzstift schwungvoll und enthusiastisch den Arm entlang, bis wir strahlend einander ansahen und mir klar wurde, was ich da tat.

Ich zog mich zurück. Mir ist klar, dass ich dafür keine Zeit habe.

Keinen Raum.

Keine Ruhe.

Kein … Recht?

Ich habe mich doch entschieden. Meine Priorität ist klar.
Die Sehnsucht brüllt so laut wie schon lange nicht mehr.

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